Rat Race

USA, 112min
R:Jerry Zucker
B:Andy Breckman
D:John Cleese,
Cuba Gooding Jr,
Jon Lovitz,
Rowan Atkinson,
Whoopi Goldberg
L:IMDb
„He made a joke”
Inhalt
Um für Millionäre das Spielen in Las Vegas wieder spannend zu machen, hat sich Casinobesitzer Sinclair (John Cleese) ein ganz besonderes Spiel ausgedacht: zufällig ausgewählte Spieler werden dazu animinert, ein Wettrennen zu einem Schließfach in New Mexiko zu veranstalten, in dem auf sie zwei Millionen Dollar warten. Dass sie zu Wettobjekten für jene Millionäre werden, ahnen sie indes nicht.
Kurzkommentar
Mit "Die Nackte Kanone" produzierte Jerry Zucker so etwas wie Legende, jetzt steht er selbst hinter der Kamera. "Rat Race" zieht die Schraube des konzentrierten Schwachsinns zwar nicht eng genug an, so dass während mancher nicht zündender Gags Luft geholt werden darf. Aber auch so liefert die temporeiche, selten peinliche Farce genug bizarre Momente für einen spaßigen Gemeinschaftsbesuch im Kino.
Kritik
Wie gut überdrehter, fast schon geniehafter Schwachsinn auf der Leinwand tun kann, dafür dürfte Jerry Zucker ein Begriff sein. Zusammen mit seinen Partnern David Zucker und Jim Abrahams ("Hot Shots") produzierte er diverse "Nackte Kanone"-Teile, allesamt Marksteine des schwer unterhaltsamen Blödsinns. Die Agentenpersiflagen dürfte mittlerweile zu Quasi-Klassikern gewachsen sein, kein Wunder, boten sie die immer atemberaubend höchste Dichte an Gags pro Szene. Krepieren taten davon sogar die wenigsten. Ist das Zuckers Leistung als Produzent mit dem richtigen Instinkt, so endeten seine Gehversuche als Regisseur in der Gunst des Publikums nicht ganz so erfolgreich.

Außer der 1984er Klamotte "Top Secret" dürfte natürlich der kitschige "Ghost" in Erinnerung geblieben sein. Zuletzt versuchte sich Zucker dann vor sieben Jahren an einer pittoresk bebilderten, aber gähnend einfältigen Version der Artus-Legende. Zeit also, ins angestammte Genre zurückzukehren. Und die zwei wichtigsten Voraussetzungen, um aus "Rat Race" wieder einen brüllstarken Schenkelklopfer zu machen, sind auch gleich gegeben: Zucker gelingt es, Namen um sich zu versammeln, mit denen im Grunde nichts wirklich schiefen gehen kann. Zu den beiden britischen Komödienschwergewichten John Cleese und Rowan Atkinson gesellen sich Whoopi Goldberg und sogar Cuba Gooding Jr.. Auch Oscarpreisträger wollen mal straflos albern sein.

Hinzu kommen noch weniger bekannte, aber nicht weniger fähige Gesichter. Die Nonsensetruppe wirkt in jedem Fall umgehend richtig zusammenstellt, durch die bunten Typen vielversprechend kontrastierend und abwechselungsreich. Konsequenterweise kann es damit einen alleinigen Mittelpunkt nicht geben, die Ausdrucksmöglichkeit der Einzelrollen ist also beschränkt. Aber immerhin klingt davor als zweite Voraussetzung sehr gut, dass Zucker und seine Drehbuchautoren der Einfallsreichtum auch diesmal nicht verlassen hat. Denn die Grundidee, ahnungslose, durch Zufall ausgewählte Casinozocker in ein Rennen zu schicken, bei dem sie die Wettobjekte für gelangweilte Millionäre sind, ist vom Grad der Abgedrehtheit absolut würdig.

Wer nun jedoch den Namen Zucker mit der "Nackten Kanonen" verbindet, will eine zweistufige Erwartungshaltung erfüllt sehen: zum einen hohes Tempo der Szenen, zum anderen Gagsalven ohne Ende. Für die Handlung muss das gar nicht relevant sein, sollten die Szenen hier ohnehin nur als Träger für verschärfte Situationskomik herhalten. Als bizarres Wettrennen um die große Kohle geht es dann auch in flotten Schritten voran, allerdings von Beginn an deutlich unter der Messlatte der "Nackten Kanone". Das mag vielleicht daran liegen, dass eine Agentenparodie über einen höheren Gagfundus verfügt.

Entscheidend zünden können in "Rat Race" nicht alle Gags, aber das "Barbie"-Museum mit Überraschungsinhalt, der Klau von Hitlers Mercedes und einige weitere Momente rechtfertigen diese Farce schon mehr als genug. Echtes "Klassikerpotential" dürfe allerdings keine Szene haben. Dennoch, in Zeiten, wo sonst der Vulgärhumor vorherrscht, macht der entspannt-forcierte Blödsinn von "Rat Race" ausreichend Laune. Aufgrund der vielen Rollen wird jeder Einzelne zwar eingeschränkt und über die Witzigkeit von Rowan Atkinsons exaltiertem Minenspiel kann man auch getrennter Meinung sein. Der sonst so ernste Gooding spielt aber locker auf und auch John Cleese verantwortet einige schräge Momente. Mit einem Tick mehr Konsequenz hätte "Rat Race" recht wahnwitzig werden können. Aber auch so sollte man zusammen mit Freunden dem halbwegs kreativen Quatsch im Kino zusagen.

Zuweilen zündungsschwacher Blödsinn mit phantasievoller Grundidee


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Trotzdem "Rat Race" zu Beginn eine feinhumorigere Komödie als so manche Komödienkeule der Konkurrenz zu sein scheint, entpuppt sie sich doch zunehmends als ebenso formelhaft, uninspiriert und derb. So manchem Fan des etwas deftigeren Humors wird das Rattenrennen sicherlich gefallen, die anderen seien jedoch vorgewarnt....