One, The

USA, 87min
R:James Wong
B:Glen Morgan, James Wong
D:Jet Li,
Carla Gugino,
Delroy Lindo,
Jason Statham
L:IMDb
„Procedure sucks”
Inhalt
Die Welt ist in eine Vielzahl paralleler Universen aufgeteilt. Von jedem Menschen gibt es etliche Kopien. Sobald einer dieser natürlichen Klone stirbt, überträgt sich dessen Lebensenergie auf alle übrig gebliebenen. Wer es schafft, als Unikat durchs "Multiversum" zu wandeln, wäre quasi unbesiegbar. Seit zwei Jahren verfolgt der kompromisslose Faustkämpfer Yulaw (Jet Li) dieses Ziel. In allen Winkeln hat er seine Pendants schon aufgespürt und kaltblütig eliminiert. Alle, bis auf einen.
Kurzkommentar
Auch im dritten Anlauf gönnt Hollywood der fernöstlichen Prügelikone Jet Li keinen soliden narrativen und handwerklichen Rahmen. Die eigentlich originelle Idee von „The One“ wird einer schnell produzierten Melange aus typischen Versatzstücken bekannter Sci-Fi-Klassiker geopfert. Regisseur James Wong („Final Destination“) bietet allein dumpf überladene Videospielaction, die wohl nur Fans befriedigt. Das vorhandene Charisma des Hauptdarstellers geht unter in Negativdramaturgie und kostengünstigen Settings und Computergrafiken.
Kritik
Die Verleihpolitik gibt uns die verschiedensten Gründe für verspätete Kinostarts. Im Falle von „The One“, schon vor einem Jahr in den amerikanischen Kinos, gibt es, wie treffend, denn auch nur einen: Jet Li. Er mag kein zweiter Bruce Lee sein, aber als chinesischer Export, der in „Lethal Weapon 4“ seinen kläglich kleinen Hollywoodeinstand beging, ist der Martial-Arts-Guru und Streetfighter so recht ein Knaller. Bevor das Tor zum Westen aufging, erprügelte sich Li in der Heimat legendären Status; ganz so wie Jackie Chan, nur mit dem Ernst eines Terminators. Kritiker nicht vorhandener Schauspielkunst dürfte er pointiert mit der Handkante flachlegen.

Für diese Argumente gibt es auch eine gewisse beinharte Zielgruppe. Die konsumiert, spielt die Ikone mit, denn womöglich auch jedes noch so schnell hingeschluderte Billigkonstrukt. Dass Li nach „Romeo Must Die“ und „Kiss of the Dragon“ auch jetzt nicht der Durchbruch gelingt, ist schade. Denn sympathisch ist er schon. Er als Produkt hätte nur richtig verpackt werden müssen. Der schwarze Peter wird also an Regisseur James Wong und Drehbuchautor Glen Morgan weitergereicht. Zusammen lieferten sie vor zwei Jahren den immerhin originellen Horror „Final Destination“ ab. Da Wong zudem zu etlichen Folgen der „X-Files“ das Script verfasste, standen die Zeichen für Drehbuch und Dramaturgie nicht unbedingt schlecht.

Und „The One“ scheitert auch gar nicht an der Idee. Gut, dass die eine Realität nicht die eine und jedes Universum eh nur Matrix ist, gehört neuerdings zum stereotypen Zitatenrepertoire des Sci-Fi-Genres. Die Variation von „The One“ ist nun Simplizität pur, aber die Grundannahme der Energie, die nach Ableben einer der über hundert Inkarnationen auf die verbleibenden sich verteilt, hat etwas. Dass dabei jegliche Eventualität auf philosophischen Firlefanz im Zuge von „Matrix“ ausgeklammert wird, ist als Tribut an die Action ja auch noch zu verkraften. Allerdings hapert es bereits bei der technischen Umsetzung in Kombination mit der B-filmhaften Dramaturgie.

Schon die Einleitung greift in unfreiwilliger Komik und Zielgruppenanbiederung typische Elemente des Videospiels auf: billige, rasant geschnittene Computergrafiken mit Weltraumszenen geben den optischen Dekor für eine möglichst sonore, reißerische Stimme, die in maximal zwanzig Sekunden den Plot referiert. Nun, wozu auch Alibistorys, Li soll ja sowieso nur möglichst schlagkräftig austeilen. Doch bitte nicht im schäbigen Plastikambiente. Dass „The One“ schnell, mit wenig Sorgfalt und Geld geschustert wurde, zeigt sich deutlich. Die Settings sind von minderer Qualität und die blau blinkenden Schießprügel könnten aus der Spielzeugwarenabteilung des nächsten Kaufhauses stammen.

Handlungstechnisch sieht es ähnlich übel aus, denn das platte Raster des „Multiversums“ präsentiert sich irgendwie albern. Statt Möglichkeiten zu nutzen, dienen Vielgestaltigkeit und Parallelität nur zu nervig seriellen, szenischen Wiederholungen der Ermordung des anderen Ich. Jet Lis Charakter hat darin ungefähr so viel Substanz wie er Wörter verliert, angemessen gerahmt ist er vom klischeehaften-klassischen Bullenduo mit Autoritätskonflikt. Doch das ist Beiwerk und wird den Fan nicht irritieren. Interessanter wird er finden, dass die Zeiten des guten alten Easterns, in dem die Kämpfenden noch völlig naturbelassen der Schwerkraft adieu sagten, vorbei sind. Nach der „Matrix“ muss jeder Kampf, egal ob mit Faust oder Wumme, computerfrisiert daherkommen. Und Bescheidenheit wird hier nicht propagiert.

Statt gebräuchliche Ohrlaschen mit den Handflächen zu verteilen, verdrischt Li einen Cop kurzerhand mit zwei Motorrädern. So geht das dann köstlich übertrieben und frech kopierend (natürlich mit dem obligatorischen Ausweichen vor in Zeitlupe nahenden Kugeln) weiter, aber für Begeisterung bleibt da kaum Platz. Dafür ist alles zu beliebig, als „Gewaltästhetik“ einfach zu stillos, zu wenig innovativ – und vor allem riecht es nach Trash. Seinen großen Teil dazu stiftet auch die offensiv dröhnende Metal-Musik, Beginn und Ende jeder Gewaltszene feinsäuberlich stimmungstötend markierend. Das sind Tatsachen, die „The One“ als zweitklassig lächerliche Actionproduktion klassifizieren, doch das alles wird Li-Fans kaum verschrecken. Schließlich gibt’s den Meister hier gleich doppelt und gegeneinander.

Zweitklassiker Sci-Fi-Prügler in Videospielgewand


Flemming Schock