L.A. without a Map

Finnland/Frankreich/England, 107min
R:Mika Kaurismäki
B:Mika Kaurismäki
D:David Tennant,
Vinessa Shaw,
Vincent Gallo,
July Delpy,
Johnny Depp
L:IMDb
„Bleib ruhig. Alles cool, Mann. Echt cool.”
Inhalt
Der junge schottische Bestattungsunternehmer Richard lernt durch Zufall die grosse Liebe seine Lebens, eine Touristin aus L.A. kennen. Wenig später fliegt er ihr hinterher in die Stadt des Films und versucht, sie für sich zu gewinnen. Das ist gar nicht so einfach, denn L.A. hat so seine Eigenheiten, mit denen der unerfahrene Schotte nicht so ganz vertraut ist.
Kritik
Ok: Alle, die nur der Unterhaltung wegen ins Kino gehen, und mit europäischen Filmen und dem Versuch eines anspruchsvollen Kinos nichts anfangen können, klicken jetzt hier. Alle anderen, denen der ganze Rummel um StarWars, der einige gute Filme von ihren originalen Startterminen verdrängt hat, auf die Nerven geht, oder die gerne auch mal einen etwas anderen Film sehen möchten, können weiterlesen:
Von dem Finnen Mika Kaurismäki ist Kino jenseits von Hollywood zu erwarten. So ganz gelingt ihm das aber nicht, denn zum einen spielt "L.A. without a Map" ja genau dort und thematisiert die wohlbekannten Unterschiede, zum anderen finden sich durchaus einige amerikanische Elemente. Bei der Handlung angefangen, die das Leben in Hollywood gehörig auf die Schippe nimmt, wenn auch manchmal etwas zu klischeehaft. Die Grundidee funktioniert gut: Der etwas grüne Richard findet sich in L.A. nicht zurecht, weil er "nicht genug L.A." ist. Es ist die Stadt, die ihn und seine Angebete Barbara beeinflusst. Und es ist seine Vorstellung, seine Liebesgeschichte müsste wie im Film ablaufen. Insofern bringt Kaurismäki ein altes Thema und eine alte Moral in einer klassichen 2-Ebenen-Geschichte auf die Leinwand: Sei du selbst, lass dich nicht beeinflussen. Zusammen mit den manchmal etwas arg offensichtlichen (moralischen) Keulen, die der Film gegen das Hollywood-Leben wendet, ergibt sich so ein Film, wie man ihn nur in Nicht-Amerika drehen kann.
Klingt etwas fad und absehbar, ist aber recht unterhaltsam, und zudem mit vielen tollen Details gespickt. Allem voran, schon allein deshalb ist der Film sehenswert, Vincent Gallo. Er spielt einen Swimmingpool-Reiniger und den besten Freund Richards in der Fremde. Das in letzter Zeit etwas abgenutzt scheinende Wort 'cool' erfährt bei ihm eine Renaissance, Gallos ständiger Drogen-Blick, der Gesichtsausdruck, als müsste er gleich losprusten und sein im Übermass abgebenes 'Cool, Mann' sind einfach cool, Mann.
Gleiches gilt für Johnny Depp, der in einer kleinen Gastrolle ebenfalls die Sympathie auf seiner Seite hat. Und dann wären da noch die in Kaurismäki-Filmen allgegenwärtigen Leningrad Cowboys...
Über diese vielen feinen Kleinigkeiten vergisst man fasst den Hauptdarsteller. David Tennant als Richard, der die Geschehnisse sarkastisch aus dem Hintergrund kommentiert, ist ebenfalls sehenswert, vom unerfahrenen Schotten bis zum besoffenen Duellanten hat er alles drauf.
Eigentlich sollte der Film genauso untypisch zu Ende gehen, wie er es zu sein vorgibt. Stattdessen gibt er sich konventioneller, zum Glück, andernfalls würde man den Glauben an das gute im Menschen vollends verlieren.

Cool ... einfach nur cool


Wolfgang Huang