Chef zum Verlieben, Ein
(Two Weeks Notice)

USA, 101min
R:Marc Lawrence
B:Marc Lawrence
D:Hugh Grant,
Sandra Bullock,
David Haig,
Alicia Witt,
Dana Ivey
L:IMDb
„Ich bin Anwältin George und nicht hier, um ihnen eine Frau oder Klamotten auszusuchen.”
Inhalt
Ohne Lucy Kelson (Sandra Bullock) kann sich Millionär George Wade (Hugh Grant) nicht einmal eine Krawatte aussuchen: Als Chefanwältin der Wade Corporation ist die hervorragende Juristin rund um die Uhr im Einsatz – Schlafmangel und Magengeschwüre gehören zum Berufsbild. Aber nicht die Arbeit raubt Lucy die Nachtruhe, sondern George. Denn der smarte, charmante und völlig egozentrische Chef behandelt die Harvard-Absolventin wie eine Hausangestellte. Monatelang hat Lucy ihm die Anzüge gekauft, Tennisunterricht gegeben und seine Scheidungsverhandlungen geführt – jetzt wirft sie das Handtuch. George ist über ihre Kündigung gar nicht glücklich, lässt sie aber gehen – unter der Bedingung, dass sie selbst für Ersatz sorgt. Lucy sucht und findet die ehrgeizige junge Anwältin June Carter (Alici Witt), die offensichtlich ein Auge auf ihren reichen neuen Boss
geworfen hat. Nach dem Dauerstress freut sich Lucy, endlich wieder Aufgaben zu übernehmen, die ihrem sozialen Engagement entsprechen. Oder?
Kurzkommentar
"Ein Chef zum Verlieben" reiht sich in die schier unendliche Reihe moderner Romanzen ein, zählt dank gutem Darstellergespann aber durchaus zu den gelungeneren Werken. Die Dialoge stimmen, unorigineller Slapstick hält sich in Grenzen, Fotographie und Musik fangen die Atmosphäre ausreichend ein. Für den klassischen abend zu zweit durchaus kein Fehlgriff.
Kritik
Marc Lawrence konnte in seiner Karriere bislang weniger durch bestechend innovative Drehbücher, denn durch Standard-Komödien überzeugen - vorzugsweise auf die Hauptdarstellerin Sandra Bullock zugeschnitten. So legte Lawrence sowohl das Skript zu "Auf die stürmische Art" als auch zu "Miss Undercover" vor. Und da beide Komödien recht erfolgreich waren (insbesondere "Miss Undercover" mit über 100 Mio.$ Einspielergebnis allein in den USA), durfte Lawrence nun auch mal auf dem Regiestuhl Platz nehmen. So liest es sich zumindest als Außenstehender und da Bullock mittlerweile als Produzentin tätig ist (Fortis Films) und auch diesen Film wieder mitfinanziert hat, scheint die Art "Freundschaftsdienst", die sie ihrem Kollegen Lawrence erwiesen zu haben scheint, gar nicht soweit hergeholt.

Viel zu sagen gibt es angesichts des Hintergrunds und der Besetzung eigentlich nicht: "Ein Chef zum Verlieben" ist die Hollywood-Standard Romanze, die man von ihm erwartet. Wie hunderte romantische Komödien vor ihm setzt er allein auf den Charme seiner Darsteller, bringt "Dramatik" nur durch bekannte Eifersuchts- und Eitelkeitsituationen ins Spiel, und steht und fällt mit der Qualität seiner Slapstick-Situationen, süffisanten Dialoge und Sympathie gegenüber seinen Charakteren. Dass Hugh Grant nach seinen etwas "untypischeren" Rollen in "Bridget Jones" und "About a Boy" wieder den Herzensbrecher spielt, zeigt einerseits, dass er wenig Idealismus besitzt, andererseits, dass ihm diese Rollen wohl einfach Spaß machen. Sandra Bullock, mit der liebenswerten Tolpatschigkeit aus "Während Du schliefst" unterwegs, kann sicher auch nicht gerade ein Musterbeispiel einer anspruchsvollen Filmographie vorlegen und gibt sich auch in "Ein Chef zum Verlieben" nicht die Mühe, ihr Image in eine neue Richtung verändern zu wollen. Aber ist das schlimm? Sicher nicht, denn wo kein falscher Anspruch, da keine berechtigte Kritik.

Ob ein Film dieser Art nun "durchschnittlich", "gut" oder gar "sehr gut" wird, hängt vor allem von Pointenrhythmus, Darstellercharme, Dialogqualität und liebenswerten Nebencharakteren ab - Merkmale, die beispielsweise in "Notting Hill" und "Bridget Jones" besonders hervorstechen konnten. "Ein Chef zum Verlieben" erreicht das Niveau dieser Genre-"Größen" kaum, geschweige denn die Süffisanz etlicher Screwball-Klassiker Billy Wilders. Dennoch macht die Komödie Spaß, hat sowohl gelungene als auch abgedroschene Gags, ist zwar nach dem gängigen Schema aufgebaut, verfehlt aber auch in Standardszenen, in denen man den Protagonisten ihr endgültiges Liebesgeständnis wünscht, nicht seine Wirkung. Für 100min bescheidene, aber hübsche Unterhaltung reichts in jedem Fall.

Niedliche Standard-Romanze mit treffender Besetzung


Thomas Schlömer