Ring
(Ring, The)

USA, 115min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Gore Verbinski
B:Koji Suzuki,Ehren Kruger, Hiroshi Takashi
D:Naomi Watts,
Martin Henderson,
David Dorfman,
Brian Cox
L:IMDb
„You'll die in seven days.”
Inhalt
Als ein junges Mädchen unerklärlicherweise stirbt, wird die Journalistin Rachel Keller (Naomi Watts) aufmerksam und stellt weitere Nachforschungen an. Bald stellt sich heraus, dass das Mädchen exakt 7 Tage vor ihrem Tod ein ominöses Video gesehen hat, zusammen mit einigen Freunden, die ebenfalls alle tot sind. Bald bekommt Rachel das Band in die Hände, und fortan hat sie nur noch eine Woche, das Geheimnis um das Todesvideo zu lösen.
Kurzkommentar
"The Ring" erfüllt sein Hauptziel: Er gruselt die Zuschauer, und das nicht schlecht. Die dazu verwendeten Effekte und Kniffe sind zwar nicht neu, aber gekonnt kombiniert. Größere Storylücken und deutlich weniger Charme als das Original verwehren dem Remake aber höhere Weihen.
Kritik
Ausländische Filme, synchronisiert oder gar nur untertitelt, sind ein Greuel für Amerikaner - daher werden (zumindest für den Massenmarkt) im Ausland erfolgreiche Filme zumeist schlicht nachgedreht, damit dem Zuschauer auch ja kein Stückchen fremder Kultur oder ein unamerikanisches Setting zugemutet werden muss. So wirken denn auch die ersten 20 Minuten von "The Ring" wie eine 1:1-Kopie des japanischen Originals, oft mit exakt den gleichen Kameraeinstellungen, nur mit amerikanischen Schauspielern. Auch im späteren Verlauf orientiert sich die amerikanische Version dicht am Original, nicht ohne jedoch stellenweise auch wieder deutlich abzuweichen.

Im Wesentlichen lässt sich "The Ring" leicht zusammenfassen. Wer sich anständig gruseln will, wird bestens bedient; ich kann mich an keinen Film erinnern, der mir mehr Schauer über den Rücken gejagt hat. Und obwohl sich der Film im Wesentlichen aus dem Standard-Schock-Sammelsurium bedient, bleibt die Story vergleichsweise unvorhersehbar - der Endtwist ist besonders gelungen.
Wer aber erwartet, dass alles, was in dem Film vorkommt, Sinn macht und am Schluß die Puzzlestücke alle an ihren Platz fallen, für den ist "The Ring" definitiv der falsche Film. Wer sich darüber aufregt, dass ein Film bestimmte Szenen, Ereignisse und Effekte nur um des Schockeffekts willen enthält, ohne dass sie den geringsten Sinn für den Film machen, sollte lieber einen großen Bogen um "The Ring" machen. Doch obwohl die Storylücken derart klaffend ausfallen, dass spätestens nach einer Stunde eigentlich schon alle Protagonisten darin hätten verschwunden sein müssen, ist das Drehbuch nicht schlecht - es ist atmosspährisch, und der Grusel ist durchaus gekonnt. Immerhin stammt die amerikanische Version auch von Ehren Kruger, der ebenfalls für "Scream 3" und vorallem "Arlington Road" verantwortlich zeichnete.

Insgesamt fällt die amerikanische Variante deutlich "optischer" aus, soll heissen, es gibt mehr zu sehen, es wird mehr dargestellt, die Kamerarbeit ist weniger fantasievoll sondern zeigt, was Sache ist. Das japanische Original ist da bedeutend zurückhaltender, verwendet extremes low-key-lighting (lies: es ist ständig dunkel), erinnert mehr an "Blair Witch Project". Der US-Film ist so vollgepackt mit Grusel, dass man am Ende beruhigt sein kann, das alles nur ein Film war - das Vorbild tendiert mehr Richtung Urban Legend, versucht aber, den Zuschauer zu verunsichern. Auch wurde in der Neuverfilmung einiger "modischer Schnickschnack" eingebaut, zum Beispiel so ein nerviger parapsychologischer Balg, wie sie seit 6th Sense leider sehr beliebt sind. In der japanischen Version kommt der Gott sei Dank so nicht vor. Aber vorallem die geringere Geschlossenheit der Handlung stört doch nicht unerheblich. Das Original hält sich hier mehr zurück, was die Geschichte auch schlüssiger macht, auch das Ende kann überzeugen. Das Remake opfert die Storykonsistenz allzu oft dem schnellen Effekt, und zumindest ich hab das Ende nur mit dem Wissen um das Original verstanden.

Technisch gesehen ist der Film am ehesten als "routiniert" zu beschreiben - angesichts der engen Orientierung an der filmischen Vorlage hatte Regisseur Verbinski gewissermaßen nicht mehr viel zu tun, was die Inszenierung anbelangt. Die Kameraarbeit fällt positiv auf, ebenso die Musik, ein eher untypischer Score von Hans Zimmer. Schauspielerisch zeigen Watts und Henderson kaum mehr als Durchschnitt, aber für einen Horrorfilm ist das schon vergleichsweise viel.

Die Neuverfilmung ist so amerikanisiert und angepasst, dass sich der Kultcharakter des Originals nicht mehr nachvollziehen lässt - dieser Verlust an "Charme" ist deutich spürbar. Dennoch ist "The Ring" kein schlechter Film, und zum gediegenen Gruseln taugt er allemal.

Amerikanisierter Grusel-Schocker ohne Originalatmosspähre


Wolfgang Huang
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Ein feines Stück Horrorfilm tischt uns Gore Verbinski auf. Ohne Kenntnis des Originals kann der Film zweifelsohne nur gewinnen, aber trotzdem bleibt das Ergebnis beachtenswert. In einem Genre, dass von so wenigen echten Highlights bevölkert wird, ist "The Ring" jedenfalls mehr als einen Blick wert....