Old School - Wir lassen absolut nichts anbrennen
(Old School)

USA, 90min
R:Todd Phillips
B:Court Crandall
D:Luke Wilson,
Will Ferrell,
Vince Vaughn,
Jeremy Piven
L:IMDb
„Hello, i´m here for the gangbang”
Inhalt
Noch einmal den Spaß aus Studententagen erleben dürfen? Noch einmal auf jede Verantwortung pfeifen und das ungezügelte Leben in vollen Zügen genießen? Drei Freunde, um die dreißig, wollen die den ungestümen Spaß ihrer College-Jahre wieder einfangen, indem sie eine eigene Studentenverbindung gründen. Mitch (Luke Wilson), Frank (Will Ferrell) und Beanie (Vince Vaughn) sind an der ersten großen Wegkreuzung in ihrem Leben angelangt. Sie können verantwortungsvolle Ehemänner und Väter mit soliden Karrierechancen werden oder sie können das Erwachsensein noch eine Runde aufschieben, um ein sorgloses Partyleben in einer ‚fraternity‘ auszukosten. Keine Frage, wofür sie sich entscheiden. Erstmal jedenfalls.
Kurzkommentar
Das Leben, eine einzige Party. Jung sein heißt Trieb sein und der Wunsch danach „Old School“. Regisseur Todd Phillips („Road Trip“) bleibt bei seinen Leisten und legt eine Art Retro-High-School-Klamotte vor. Die Grundidee des zu harmlos ausgelassenen Streifens ist keine schlechte. Und auch das Trio der Hauptdarsteller ist tragfähig. Ansonsten ist „Old School“ von treffender Musik durchsetzte Konfektionsware rund um gewohnt wüst-schweinische Späßchen niederster Provenienz.
Kritik
Vor Zeiten konnte man noch seinen Mann stehen, in den Burschenschaften z.B. Jene studentischen Selbstverbindungen waren offiziell und ursprünglich politisch motiviert, gaben aber vor allem – so das Klischee bis heute – die Lizenz zu statutengemäßen Gruppenbesäufnissen und allerlei anderen Orgien. Nach einem mehr oder weniger perversen Initiationsritus war man Teil dieser selbst erklärt exklusiven Männerkaste. Glaubt man „Old School“ nun, gibt diese auch den Mittdreißigern, die die Uni schon hinter sich und im langweilig geregelten Leben niedergelassen haben, das, was sie wirklich brauchen: ein rituelles „Die-Sau-rauslassen“ unter professioneller Anleitung.

Genau das wird im amerikanischen College-Film auch mit Vorliebe abgebildet und setzt sich, der Erwartungshaltung des Publikums entsprechend, aus einer dreiteiligen Botschaft zusammen: Alkohol, Sex und Drogen als instinktive Lebensinhalte. In den Niederungen filmischen Humors wird diese Moral dann fleißig propagiert, und Todd Phillips ist ein Regisseur, der sich dank „Road Trip“ in diesem Niveausegment bestens auskennt. Auch „Old School“ reizt mit bekanntem Schema das Szenario hauptsächlich durch eine Aneinanderreihung von halbvulgären Gags und Partyexzessen leidlich aus. Das ist im Grunde stumpfe Stangenware, doch nicht ohne Appeal.

Denn „Old School“ kann wenigstens mit zwei Pluspunkten aufwaten: mit dem Einfall, dass gelangweilte Männer im nostalgischen Anfall eine für jedes Alter offene Kommune zwecks der Pflege des Tiers im unabhängigen Manne gründen, und einem tragfähigen Trio sympathischer Hauptdarsteller: Luke Wilson, Will Farrell und Vince Vaughn. Sie zeigt Phillips zudem in einigen wirklich komischen Situationen, die dann ausnahmsweise nicht auf Genitalhumor abheben. Der pubertäre Rest fügt sich dem ganz, ist andererseits für den Zweck des Streifens jedoch wieder zu dezent. „Old School“ hätte genregemäß konsequenter auf schweinische Situationskomik setzen sollen.

Stattdessen webt Phillips einen redundant „erwachsenen“ Handlungsstrang um das Techtelmechtel zwischen Mitch und einer seit High-School-Tagen Angebeteten ein. Das sorgt merklich für Luft, bis Will Ferrell mal wieder mit nacktem Hinterteil über die Straße torkeln oder ins nächste Pool fallen darf. Hier findet „Old School“ zur Linie zurück und hat im parodierenden Hierarchiegeprotze der Bruderschaft noch einige Lacher auf seiner Seite. Wer also Student war, ist, oder es wieder werden möchte und sich davon überzeugen will, was Männer im Innersten wirklich wollen, ist mit dieser standesgemäßen, musikalisch abgerundeten Hirn-aus-Klamotte einstimmend bedient.

Derbe Konfektionsklamotte mit einigen frischen Einfällen


Flemming Schock