Besessen
(Possession)

USA, 102min
R:Neil LaBute
B:A.S. Byatt,David Hwang, Laura Jones, Neil LaBute
D:Gwyneth Paltrow,
Aaron Eckhart,
Jeremy Northam,
Jennifer Ehle
L:IMDb
„I cannot let you burn me out nor can i resist you.”
Inhalt
Durch Zufall entdeckt der Literaturwissenschaftler Roland Michell (Aaron Eckhart) bisher unbekannte Briefe eines Dichters an seine heimliche Geliebte. Um der Authentizität dieser Briefe auf den Grund zu gehen tut sich Roland mit der taffen Dozentin Maude (Gwyneth Paltrow) zusammen. Während die Beziehung zunächst eisig ist, kommen sich die beiden doch näher je weiter sie in die leidenschaftliche Beziehung der beiden Briefschreiber eintauchen.
Kurzkommentar
"Besessen" ist eine routinierte Romanze, Typ "Film für die Freundin", die zudem noch sehr schön fotografiert ist. Den eigentlichen Anspruch, die Besessenheit der Protagonisten darzustellen und die Erotik von Sprache adäquat zu vermitteln, verfehlt der Film jedoch meilenweit.
Kritik
Man kann "Besessen" anmerken, dass er gerne mehr gewesen wäre. Da wäre zum einen der Regisseur, dessern vorheriges Werk deutlich pointierte, schärfer und treffender ausfällt. Da wäre eine Buchvorlage die - wie könnte es anders sein - die Geschichte weit vielschichtiger, detaillierter und atmosspährischer beschreibt. Und da wäre die eigentliche Thematik, die nach Großem verlangt um Hollywood-Leinwand-gerecht sein zu können.
Doch "Besessen" mangelt es an großen, mitreißenden Gefühlen, es magelt an Komplexität der Handlung, und es mangelt einfach an Größe. Wer einen Film "Besessen" nennt, sollte diesem Anspruch irgendwie auch gerecht werden - ein bisschen Kuscheln am Lagerfeuer ist da einfach nicht genug.
Ein weiteres Problem: Das Buch zieht seine Faszination aus dem doppelten Kontrast, zwischen den Hauptdarstellern und den Zeiten. Doch der Film ersetzt den englischen working-class-guy durch einen pseudo-schlampigen Amerikaner, der seine Alternativklamotten eher im Designerladen kauft, was zwischen den beiden Hauptdarstellern nicht so recht knisternde Spannung oder gar Erotik (man denke an den Titel!) aufkommen lässt. Und der Kontrast zwischen dem moderne Heute und der viktorianischen Zeit ist ebenfalls reizlos, da sich LaBute zwar um akkurate, reich ausgestattete Inszenierung der Vergangenheit bemüht, die Moderne jedoch farb- und leblos bleibt.
Das alles, kombiniert mit dem letzlich größten Problem, dass die überlangen Literatur-Zitate zwar schön anzuhören sind, aber auch nicht unbedingt mit "Besessenheit" assoziiert werden (zumal einem nicht die Zeit bleibt, sich in Ruhe in die Kunst ihrer Poesie einzufühlen), sorgt dafür, das der Film sein eigenes Ziel um Meilen verfehlt.

Nichts destotrotz hat "Besessen" seine Qualitäten. Es ist geradezu schön, mal einen Film zu sehen, der das Thema Liebe und Beziehung ruhig angeht, bei dem die Annäherung nicht geschmacklos und direkt, sondern auf den Pfaden der verschlängelten Andeutung erfolgt, ein Film, der durchaus gekonnt einen Kontrast zwischen der übertriebenen Züchtigkeit vergangener Zeiten und dem natürlichen menschlichen Verlangen aufbaut. Ein weiteres Verdienst von "Possession" ist es, dem Zuschauer den Wert und die Faszination von Poesie näher bringen zu wollen - auch wenn das nur teilweise gelingt.

Und auch formal hat der Film durchaus einiges zu bieten, zum Beispiel ein sehr gekonntes Drehbuch, das leider daran leidet, dass man einen knapp 600 Seiten langen Roman in wenig mehr als eineinhalb Stunden pressen musste; dafür ist es aber dann wieder recht gelungen. Und die ruhige, ausnehmend schöne Fotografie kann einen nachgerade in Verzückung versetzen.
Die darstellerische Leistung bewegt sich im Rahmen des zu Erwartenden. Wobei deutlich auffällt, dass die viktorianischen Charaktere (gespielt von Jennifer Ehle und Jeremy Northam) weit glaubwürdiger und intensiver ausfallen als ihre modernen Pendants (Gwyneth Paltrow, Aaron Eckhart).

Man würde sich wünschen, LaBute hätte insbesondere den Gegensätzen, den Kontrasten mehr Aufmerksamkeit angedeihen lassen - denn diese schärfen die Wahrnehmung für die mitgeteilte Botschaft. Und, das mag man bei einem amerikanischen Film eher selten hören, es hätte ein wenig mehr Pathos sein dürfen. So verkauft sich "Besessen" letzlich selbst unter Wert.


Schön fotografierte Romanze, schwankend zwischen großem Gefühl und Banalität


Wolfgang Huang