Schuh des Manitu, Der

Deutschland, 93min
R:Michael Herbig
B:Alfons Biedermann, Murmel Clausen, Michael Herbig
D:Michael Herbig,
Christian Tramitz,
Sky Dumont,
Marie Bäumer
L:IMDb
„So Männer, wer will kann sich jetzt noch ein Eis holen und dann reiten wir los!”
Inhalt
Wilder Westen im 18. Jahrhundert. Abahachi (Michael "Bully" Herbig), der Apachenhäuptling, hat vom Geschäftsmann Santa Maria (Sky Dumont) ein Lokal gekauft, damit sein Stamm endlich auch über ein Stamm-Lokal verfügen kann. Für den Kauf der Immobilie hat Abahachi beim Stamme der Schoschonen einen Kredit in Form eines Sackes mit Goldstücken aufgenommen. Als Abahachi und sein Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) bei der Übergabe des Stamm-Lokals feststellen, dass sie vom Geschäftsmann Santa Maria hinterlistig hereingelegt wurden, kommt es zu einem Eklat: Santa Maria erschießt den anwesenden Sohn des Häuptlings der Schoschonen, der den Sack mit den Goldstücken überbracht hatte. Santa Maria und seine Männer flüchten mit dem Gold.
Kurzkommentar
Machen wir es kurz: für Fans der "Bullyparade" gehört "Der Schuh des Manitu" zum Pflichtprogramm, alle anderen behalten für die harmlosen, aber sympathischen Schmunzeleien den Gang zur Videothek im Hinterkopf.
Kritik
Ausbildung zum Fotografen, an der Schauspielschule abgelehnt, aber als Allroundtalent setzte er sich trotzdem durch: so berichtet die Medienwelt und vor allem Pro7 über den (hauseigenen) Entertainer Michael "Bully" Herbig, den wenigsten bekannt aus dem Hörfunk, den meisten bekannt aus der gleichnamigen "Bullyparade". Dort produziert er mit seinen Kollegen Christian Tramitz und Rick Kavanian die seit "RTL Samstag Nacht" üblichen Sketche am laufenden Band - mit stark schwankender Qualität. Vieles kommt mir persönlich äußerst flach vor, das meiste ist zum Schmunzeln, einige wenige Einfälle sind genial. Das liegt vor allem daran, daß Bully Herbig Filmfan ist und in seinen Sketchen ein paar berühmte Filme nachahmt. Und das nicht nur inhaltlich, sondern vor allem stilistisch. Bis zur letzten Kameraperspektive imitiert Bully teilweise recht beeindruckend die Arbeiten "großer" Regisseure und so machen seine Aufnahmen vor allem durch äußere Form Spaß.

Ein besonders beliebter Teil seiner Show waren die Winnetou und Old Shatterhand Albernheiten frei nach Karl May und da es eine Parodie auf die alten Karl May-Filme noch nicht gab und genug Potential vorhanden ist, entschloss sich Bully's Team kurzerhand doch 'nen Kinofilm drauß zu machen. Das Western-Ambiente verschlingt viel Geld, aber nachdem die erste Regiearbeit Herbigs ("Erkan & Stefan") in Deutschland äußerst erfolgreich war, konnte er satte 9 Mio. DM Budget zusammenkratzen. Nun, ich bin absolut kein Fan von "Erkan & Stefan" und die Bullyparade ist auch nur durchschnittlich, aber "Der Schuh des Manitu" ist Michael Herbig doch recht gut gelungen.

Das liegt genaugenommen an drei Dingen:
1. die Modernisierung des Western-Szenarios,
2. die Fähigkeit Herbigs, etliche Filmkniffe zu ironisieren, und
3. Sky Dumont.

Zu 1): nicht immer, aber doch überwiegend erfolgreich kreuzen Bully und seine Drehbuchautoren das staubig-stylische Western- und Blutsbrüderszenario der Sergio Leone bzw. Karl May-Western mit dem Zeitgeist der heutigen Tage: Reiter kommen durch Radarkontrollen, Indianer nehmen Hypotheken für ihre Kneipen auf und die Schlägertruppe des Bösewichts darf sich vor Abreise noch ein Eis holen.

Zu 2): dieser Punkt ist witziger als der erste: nicht nur, daß Bully ein paar Kameraeinstellungen aus alten Italo-Westerns übernimmt ("Spiel mir das Lied vom Tod"), er spielt vor allem mit einigen Film-Klischees. Wenn hier ein Handlanger zu seinem Boss sagt: "Wir haben Durst, sind müde und wollen nicht weiterreiten.", läßt dieser nicht wie in etlichen James Bond-Filmen seine Autorität für sich sprechen und beseitigt den aufmüpfigen Rebellen, sondern meint lediglich: "Ok, dann bleibst Du hier und darfst noch was schlafen". Naja, und das tut er dann auch. Auf Dauer läuft sich die konsequente Gegenrichtung allerdings auch platt und so werden manche Gags im Endeffekt doch Opfer der Vorhersehbarkeit.

Zu 3): der beste Aspekt am ganzen Film: Sky Dumont, manchen vielleicht bekannt aus "Otto - der Film", "Eyes wide shut" oder diversen deutschen Fernsehserien, mimt den stereotypischen Schurken. Das kommt besonders cool, weil sein gestriegeltes Outfit perfekt mit seiner fast unnatürlichen, sanften und tiefen Stimme harmoniert. Und wenn er sich dann -als charismatischer Bösewicht- plötzlich zu einer Tanzeinlage mit seinen Gaunern bereiterklärt, ist das schon sehr gelungen.

Selbstverständlich bietet "Der Schuh des Manitu" auch viel Anlaß zur Kritik, denn wie in der Bullyparade wissen Bully und Konsorten nie so recht, wann Schluß ist und wollen immer noch einen draufsetzen. So versuchen sie krampfhaft, die Gagdichte der "nackten Kanone" oder anderen Zucker/ Abrahams/Zucker-Filmen zu erreichen, stolpern aber über ihren Ideenmangel, der bei weitem nicht über die volle Länge ausreicht. So existiert der Grieche Dimitri wohl nur, damit Kollege Kavanian von der Bullyparade auch im Film mitwirken darf und der schwule Bruder Winnitouch soll ein Zugeständnis an die Beliebtheit von Captain Kork und seiner Crew des "Traumschiffs Enterprise" sein, aber das ist alles viel zu aufgesetzt und besonders Winnitouch nervt auf Dauer. Die Outtakes bringen den gezwungenen Charakter des Films schließlich auf den Punkt: weil Outtakes an sich beliebt sind, müssen sie rein, ob sie nun witzig sind oder nicht (und sie sind es kein Stück).

Insgesamt erinnert der Film irgendwie an die seichte Familienunterhaltung aus den 80ern. "Der Schuh des Manitu" wirkt in Zeiten fäkalhumoriger US- Produktionen nach Holzhammer-Art fast schon bemitleidenswert sympathisch. Er ist blutfreie, harmlose Komödienkost "für die ganze Familie" - ein Film mit einigen brillanten, meist jedoch durchschnittlichen und nicht selten sehr flachen Witzeleien auf Teufel komm raus. Im Prinzip also wie die Bullyparade - nur etwas kompakter.

Eine etwas bessere und längere Folge der "Bullyparade"


Thomas Schlömer