Gelegenheit macht Liebe
(Guy Thing, A)

USA 2002, 98min
R:Chris Koch
B:Greg Glienna
D:Jason Lee,
Julia Stiles,
Selma Blair,
James Brolin
L:IMDb
„We´re men, we´re hunters”
Inhalt
Es ist sein Junggesellenabschied, eine seiner allerletzten Nächte als allein stehender Mann, aber Paul (Jason Lee) ist nicht wirklich der Typ, der Leben in seinen eigenen Polterabend bringt. Denn er hat sich vorgenommen, nichts zu tun, wozu er später nicht stehen oder was er seiner Verlobten Karen (Selma Blair) nicht erzählen könnte. Und das erklärt seinen Schock, als er am nächsten Morgen, vom Klingeln des Telefons geweckt, neben sich im Bett eine Unbekannte namens Becky (Julia Stiles) entdeckt. Nur: Paul kann sich keiner Verfehlung erinnern! Als Karen erfahren will, wie seine Party gelaufen ist, lügt Paul um zu vertuschen, was auch immer die wahre Geschichte der letzten Nacht gewesen sein mag. Die erste Lüge führt zu einer zweiten und bald schon besteht Pauls Leben aus einer Verkettung idiotischer Missverständnisse und er kann die Lawine, die er losgetreten hat, nicht mehr stoppen
Kurzkommentar
Das Ritual der Liebe ist ebenso immer gleich wie die berüchtigten „romantischen Komödien“, die vom ewigen Thema handeln. „Gelegenheit macht Liebe“ vom Genreneuling Chris Koch macht da keine Ausnahme. Zwar ist der Ausgangspunkt des gestressten Junggesellen mit Vertuschungsneurose spaßig, aber die Richtung der Handlungsentwicklung bleibt unentschlossen. Punkten kann der seichte Quatsch mit einigen Einfällen in der Situationskomik und einem charmanten Ensemble.
Kritik
Männer sind Jäger, der Rest ist Wild. Erst das beängstigende Zwangskorsett der Ehe macht mit dieser Moral Schluss. Die Junggesellenparty bringt dann noch das moralisch besoffene Requiem und vielleicht noch das letzte Aufbäumen der beischlafenden männlichen Freiheit. Noch ein letztes Mal darf neben irgendeiner Frau aufgewacht und ihr Name nicht gewusst werden. Das ist dann die letzte Gelegenheit vor der Endstation. Im Fall von „Gelegenheit macht Liebe“ ist es der einzige Handlungskatalysator, geschieht allerdings unwillentlich, weil nicht die sympathietragende Hauptfigur, sondern nur der Alkohol schuld sein soll.

Der Rest dieser kalkulierten Romanze besteht aus mehr oder minder witzigen Situationen, in denen der angehende Bräutigam mit heldenhafter Verbissenheit um die Vertuschung seines scheinbaren Fehltrittes zu kämpfen und zu realisieren hat, dass das füreinander Bestimmtsein ja doch nicht so einfach ist. Aber wenigstens droht letztlich doch noch das Glück. Romantische Komödien dieses Zuschnitts werden mit monatlicher Regelmäßigkeit ausgestoßen – und dann auch gleich wieder vergessen. Das dürfte der Grund sein, wieso mit ihnen vorzugsweise Regisseure betraut werden, die keine Wahl, weil noch keinen Namen haben. Chris Koch ist einer von ihnen.

„Gelegenheit macht Liebe“ ist nach „Snow Day“ (2000) erst dessen zweiter Kinofilm. Damit die meist ausgelutschten Grundmotive der Romantikklamotten überhaupt noch Lockpotential haben, werben sie mit jungen und doch bekannten Gesichtern. Mit Julia Stiles („Hamlet“, „Save the last Dance“), Selma Blair („Cruel Intentions“) und Jason Lee, bekannt aus „Almost Famous“, „Dogma“ und „Vanilla Sky“, fährt der Film immerhin ein Ensemble der mit bekanntesten Jungdarsteller auf. Das zahlt sich aus, denn Lee macht als leicht versteifter Yuppie eine zwar etwas farblose, aber im Rahmen der routiniert gereihten Gags insgesamt doch eine gute, ja frische Figur.

Peinlich ist allerdings, dass Julia Stiles und vielmehr noch Selma Blair mit absolut peripheren Rollen abgespeist werden. Beide haben in vergangenen Filmen ihr Können bewiesen. In den blass-humorigen, zuweilen nervenden Szenen zwischen dem angehenden Ehepaar geht etlicher Witz verloren; schade, war Drehbuchautor Greg Glienna doch auch für „Meine Braut, ihr Vater und ich“ die kreative Feder. Recht pointenlos albern wankelt „Gelegenheit macht Liebe“ zwischen Beziehungsklamotte und pubertärem Späßchen vor sich hin, wird letztlich aber kaum enttäuschen, denn wer hätte schon was erwartet. Die Berechenbarkeit der Geschichte natürlich obligatorisch.

Schlechteres hat das Genre allemal schon gesehen. Oft gesehene Plattheiten und zielsichere Situationskomik geben sich die Hand, das Zuschauerinteresse wird so einigermaßen bei der Stange gehalten und schlussendlich mit einer halbwegs originellen Klimax vor dem Traualtar. Bis man dort landet, sollte man eher zur zweiten, zur besseren Chance greifen. Denn wer zögert, gewinnt, kann doch aus einer Gelegenheit die oder der „Richtige“ werden. Wer diese Moral nebst einiger unverbrauchter Gesichter und hinlänglicher Komik braucht, sollte Chris Kochs sympathischem Durchschnittswurf eine Chance geben.

Passable Romantikklamotte mit einnehmenden Darstellern


Flemming Schock