Kick it like Beckham
(Bend it like Beckham)

England / USA / Deutschland, 112min
R:Gurinder Chadha
B:Paul Mayeda Berges, Guljit Brinda, Gurinder Chadha
D:Parminder K. Nagra,
Keira Knightley,
Jonathan Rhys-Meyers,
Anupam Kher,
Archie Panjabi
L:IMDb
„Nein Schatz, nicht diese Sport-BHs - die heben ja gar nichts an!”
Inhalt
Die 17-jährige Jess (Parminder Nagra) liebt zwei Dinge über alles: Fußball und David Beckham. Deshalb tut die junge Inderin, die mit ihrer Familie in London lebt, auch alles, um einmal in die Fußstapfen ihres großen Idols zu treten. Dass Jess Talent hat, steht außer Frage. Als sie eines Tages von der ebenso fußballbegeisterten Jules (Keira Knightley) beim Kicken im Park für eine Damen- Fußballmannschaft entdeckt wird, scheint sich ihr größter Traum zu erfüllen. Doch Jess` konservative Eltern haben eine ganz andere Laufbahn für das 17-jährige indische Mädchen im Kopf.
Kurzkommentar
Gurinder Chadhas klassischer Genremix aus Drama und Komödie ist ein sympathisches, relativ unprätentiöses Stück Kino, dass die Konfliktstoffe Kind-Eltern und England-Indien charmant aufbereitet und dabei nicht die Prise Humor vergisst. Dennoch kann der Film letztlich kein Genre vollständig zu Ende führen und so bleibt ihr sicher nur als anspruchslose Dramödie intendierter Film etwas auf der Strecke.
Kritik
Was "Billy Elliot" und "East is East" vorgemacht haben, versucht Gurinder Chadha nun zu verknüpfen und perfektionieren: der Kampf eines Teenagers um Selbstverwirklichung und der Kampf der indisch-stämmigen Bevölkerung mit englischen Tugenden und Vorurteilen. Dass sie sich dabei eines nicht gerade erfolgsversprechenden Sujets verschrieben hat, macht die Tatsache, dass ihr Film im Produktionsland zu einem außerordentlichen Erfolg wurde, umso bemerkenswerter. Es geht nämlich um Fußball, einem Thema, das bislang in keinem erwähnenswerten Kassenschlager Inhalt war und das selbst im fußballverrückten Deutschland auf erstaunlich wenig Resonanz stoßt (siehe "Fußball ist unser Leben").

Doch in Chadhas drittem Kinofilmder, der im Original "Bend it like Beckham" heißt (von to bend, krümmen - die Art und Weise wie der englische Fußballstar David Beckham seine Flanken spielt), geht es nur vordergründig ums runde Leder. Eigentlich -und so tat es ihm das oscarnominierte Vorbild Billy Elliot gleich- ist der Sport natürlich nur eine Metapher für jegliche Art der jugendlichen Träume und Wünsche. In einer indischen Familie von einer Fußballkarriere zu träumen sorgt neben der Tatsache, dass ausgerechnet ein weibliches Mitglied der Familie den Profisport anstrebt, natürlich für ein gehöriges Konflikt- und Spannungspotenzial.

Gleichwohl es Gurinder Chadha also um das gewissermaßen klassische und auch ernste Thema des Loslösens des Kindes von seinen Eltern geht, behandelt sie es gleichzeitig mit Respekt und Humor. Ehrlich gesagt verwundert Chadhas lockerer Umgang mit der indischen Lebensweise an manchen Stellen sehr, ist sie doch selbst Inderin und macht ihre Sippschaft doch hier und da ganz schön lächerlich (etwa wenn zum x-ten Mal das religiöse Porträt im Wohnzimmer veralbert wird). Nichtsdestotrotz zeugt ihr Humor selten von Respektlosigkeit, viel mehr von einer gewissen Nonchalance. Spätestens wenn sich Jess' Verwandtschaft auf dem Fußballplatz als Mauer zu materialisieren scheint, wirkt ihr Film grundauf sympathisch.

Aber trotzdem Chadha insgesamt eine erstaunlich gute Balance zwischen Drama und Komödie findet, hätte der Film einen Tick runder sein können. Mit den dramatischen Elementen übertreibt sie es wohl ebenso sehr (etwa wenn Jess' Kumpel Tony sich als homosexuell outet oder Jules' Mutter, ziemlich konstruiert, zu der Meinung kommen muss, ihre Tochter sei lesbisch) wie sie es nicht versteht, den Fußballszenen irgendeine einheitliche Form zu geben. Die Spiele wirken beliebig, die Szenen mit Halb-Shutter künstlich dramatisiert, Spielzüge sind gar nie zu sehen. Das unterstreicht zwar den Charakter der Metapher, sollte dann aber nicht so viel Raum einnehmen.

Aber gut: größtenteils überträgt sich der Spaß, den die Filmcrew offenbar beim Dreh hatte (wie in den Outtakes ersichtlich) und Gurinder Chadhas (die sogar ihre komplette Familie in der Hochzeitsszene unterbrachte) lebensfroher Charakter auf den Zuschauer und man bekommt eine durchweg charmante, nette Dramödie geboten - auch wenn durchaus mehr als einfacher Comic-Charakter drin gewesen wäre.

Charmante, anspruchslose Dramödie für die heiteren Momente


Thomas Schlömer