Jeepers Creepers

USA / Deutschland, 90min
R:Victor Salva
B:Victor Salva
D:Justin Long,
Gina Philips,
Patricia Belcher,
Jonathan Breck
L:IMDb
„Ist er tot? - Diese Dinger sind nie tot!”
Inhalt
Auf dem Heimweg von der Highschool beobachten Darry und Trish eine seltsame Gestalt, die anscheinend gerade eine Leiche entsorgt. Aus Neugier untersuchen sie den Tatort und stoßen dabei auf ein wahres Kabinett des Grauens - dem mysteriösen Bösewicht bleibt dies jedoch nicht verborgen, und so beginnt eine Flucht voller Angst und Schrecken.
Kurzkommentar
Leider hält "Jeepers Creepers" nicht das hohe Niveau der ersten halben Stunde; denn dort entwickelt der Film eine angenehm düster-morbide Athmossphäre jenseits üblicher Teenie-Slasher. Doch in der Folge mangelt es an einer konsequent durchdachten Story, sodass sich der Film schließlich über mäßige SFX- und Splatter-Szenen allzu überhastet zu einem sehr streitbaren Ende hinschleppt. Klassischer Fall von verschenktem Potential.
Kritik
Nach den endlosen Highschool-Teenie-Slashern ("Scream", "Ich weiss...") und einer kurzen Reihe psychologisch etwas trickreicherer Horrorthriller ("The Hole", "Glasshouse") nun ein altes neues Motiv: der mysteriöse Dämon als Killer. Damit verschiebt sich der Akzent etwas: Nicht mehr die Hatz durch Korridore oder das nervenaufreibende Psychospiel steht im Vordergrund, vielmehr kann man sich mehr Zeit für die Gestaltung der Athmossphäre und entsprechend beeindruckender Bilder lassen.

Während des ersten Drittels gelingt das dem Film auch ganz gut: Die vergleichsweise harte Horrorkost (Schreckenskabinett unter der Kirche) lässt erwarten, dass der Film diese sehr düstere Stimmung beibehält. Doch dann offenbart und entmystifiziert Victor Salva, der sein Handwerk unter anderem bei Francis Ford Coppola lernte, den Dämon allzu schnell. Und obwohl man sich in dieser Story-Konstellation nicht allzuviel Mühe mit der Frage nach dem Motiv geben muss, ist der Minimalhintergrund des Schlächters hier doch zu dünn ausgefallen. Er existiert, und er frisst Menschen. Warum, wielange, zu welchem Zweck, wo er herkommt - alles bleibt ungeklärt. Er ist eben da, basta.

Schade auch, dass sich die letzten zwei Drittel auf eine fortgesetzte Hatz durch die öde Prärie beschränkt. Sicherlich hat auch diese ihre Spannungsmomente, doch die gar nicht mal schlechten Schauspielkünste der jungen Hauptdarsteller werden somit völlig verschenkt. Noch ein Manko: Mit der seherisch begabten Jezelle kommt zunächst wieder ein spannender Faktor ins Spiel; leider wird auch dieser kaum genutzt. Gerade hier hätte das Spiel mit prophezeiten Ereignissen und der Wirklichkeit viel Raum für gruselige Momente gelassen, und zugleich der Story etwas mehr Substanz gegeben.

Inszenatorisch kann "Jeepers Creepers" durchaus gefallen, er hat vor allem einen ganz entscheidenden Vorteil: Er jagt einem von Zeit zu Zeit richtige Schrecken ein, selbst wenn man schon so manchen Schlitzerfilm gesehen hat. Dazu kommen die üblichen, aber gelungenen Verwirrspielchen, der routinierte Einsatz spannungsfördernder Musik, und zumindest teilweise eine durchaus einfallsreiche Kameraarbeit.

Am Ende wäre "Jeepers Creepers" dann ganz gerne wieder so, wie er zu Beginn war: ungewöhnlich, fast schon innovativ. Also verzichtet er auf ein klassisches Happy-End, und gibt dem ganzen einen Schluß, der irgendwo zwischen mutig und sinnlos schwankt. Angesichts nicht gerade überlanger 90 Minuten könnte man wegen des mangelnden Monster-Backgrounds und des abrupten Endes fast auf die Idee kommen, Salva hätte ein festes Zeitlimit gehabt...allzu glaubwürdig erscheint das jedoch kaum. Somit bleibt ein Film, der durchaus zum Gruseln taugt, dabei mal ein bisschen was anderes bietet als Scream und Konsorten, der jedoch weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und letztlich irgendwie nicht befriedigt.

Ansatzweise innovativer, letztlich aber unbefriedigender Horror


Wolfgang Huang