Und das ist erst der Anfang

Deutschland, 95min
R:Pierre Franckh
B:Pierre Franckh
D:Julia Richter,
René Hofschneider,
Dieter Landuris
L:IMDb
„Hey, Sie Arschloch, was müssen Sie gleich so grob sein ? - Sie habensich verwählt. Und das Arschloch möchte jetzt weiterschlafen!”
Inhalt
Die attraktive und lebenshungrige Anna (Julia Richter, "Der Unbestechliche") ist von ihrem egoistischen und karrieresüchtigen Freund Thorsten (Dieter Landuris, "23") genervt. Nach einem Streit mit ihm lernt sie zufällig den schüchternen Schauspieler Michael (René Hofschneider, "Hitlerjunge Salomon") kennen - weil sie eine falsche Telefonnummer gewählt hat. Die beiden telefonieren die halbe Nacht miteinander und verlieben sich. Leider wird die Verbindung unterbrochen, bevor sie sich richtig verabreden können. Eine scheinbar aussichtslose Suche im Dschungel der Großstadt beginnt...
Kurzkommentar
Pierre Franckh's erster eigener Film entpuppt sich als typisches Regiedebüt: ein mit wenigen guten Ideen gespickter Liebesfilm, der es teilweise einfach zu romantisch machen will. So wandelt das Geschehen zwischen märchenhaft schön und grauenvoll kitschig, ist insgesamt aber aufgrund der sympathischen Darsteller und der trotz allem romantisch-verliebten Stimmung einen Blick wert.
Kritik
Schon wieder ein deutscher Film, schon wieder eine dieser typischen Liebeskomödien. Es darf bezweifelt werden, ob sich aufgrund dieser Grundvoraussetzung allzu viele Zuschauer für den Film finden werden. Wie sondert sich "Und das ist erst der Anfang" also von 08/15-Erzählungen ab und: hätte er die Zuschauer denn verdient ?

Größtenteils: Ja, denn trotz vieler kitschiger Elemente und einigen wirklichen Vorzeigecharakteren Marke „Klischee“ überrascht Drehbuchautor und Regisseur Pierre Franckh immer wieder mit geschickt ausgearbeiteten Dialogen, netten Kameraeinstellungen und - trotz allem - romantischen Situationen. So überraschen sowohl das anfängliche als auch die weiteren Telefonate durch ihre gewitzte Gesprächsführung und die angenehm pointierten Wortgefechte. Auch manche Überblendeffekte und –einstellungen können sich sehen lassen, wenngleich sie natürlich spärlich gesät und weder sonderlich innovativ noch überzubewerten sind. Trotzdem lobenswert, da sie dem Film einen eigenen Charakter verleihen, den so manch andere belanglose Komödie vermissen läßt. Hinzu kommt, daß die dauernden Mißgeschicke dem Film immer wieder Antrieb geben und nie wirklich in gähnende Langeweile absacken lassen - hier rutscht das Telefon in die Badewanne, da rempeln die Suchenden sich an, dann entsteht der Eindruck, Michael sei glücklich verheiratet und schließlich wird einer korpulenteren Anna das eigentliche Liebesgeständnis gemacht. Sicherlich sind das stereotypische Komödienelemente, aber sie verhelfen dem Film doch zu einigen amüsanten Momenten. Die Qualität des Films sinkt und fällt dabei natürlich mit ihren Hauptdarstellern, die zwar nicht herausragend, aber doch äußerst sympathisch und überzeugend spielen. René Hofschneider mimt den schüchternen, liebenswerten Theaterschauspieler perfekt - Julia Richter fügt sich ebenso in die Rolle der etwas treudoofen, vernachlässigten Künstlerin.

Auf der anderen Seite ist gerade das gegenseitige Verpassen übertrieben häufig eingesetzt und stört die Glaubwürdigkeit auf unnötige Weise. Denn obwohl der Film angibt, auf einer wahren Begebenheit zu beruhen, stellt sich bei genauerer Recherche heraus, daß "wahre Begebenheit" ein sehr dehnbarer Begriff ist: Regisseur Franckh und Produzentin Michaela Merten haben sich zwar allein durch Telefongespräche ineinander verliebt, die nette Idee des Verwählens ist jedoch fiktiv.
Desweiteren stören viele kleinere und größere Probleme den Film. Zunächst wären da die fast schon ironisch-überzeichneten Klischeecharaktere wie der Schwule Oberkellner Rudolf, der hektische Theaterintendant Ralf und der kleine Computerhacker, der - man kann es eigentlich nicht ernst nehmen - wie in großen Hollywoodfilmen in Konten, Telefonregister und sonstige geheime Datenbänke einbricht. Außerdem sollen die vielen Szenen, in denen Julia Richter ihren makellosen Körper zeigen darf und sogar einmal einen Orgasmus inszeniert, dem Film wohl den gewissen erotischen Touch geben - naja, gelungen ist anders. Was dem Film weiterhin - eigentlich unnötig - schadet, ist Franckh's Vorliebe für manche achso-romantische Elemente. So ist Anna dazu verdammt bei ihrem langen Telefonat mit Michael Zeichnungen wie man sie aus Kitschromanen, die jeder Urlaubskiosk in Mallorca anbietet, kennt, anzufertigen oder in der finalen Szenen als Braut aus hellem Nebel aufzutauchen und das Happy-End einzuleiten - das schmerzt.

So hat "Und das ist erst der Anfang" ähnlichen Liebeskomödien wie "Der Junggeselle" einige wirkliche nette Ideen voraus, verspielt sie aber durch überhäufte Verwendung der gängigsten Klischees und übermäßig kitschigen Elementen gleich wieder. Wer sich allerdings (vornehmlich mit einem (potentiellen) Partner) einem beinahe wahren Märchen hingeben möchte, einfach nur dieses seufzende "Ach, ist das schön"-Gefühl erleben will und sich nicht an teils triefend-kitschiger "Romantik" stört, dem sei Franckh's Liebeskomödie durchaus ans Herz gelegt. Naiv, aber schön.

Teils charmante Liebeskomödie voller Kitsch und Klischees.


Thomas Schlömer