Keven und Perry tun es
(Kevin & Perry go large)

England, 82min
R:Ed Bye
B:Dave Cummings, Harry Enfield
D:Harry Enfield,
Kathy Burke,
Rhys Ifans,
Laura Fraser
L:IMDb
„Gib mir mal den Ketchup rüber, Perry - Ich bin doch nicht Dein Sklave!”
Inhalt
Die beiden britischen Teenager Kevin (Harry Enfield) und Perry (Kathy Burke) träumen von zwei Dingen. Erstens: nach Ibiza fliegen, um dort endlich ihre längst überfällige Jungfräulichkeit zu verlieren und zweitens: als DJ's mit ihrem Toptitel "All I wanna do, is do it !" ganz groß rauskommen. Nach langem Hin- und Her schaffen es die beiden Freunde tatsächlich mit Kevin's Eltern einen Trip nach Ibiza machen zu können und begegnen da nicht nur tausend williger Frauen, sondern auch Eyeball Paul (Rhys Ifans, "Notting Hill"), seines Zeichens DJ-Legende bei den größten Gig's der überfüllten Insel.
Kurzkommentar
Sowas Grottenschlechtes läuft einem wirklich selten über den Weg: zwei alte britische Schauspieler wollen zwei junge, hippige Teenager persiflieren. Witzfaktor: 0. Ihr Verhalten, ihre Gangart, ihre Situationen und am verwerflichsten: ihre Selbstironie stimmen zu keiner Minute, womit selbst Freunde thematisch verwandter Filme ("American Pie", "Harte Jungs") abgeschreckt wären.
Kritik
Unglaublich, aber wahr: trotzdem die beiden Hauptakteure Kevin & Perry Teenager darstellen, sind die sie verkörpernden Schauspieler beide über 35 Jahre alt. Und ob es nun am Alter von Harry Enfield (Kevin) liegt oder an seinem britischen Humor: dieser Film ist nicht witzig.

Man mag denken, daß man es sich zu einfach macht, die extrem pubertäre Handlung als indiskutabel, geschmacklos und überhaupt grottenschlecht abzutun. Glücklicherweise dürften aber sowieso die wenigstens mit dem Besuch dieser "Komödie" liebäugeln, vermittelt der Trailer doch genau den Eindruck, den dieser Film verdient hat; und mutiert somit zum überdimensionalen Warnschild: "Die Clubs sind cool", "Die Puppen wollen poppen" - selbst Fans von "American Pie" und "Harte Jungs" dürfte das zu kindisch sein. Im Gegensatz zu den zwar teilweise lächerlichen, aber dennoch meist witzigen Anspielungen in seinen thematischen Konkurrenten, ist "Kevin & Perry" nämlich zu meist einfach nur geschmacklos und auf wirklich billigster Ebene anzusiedeln. Man kann die berüchtigte Gürtellinie gar nicht tief genug ansetzen: die beiden Briten finden immer wieder einen "Gag", der Selbige unterbietet. Ekligste Pickelszenen, niveaulose Ich-mach-ins-Meer Situationen und was am Schlimmsten ist: die Selbstironie stimmt nicht.

Wenn Harry Enfield und Kathy Burke schon Teenager von heute persiflieren wollen (und diese Absicht ist unübersehbar), dann bitte mit der richtigen Prise Ironie: Ok, ihre Gangart und die total übertriebenen "Probleme" mit den Eltern passen noch einigermaßen in die Kategorie "Persiflage", aber schon nach der ersten Viertelstunde ist es damit vorbei und es gibt nur noch wirklich unwitziges DJ-Gehampel, Oversize-Klamotten oder simpel ausgedrückt: das Geschehen ist einfach nur blöd. Kein Wortwitz, keine guten Einfälle, kaum Situationskomik: daß britischer Humor nicht generell zu verurteilen ist, zeigten jüngst "Notting Hill" und "You're dead". In diesem Fall kann einem die britische Insel allerdings nur Leid tun.
Einen Gnadenpunkt gibt's nur für die nette Pre-Credit Szene und den gelungen Einsatz der im Kriegsfilm "Platoon" als Theme eingesetzten Komposition "Adagio for Strings", die dem Film kurzzeitig eine - wenn's hochkommt - amüsante, weil übertrieben emotionale, Note gibt. Aber auch hier wäre viel mehr Raum für Anspielungen gewesen.

Bleibt die Frage, wer so einen Schund in welchem Geisteszustand überhaupt finanziert. Die Antwort ist verblüffend simpel: in England kommt das Ganze gut an. Harry Enfield's Serie "Kevin's Guide to be a teenager" war wohl mindestens so erfolgreich wie die hiesige Bullyparade mit sporadischen Auftritten von "Erkan und Stefan": und die haben schließlich auch "ihren" Film verbrechen dürfen.
So sehr ich dem deutschen Äquivalent auch nichts abgewinnen kann: im gleichen Maße, wie deutsche Zuschauer "Kevin & Perry" verurteilen werden, dürften die Inselbewohner "Erkan und Stefan" interpretieren. Anscheinend hat jedes Land seine Wanna-Be-Comedians.

Very british und (deswegen ?) jenseits des guten Geschmacks.


Thomas Schlömer