Kate and Leopold

USA, 121min
R:James Mangold
B:Steven Rogers
D:Meg Ryan,
Hugh Jackman,
Lieb Schreiber,
Breckin Meyer
L:IMDb
„Die Frauen haben sich verändert, Leo. Sie sind gefährlich geworden.”
Inhalt
Kate McKay (Meg Ryan) ist die perfekte Karrierefrau von heute. Die Liebe ist dabei allerdings auf der Strecke geblieben, denn auch Kates letzter Freund, der chaotische Erfinder Stuart (Liev Schreiber), entpuppte sich als Enttäuschung. Ausgerechnet Stuart aber entdeckt in einem Anfall von Genialität einen Weg durch die Zeit. Von seinem Ausflug ins Jahr 1876 bringt er versehentlich das umwerfendste Mannsbild in die Gegenwart mit, dem Kate jemals begegnet ist: Leopold, dritter Baron von Albany (Hugh Jackman). Der importierte viktorianische Gentleman ist höchst erstaunt, an einem Ort gelandet zu sein, wo der "General of Electric" eine Maschine erfunden hat, die Weißbrot beiderseits röstet. Nach anfänglichem Befremden ist der zeitreisende Gentleman überaus angetan von Kate, die so ganz anders ist als die höheren Töchter, unter denen er, nach dem Willen seiner Familie, seine Zukünftige suchen soll.
Kurzkommentar
Einen individuell vagen Begriff von Romantik hat jeder, nicht aber den des 19. Jahrhunderts. Daher kommt Meg Ryans Lover diesmal, und das mit einem ziemlich albernen Plott. Doch märchenhafte Liebe überwindet eben selbst das Zeitliche und hier gegen Ende auch die Toleranzgrenze. Bis dahin ist "Kate und Leopold" zwar schon völlig überflüssig, durch Hugh Jackman und einige komische Szenen jedoch noch leidlich kurzweilig.
Kritik
Voreingenommenheit ist im Grunde gar nicht gut, auch nicht für den Filmkritiker. Ist aber Meg Ryan im Spiel, war auch das im Grunde nie wirklich gut. Dass das Urteil dann wiederum im Grunde nur ein bestätigtes Vorurteil ist, dafür trägt die püppchenhafte Strahlblondine selbst die Verantwortung. Ihre Rollenauswahl ist enervierend einseitig, mit fast jedem neuen Meg Ryan-Streifen droht eine überbordene Konventionsladung Kitsch, Romantik und präzisierte Belanglosigkeit. Das indiziert dann schon der Titel, und so hat auch "Kate und Leopold" zielgruppensondierende Vorzeigefunktion.
Zugegeben, "geistvolle" Unterhaltung und "romantische Komödie" als Unwort lassen sich selten auf einen Nenner bringen. Das Genre lebt von billiger, zeitlos zugkräftiger Konstruktion, und so scheint langfristig jeder mal ranzumüssen. Und sei es aus Gründen des Auftragsmangels. Diesmal darf James Mangold das Gesicht zu wahren versuchen - nicht gerade ein Genrespezialist. Überraschenderweise fiel er aber bisher nicht unangenehm auf. Im Gegenteil, 1997 gelang doch fast der ambitionierte Versuch, Sylvester Stallone in "Copland" als ernsthaften Schauspieler einzusetzen und sein Psychodrama "Durchgeknallt" (1999) verhalf Angelina Jolie zu ihrem Oscar.

Um den Regisseur wurde es jedoch still, und ein wenig auch um den eleganten Beau Hugh Jackman. In "X-Men" spielte er den Superhelden Wolverine samt potenter Matte auf der Brust und wurde als Entdeckung gefeiert; nicht nur von den Frauen. Der große Kassendurchbruch mit Jackman als alleinigen Filmträger blieb aber aus, er spielte bisher nur im mäßigen "Passwort: Swordfisch". So also nun vom triebstarken Wolf in die Hülle des sozialdisziplinierten Viktorianers. Dass das zusammen mit Meg Ryan nicht zum Karriereschub, nicht zur "ernsthaften" Erweismöglichkeit schauspielerischer Brillianz werden würde, war klar.

Was ihn dennoch zum Witwirken in diesem romantischen Unfug bewegte, ist so gar unklar. Vielleicht der frisierte Charm Meg Ryans. Dass Hollywood bei verdorrtem Ideengehalt nicht nur Märchen, sondern vorzugsweise Blödsinn zusammenspinnt, ist ein traurig alter Hut. Die Annahme aber, dass der geschmeidige Herzog durchs Zeitloch plumpst und wider aller zivilisatorischen und chronologischen Differenzen Liebe und Leidenschaft in der modernen Werbemanagerin erkennt, ist mehr haarsträubend als amüsant. Aber Dummheit adelt, und es ist ja bloß ein nettes Herzmärchen für Träumende von der romantischen Wiederauferstehung.

Jackmans Möglichkeiten waren vor dieser Fatalität angedeutet und die Hülle des Genlemans wirkt denn auch wie seine zweite Haut. Die überwiegend pointenlose Inszenierung bringt sich, da der Crash der Zivilisationen nicht klassisch als Gagreservoir ausgeschöpft wird, um viele Möglichkeiten. Wie aber die wertelose Realität des 21. Jahrhunderts mit dem wortgewandten Sozialkorsett des Herzogs kollidiert, wie dieser seinen formalisierten, aber elegant aristokratischen Sittenkanon raushängen lässt, wird von Jackman amüsant umgesetzt. Er macht das Gegenüber des schmatischen Parts von Ryan noch erträglich.

Damit und durch das relative Glück, dass der Anteil der Kitschromantik diesmal überwiegend schmerzfrei ist, wird "Kate und Leopold" noch ins verträgliche Mittelmaß gehoben. Dort versackt er dann auch völlig, wirklich einen Gefallen getan hat sich mit ihm niemand. Im Finale kippt der narrative Humbug dann kuliminierend um, aber Herzkino braucht das. Es ist ja so angenehm.

Unsinnige, belanglos nette Romanze mit gutem Hauptdarsteller


Flemming Schock