Jay und Silent Bob schlagen zurück
(Jay and Silent Bob strike back)

USA 2001, 104min
R:Kevin Smith
B:Kevin Smith
D:Jason Mewes,
Kevin Smith,
Shannon Elizabeth,
Ali Larter
L:IMDb
„Welche Laus is'n der Schlampe über die Titten gelaufen?”
Inhalt
Eigentlich sind Jay und Silent Bob (Jason Mewes, Kevin Smith) die entspanntesten Typen der Welt. Die Nachricht, die ihnen ihr alter Kumpel Holden (Ben Affleck) überbringt, erregt jedoch den heiligen Zorn der beiden Buddies: Eine amerikanische Independent-Firma will den Kultcomic "Bluntman & Chronic" verfilmen, für den Jay und Silent Bob die Vorlage lieferten. Mit hippen, gelackten Jungstars in den Hauptrollen. Und ohne Jay und Silent Bob einen müden Dollar zu zahlen. Also machen sich die beiden chaotischen Slacker auf den Weg nach Hollywood, um den Produzenten des Machwerks ein wenig das Zelluloid zu zerschnippeln.
Kurzkommentar
Kevin Smiths letzte Ehrerbietung an zwei der witzigsten Charaktere der Filmgeschichte überzeugt leider nur auf halber Strecke, denn neben vielen gelungen, durchaus sehr feinen Anspielungen aufs Filmbusiness, ist seine Komödie einfach zu vollgestopft mit den üblichen Sexual- und Fäkalhumorigen Mittelmäßigkeiten.
Kritik
Kevin Smith ist spätestens mit "Dogma" anno 1999 seinem Status als Independent-Filmer entwachsen, als er mit beachtlichem Cast und einem für ihn vielleicht schon zu großen Budget seine skurrile Story um zwei gefallene Engel verfilmte. Zu diesem Zeitpunkt erkannte er wohl auch, dass sein vier Filme währender Running-Gag der Kultcharaktere Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Smith selber) so langsam ausgewechselt werden muss. Und da kaum ein Regisseur seinen Fans so nah steht wie Kevin Smith (seine Webseite hatte er zu Beginn seiner Karriere selbst eingerichtet und pflegt(e) sehr regelmäßigen Kontakt mit seinen Besuchern) widmet er dem halbstummen Paar mit "Jay and Silent Bob strike back" sozusagen einen Abschiedsfilm - gespickt mit jede Menge Insidern und ohne Rücksicht auf den Massengeschmack.

Klingt gut, möchte man meinen, und gerade Zuschauer, die sich in Hollywood auch im Bereich hinter der Kamera etwas auskennen, sowie Kevin Smiths Beziehung zu den Forumsteilnehmern auf seiner eigenen Seite und zu den Talkback'ern von Harry Knowles' Ober-Filmgeek Webseite Aint-it-cool-News einschätzen können, müssten sich dabei eigentlich prächtig amüsieren. Smiths anerkanntes Talent als Drehbuchautor scheint in "Jay and Silent Bob strike back" aber nur in 50% der Fälle durch. Besonders dann, wenn er lakonische Dialoge mit erstaunlicher Dichte an (Insider-)Gags mischt. So bekommt nicht nur die in Hollywood-Kreisen als besonders Geld- und weniger Ideengesteuerte Produktionsfirma Miramax des Öfteren eins über den Deckel (selbstironischerweise finanziert sie aber auch diesen Film), auch mit Anspielungen auf seine eigenen Streifen spart Smith nicht. Neben dem Auftritt beinahe seiner kompletten Stammdarsteller (angefangen von Jason Lee über Ben Affleck, Matt Damon und Chris Rock bis hin zu Shannon Doherty und Carrie Fisher), die, das kommt hinzu, entweder als sie selbst (Affleck und Damon) oder gleich in verschiedenen, ehemaligen Rollen (Lee) auftauchen, nutzt Smith auch die Gelegenheit, mit Hollywood-Klischees aufzuräumen.

So zählt Gus van Sant, Regisseuer von "Good Will Hunting", einen Stapel Dollar, während Affleck und Damon im zweiten Teil "Hunting Season" die Pumpgun auspacken. Oder die beiden Protagonisten wollen sich in echter Agentenmanier einem Gebäude nähern, in das sie einbrechen wollen, und rollen sich dazu total übertrieben und auf weiter Flur unübersehbar auf dem Boden rum, weil sie "unentdeckt" bleiben wollen. Gern nutzt Smith auch die Möglichkeit, den Zuschauer direkt anzusprechen, indem er das Geschehen kurz anhält, das Publikum direkt anspricht oder einfach nur mal darauf hinweist, dass gerade Mark "Luke Skywalker" Hamill das Bild betreten hat.

In diesen Szenen funktioniert "Jay and Silent Bob strike back" am besten, weil Smith das tun darf, wofür sonst kein Studio Geld hergeben würde und seine harmlosen Albernheiten durchziehen kann. Diese Szenen sind trotz allem leicht in der Minderheit, denn viele Gags zielen letztendlich auf ausgelutschte Filmpersiflagen (Stichwort: "E.T." oder "Charlies Angels") und -als ob wir es nicht schon seit siebzehn Filmen satt hätten- auf Sexual- und Fäkalhumor ab. Manch einiger mah es ja witzig finden, wenn es unter Trampern Usus ist, sich mit einem "Blow-Job" beim Fahrer zu bedanken. Insgesamt überzieht es Smith aber maßlos: die ganzen Schwulenanspielungen (weswegen Smith sich in den USA sogar gegen eine Homosexuellenvereinigung verteidigen musste) sind total lahm, Jays andauerndes Sexualverlangen unterhält maximal fünf Minuten und Blähungen, die einen Einbruch verhindern, naja. Hinzu kommt, dass Jays vulgäre Ausdrucksweise einen ganzen Film lang sicher nicht zu unterhalten vermag und seine Vergangenheit als quasi-5min Gag hier deutlich zu Tage tritt. Von Silent Bobs einfach zu ermüdendem Mimikspiel ganz zu schweigen.

Insgesamt hat "Jay and Silent Bob strike back" einfach zu viele mittelmäßige Gags zu bieten, die Smiths Talent, vor allem gute Dialoge niederschreiben zu können, unter sich begraben und er somit keinen wirklich würdigen Abschluss für sein ungleiches Paar kreiert hat. Sicher hat der Film einige brillante Momente und beiten dem Filmgeek auch in kleineren Dialogen mehr Witz als die Masse verstehen dürfte (manche Anspielungen reichen bis zu unbekannteren Streifen wie "Reindeer Games"), aber für 104min ist das doch zu wenig. Gerade, wenn so viele mäßige Lückenfüller den Weg ins Drehbuch gefunden haben, die sonst in genau den billigen Standardkomödien wieder zu finden sind, die Smith hier und da mit auf die Schippe nehmen möchte.

Irgendwie lahme, letzte Hommage an Kevin Smiths Kultcharaktere


Thomas Schlömer