Gefesselt
(Bound)

USA, 108min
R:Andy Wachowski, Larry Wachowski
D:Gina Gershon,
Jennifer Tilly,
Joe Pantoliano,
Mary Mara
L:IMDb
„Er hat sie alle gebügelt - jeden Geldschein einzeln”
Inhalt
Corky (Gina Gershon - Showgirls, Face/Off), eine lesbische Klempnerin, trifft eines Tages ihren Zimmernachbarn Caesar (Joe Pantoliano - Auf der Flucht, Bad Boys, Matrix) mit dessen Freundin Violett (Jennifer Tilly - Der Dummschwätzer, Made in America) im Aufzug. Die beiden Frauen kommen sich näher und haben eine Affäre. Als Caesar, Geldwäscher für die Mafia, jüngst wieder zwei Millionen Dollar 'umdisponieren' soll, entscheiden sich die beiden Frauen mit Hilfe eines ausgeklügelten Plans Caesar das Geld zu stehlen bevor er es dem Mafiaboss Gino Marzone übergeben muß. Sie wollen Caesar und Marzone gegeneinander ausspielen, um sich in Ruhe mit dem Geld davonmachen zu können. Doch es kommt immer anders, als man denkt ...
Kritik
Wird der heterosexuelle Zuschauer zu Beginn des Films aufgrund der teils detailliert gefilmten lesbischen Liebesakte in eine filmuntypische Szenerie versetzt, in der er sich eher unwohl denn unterhalten fühlt, so dient diese Schilderung der Kontaktaufnahme zwischen Corky und Violett sehr gut dem logischen Aufbau der Story und macht die folgenden Handlungsentscheidungen plausibel. Wie sonst, denn nicht durch eine intensive Anziehungskraft zwischen zwei Personen, läßt sich erklären, daß Violett, die zwar für Caesar die Prostituierte spielt, jedoch von ihm 'von der Straße' geholt wurde, sich nach fünf Jahren gegen ihn stellt und ihn eiskalt hintergeht. So wirken denn die ersten 45 Minuten des Films getrennt und selbständig gegenüber dem krimiorientierten Thrillerpart, der noch folgen mag. Hier nun muß ich gestehen, daß ich mir "Bound" auch erst dann ansah, als ich durch "Matrix" auf die Wachowski Brüder aufmerksam geworden bin. "Bound" wurde in diesem Fall nachgesagt, daß die verwandten Regisseure in diesem Erstwerk schon ihren Sinn für Kameraführung und ausgeklügelter Story zu Genüge beweisen konnten. Dieser Behauptung kann ich mich denn auch bedenkenlos anschließen : dem Zuschauer wird "Matrix"-ähnlich eine facettenreiche Story präsentiert, die sich vor allem durch den intelligenten Plan der beiden Frauen vom Thriller-Einheitsbrei abhebt. Dazu die wirklich bemerkenswerten Kameraperspektiven und -führungen - egal ob sie einfach nur intelligent plaziert das Geschehen einfängt oder einfallsreich diversen Ton- und Geräuscheinschüben folgt. Schauspielerisch wird solide bis überdurchschnittlich gute Kost geboten. Im Gegensatz zu den überaus dämlichen Nebenrollen, die Jeniffer Tilly sonst mimen darf, darf sie hier eine Hauptrolle übernehmen - zu Recht. Sicherlich stellt sie nicht die Inkartion der Schauspielkunst dar, wirkt aber wenigstens glaubwürdig und plaziert. Joe Pantoliano dürfte eh über jeden Zweifel erhaben sein und auch Gina Gershon steht die Rolle als lesbische, kriminelle, arbeitende Klempnerin perfekt.
Der Titel "Gefesselt" stellt in diesem Film jedoch keine arrogante Behauptung über die Filmqualität gegenüber des Zuschauers dar, sondern indiziert vielmehr den inneren Konflikt, dem sich Corky während des Handlungsverlauf stellen muß, als sie die Wahl hat, alleine mit dem Geld zu verschwinden oder Violett, zu der sie sich ja gebunden fühlt, zu Hilfe zu kommen.
Insgesammt also ein sehr guter Thriller, dem man die exzellente Handarbeit der Wachowski Brüder deutlich anmerken kann. Die erste dreiviertel Stunde des Films ist sicherlich nicht jedermanns Sache, jedoch umso fesselnder ist die Inszenierung danach.


Fesselnder Thriller, eingebettet in eine untypische sexuelle Beziehung


Thomas Schlömer