In China essen sie Hunde
(I Kina spiser de hunde)

Dänemark 2000, 91min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Lasse Spang Olsen
B:Anders Thomas Jensen
D:Kim Bodnia,
Dejan Cukic,
Nikolaj Lie Kaas
L:IMDb
„Ich habe sie umgebracht. - Wen? - Na meine Frau natürlich.”
Inhalt
Der apathische Hauptprotagonist Arvid (Dejan Cukic) wird mehr oder weniger durch Zufall heldenhafter Retter, als er bei einem Banküberfall die Gelegenheit ergreift, den Täter mit einem Squash-Schläger niederzustrecken. In seiner naiven Art bekommt er trotzdem ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Bankräuber, als er erfährt, daß der das Geld nur in Sorge um seine zukünftige Familie stehlen wollte. Um die Sache wieder auszubügeln beschließt er allerhand unmögliche und wahnsinnige Aktionen zu unternehmen, die seinem Leben vollkommen unerwartete Wendungen geben.
Kurzkommentar
BPjS aufgepasst: hier gibt's Gewaltdarstellungen der makabersten Sorte, wohlgemerkt in weit überzeichneter Form. Wer sich also wieder mal nach tiefschwarzem Humor sehnt, dürfte mit "In China essen sie Hunde" einen neuen Favoriten entdeckt haben. Alle anderen solltem dem Titel besser fern bleiben.
Kritik
Mit "In China essen sie Hunde" ist dem dänischen Jungregisseur Lasse Spang Olsen ein gelungen überspitzer, wenn auch teils zu makabrer Wurf geglückt, der vor allem Fans des tiefschwarzen Humors begeistern dürfte. Präsentiert sich der Beginn des Films teils einfach nur grotesk - gerade die Naivität der pseudo-moralischen Begründungen Arvid's sind extrem überzogen - wechselt das Geschehen im Laufe des Films immer mehr in Richtung krass überzeichnete Gewaltdarstellung.

Ideenreiche Quelle für den Wahnsinnsplot ist Drehbuchautor Anders Thomas Jensen - seines Zeichens Hauptverantwortlicher des vielgelobten Experimentalfilms "Mifune - Dogma 3". Man hat immer wieder den Eindruck, daß sich hier jemand richtig austoben wollte. Ohne Rücksicht auf Gewaltexzesse die Ironie des Dargestellten auf die Spitze treiben und selbst die makabersten Tarantino-Streifen in den Schatten stellen scheint das Ziel des Autors gewesen zu sein. Überwiegend ist dies inszenatorisch auch gelungen; nur selten wird die Grenze zwischen geschmackloser, weil in diesem Moment ernsthaft wirkender Darstellung, überschritten und auch die überraschende Wendung am Ende des Films gibt sich gelungen überspitzt und erfrischend ironisch.
Ab und zu jedoch kann selbst die stärkste Übertreibung nicht über den waghalsigen und fragwürdigen Grundtenor hinwegtäuschen. So herrlich stupide der Serbe Vuk beispielsweise sein mag, desöfteren wird man den Gedanken eines leicht rassischten Untertons nicht los. Auch die brutalen "Freunde" Vuks wirken doch arg klischeeüberladen und brutal. Sicherlich: auch hier soll die ironische Grundhaltung zum Ausdruck kommen - etwas erfrischender hätte die Darstellung aber ruhig sein dürfen.

Bleiben noch einige weitere kleine Mängel des Films: die (ebenso ironische) sakrale Stimmung der Musik nervt irgendwann, die Actionszenen sind für eine dänische Low-Budget Produktion zwar überraschend gut, können die geringen finanziellen Mittel aber nicht immer überdecken. Schauspielerisch hingegen wird gehobene Kost geboten: sowohl der gewissenlose Bruder als auch die "Mutter aller Naivität" Arvid sind wunderbar besetzt. Arvid's unschuldiger Gesichtsausdruck ist ebenso köstlich wie das Charisma des trotteligen Vuks. Dazu werden noch die vermeintlich schlechtesten Köche der Welt passend verkörpert und fertig ist die Bestzung ...

Alles in allem bietet "In China essen sie Hunde" makabren Humor en masse und weiß auch durch einen unerwartet halbwegs intelligenten Plot zu überzeugen. Alle, die bei spritzendem Blut nicht zwischen Ernst und Ironie unterscheiden können, dürften sich jedoch mehr als einmal vor den Kopf gestoßen fühlen. Die Warnung in diese Richtung sei also hiermit ausgesprochen ...

Ein Fest für Freunde schwarzen Humors


Thomas Schlömer