Happy, Texas

USA, 98min
R:Mark Illsey
D:Jeremy Northam,
Steve Zahn,
William H. Macy,
Ally Walker
L:IMDb
„Ich heiße Wayne Wayne Wayne ... Junior”
Inhalt
Die beiden Sträflinge Harry Sawyer (Jeremy Northam, "Amistad") und Wayne Wayne Wayne Jr. (Steve Zahn, "Out of Sight") entkommen mehr oder weniger zufällig ihrem Sträflingswärter, als der mitten in der Einöde von Texas einen Unfall baut. Die beiden (handschellenverketteten) Knastbrüder fliehen in Richtung Niemandsland, bis sie einem schwulen Designerpaar an einer Tankstelle das Wohnmobil klauen und im texanischen Dorf Happy landen. Dort werden sie für eben dieses Designerpaar gehalten und sollen den lokalen Schulmädchen endlich zur längst überfälligen Qualifikation für die regionale Mini-Misswahl verhelfen. Und trotz der Widerwärtigkeit, mit der vor allem Wayne an die Sache rangeht, raufen sich die beiden Haudegen zusammen, um noch irgendwie Kapital aus ihrer erbärmlichen Situation zu schlagen. Es kommt, wie es kommen muß und dem ungleichen Paar wächst das verträumte Dörfchen Happy mehr und mehr ans Herz. So sehr, daß ihr eigentliches Ziel - ein Ausraub der örtlichen Bank - in den Hintergrund gedrängt wird. Bis Ihr Knastkollege Bob (M.C. Caine, "Con Air") wieder auftaucht und die beiden in die Mangel nimmt.
Kurzkommentar
Trotz einiger platter Witze und fraglicher Aktionen der Charaktere, kann man Mark Illsey's Regiedebut als einigermaßen gelungen bezeichnen. Der trottellige Steve Zahn ist als Weichei Wayne Wayne Wayne ein echtes Unikat und hat einige Momente herzhaften Lachens auf seiner Seite. Ansonsten geben sich sowohl Story, als auch Inszenierung und die restlichen Schauspieler unspektakulär und konventionell - Schade.
Kritik
Ein neues Gesicht in Hollywood - Drehbuchautor und Regisseur Mark Illsey - liefert mit seinem Debut "Happy Texas" eine teils makabere, teils süß verspielte aber manchmal auch einfach nur dämliche Komödie ab. Die Story um zwei (glücklich) geflohene Sträflinge, die sich zusammenraufen müssen und in einem kleinen Dorf ohne Aussicht auf Besserung landen gibt sich durchschaubar und unspektakulär. Dieser Mangel ist zwar nicht sonderlich schwerwiegend, - immerhin peilt Illsey auch 'nur' eine unterhaltsame Komödie an - darf aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben. Insgesamt zielen die Witze hauptsächlich in Richtung Homosexualität und Situationskomik, weshalb Freunde 'versauter' Witze in "Happy Texas" eine kleine Goldgrube entdecken und sich dementsprechend auf einen amüsanten Abend einstellen können. Für den Durchschnittskomödianten wird allerdings wenig abwechslungsreiche Kost geboten - nur Klamauk über Schwule über satte zwei Stunden ist halt doch etwas dünn. Außerdem mangelt es "Happy Texas" etwas an Zielstrebigkeit. Illsey wollte wohl möglichst viele Zuschauer zufriedenstellen, indem sich Sawyer in die lokale Bankleiterin Joe verguckt, Wayne den kleinen Pädagogenstempel bzgl. der lieben Schulmädchen aufgedrückt bekommt und William H. Macy den sentimalen Schwulen mimt, der noch nicht sein Coming-Out hatte. Etwas viel Handlungsebenen, als daß er sie gekonnt verflechten kann.

Übergehend zu den positiven Aspekten des Films, spielt sich vor allem der liebenswürdige Möchte-Gern-Proll Steve Zahn in die Lachmuskeln des Zuschauers. Zwar nicht vollkommen frei von billigem Klamauik, weiß seine Rolle als heruntergekommener Sträflingszwerg Wayne Wayne Wayne ... Junior beinahe immer zu überzeugen. Seine weinerliche Stimme, sein tolpatschiges Verhalten und die perfekte Mimik zwischen Weichei und Mut sorgen für deftige Lacher und liebenswerte Momente. Wie er sich dazu aufrafft, den Kindern eine schöne Misswahl zu organisieren, macht ihn auf eine Art sympathisch und auf andere Art bewundernswert selbstsicher. Dazu eine komödientypische Beziehung zur (toll agierenden) schrulligen Lehrerin Miss Schaefer und Zahn's Rolle wirkt ausgereift und passend in Szene gesetzt. Auch William H. Macy, bekannt als naiver Vater in "Pleasentville", überzeugt wieder in einer naiv-liebenswürdigen Rolle : als homosexueller Polizeibeamter, der 'zufälligerweise' die Fahndung nach den beiden Sträflingen nie mitbekommt. Erwähnenswert ist außerdem noch die typische texanische Countrymusik und die schön ironische Darstellung einer zurückgebliebenen Kleinstadt - mit all ihren Marotten und dörflichen Gegebenheiten.
Alles in allem also ein leicht überdurchschnittlicher Kinospaß zwischen konventioneller Komödie und liebenswürdig netten Charakteren.

Netter Klamauk vor US-typisierter Kulisse - für Fans ein Schmuckstück


Thomas Schlömer