Im Zeichen der Libelle
(Dragonfly)

USA 2001, 104min
R:Tom Shadyac
B:Brandon Camp
D:Kevin Costner,
Susanna Thompson,
Kathy Bates
L:IMDb
„Es war Emily, die durch die Kinder zu mir gesprochen hat!”
Inhalt
Dr. Joe Darrow (Kevin Costner) ist Arzt - und Realist. Täglich wird er mit dem Tod konfrontiert. Als seine geliebte Frau Emily (Susanna Thompson) bei einem humanitären Einsatz im Dschungel von Venezuela ums Leben kommt, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er kommt über ihren Tod kaum hinweg und glaubt, täglich ihre Nähe zu spüren, als in seiner Umgebung plötzlich seltsame Dinge geschehen - Joe erhält Zeichen für die es einfach keine logische Erklärung gibt. Was bedeuten sie? Kommen sie aus einer anderen Welt - versucht etwa Emily mit ihm Kontakt aufzunehmen? Er muss Gewissheit haben. Alle Spuren führen nach Südamerika, wo Emily zuletzt gesehen wurde...
Kurzkommentar
"Sixth Sense" meets "Message in a Bottle", so schien das Patentrezept für diesen Film zu lauten. An sich keine schlechte Idee, und Genre-Fremdling Tom Shadyac inszeniert das Ganze auch solide, nur an einer tragfähigen Story hapert es gewaltig, zumal Costner nicht allzu mitreissend spielt.
Kritik
Man nehme die aktuelle Vorliebe Costners für ausladende, tendenziell langweilige Dramen (Message in a Bottle, Aus Liebe zum Spiel), und kombiniere sie mit dem Zeitgeist, der momentan kräftig auf der Mystery-Schiene fährt, was schon alleine der wenig später startende, thematisch ähnliche Konkurrenzfilm "The Mothman Prophecies" zeigt. Ein bisschen Unerklärlichkeit, Geister, Jenseits und Tod beigemischt, dazu ein möglichst überraschendes Ende, und nicht zu vergessen, ein paar Kinder, schon sollte der Kinoknaller perfekt sein. Nur leider vermag "Im Zeichen der Libelle" nicht so recht mitzureissen, was überwiegend an der Story liegt. Denn obwohl Tom Shadyac ansonsten für Komödien bekannt ist, leistet er sich inszenatorisch keine größeren Schnitzer. Auch die Schauspielcrew spielt passabel, wenn auch nicht gerade sonderlich bewegend.

Doch die Geschichte vermag einfach nicht zu überzeugen. Die Liebe Joes zu seiner Frau wird dem Zuschauer als besonders intensiv vorgestellt, doch hier fehlen gewisssermaßen die "Beweise", etwas mehr Handlung hätte die angeblich so intensive Beziehung glaubwürdiger machen können. Zudem ist das namensgebende Libellenmotiv doch ziemlich konstruiert, was dem Ganzen eine gewisse Selbstverständlichkeit und damit Glaubwürdigkeit nimmt. Nun, die übersinnlichen Elemente muss man schlicht akzeptieren, deren Logik zu hinterfragen ist wenig sinnvoll. Dennoch scheint vieles nur Mittel zum Grusel-Zweck. So nimmt die unausgegorene Konstruktion dem Zuschauer auch die Lust, weiter über den Film zu sinnieren - mit Botschaften aus dem Jenseits lässt sich irgendwie alles in die Geschichte montieren, einen inneren Zusammenhang oder eine tiefere Botschaft lohnt sich kaum zu suchen. Man mag über Nahtod-Erlebnisse spekulieren, über gedankliche Verbindung zwischen Liebenden, über Bewußtseinsstufen - die physische Manipulation der diesseitigen Welt durch Tote hat damit aber nichts zu tun, der Zusammenhang wird zwar im Film behauptet, ist jedoch nicht existent. Diese mangelnde inhaltliche Stringenz verurteilt das Geschehen des Films zur Beliebigkeit. Alles kann passieren; das nimmt die Spannung.

Das Ende hingegen, das ja einen Höhepunkt bieten muss, auf den der ganze Film hingearbeitet hat, wirkt wieder bodenständiger und insofern fast versöhnlich. Etwas geübte Zuschauer können es jedoch ab Mitte des Films erahnen. Die Chancen, die das finale Setting geboten hätte, werden jedoch allenfalls angedeutet, keinesfalls konsequent genutzt.

Der Film fällt also mit der Handlung, was angesicht der soliden Filmkunst schade ist. Erwähnenswert hier noch die stimmungsvolle Musik von John Debney, die über die übliche Geigendramatik hinausgeht.

Für Costner- und Mystery-Fans passabel - ansonsten wenig sehenswert.


Solide inszenierter Love-Mystery-Mix mit zu schwacher Story


Wolfgang Huang