Zoolander

USA, 89min
R:Ben Stiller
B:Drake Sather, Ben Stiller, John Hamburg
D:Ben Stiller,
Owen Wilson,
Will Ferrell,
Milla Jovovich
L:IMDb
„Was ist das? Ein Zentrum für Ameisen?”
Inhalt
Das äußerst tumbe, aber dafür ebenso erfolgreiche Model Derek Zoolander (Ben Stiller) hat den Zenit seiner Karriere überschritten. Der böse Modezar Mugatu (Will Ferrell) will ihn nun für einen Mordanschlag auf den Premierminister von Malaysia abrichten, um dort weiter billig Kleider von Kindern anfertigen lassen zu können. Doch Zoolander bekommt Unterstützung von einer anfangs aufmüpfigen Reporterin (Christine Taylor) und seinem großen Modelkonkurrenten Hansel (Owen Wilson).
Kurzkommentar
Ein Film von und mit Ben Stiller und all seinen Freunden. Die gute Stimmung am Set überträgt sich auf den Zuschauer, und lässt ihn über einige Mängel hinwegsehen. Als nahezu anspruchslose Komödie kann "Zoolander" prächtig unterhalten, auch wenn das Tempo der Witzabfolge noch etwas höher hätte sein können.
Kritik
Eine derartige Selbstinszenierung wie die von Ben Stiller in "Zoolander" hat es schon lange nicht mehr gegeben. Nicht genug damit, dass er sich um Buch, Regie und Hauptrolle kümmert, die komplette Besetzungsliste besteht aus Freunden und Verwandten Stillers. Diverse Rollen werden von Saturday Night Live Kompanions übernommen, sein Vater spielt seinen Agenten, seine Freundin spielt die weibliche Hauptrolle, seine Mutter und seine Schwester haben kleinere Nebenrollen und alle möglichen Promi Bekannten haben Gastauftritte. Für Stiller waren das sicherlich optimale Arbeitsbedingungen, denn man merkt dem Film durchaus an, dass alle Beteiligten ihren Spaß hatten.

Der Derek Zoolander Charakter entstammt zwei improvisierten Sketchen, in denen sich Stiller vor ein paar Jahren über Models lustig gemacht hat. Zusammen mit dem langjährigen SNL Gagschreiber Drake Sather und dem Author des "Meine Braut, ihr Vater und ich" Drehbuchs (Stillers letzter großer Erfolg) John Hamburg bastelte er einen ganzen Film um diesen irgendwie sympathischen Charakter. Da der Film mit einer Laufzeit von unter anderthalb Stunden nicht gerade lang geht, wirkt die Zentrierung allen Geschehens auf Zoolander größtenteils mehr kurzweilig denn ermüdend. Besonders die Interaktion zwischen Owen Wilsons Charakter Hansel und Zoolander ist köstlich dargestellt. Die anderen Charaktere bieten wenig Tiefgang, aber einige gute Szenen hat eigentlich jeder, auch wenn die "vernünftige" Figur Matilda das Geschehen ein wenig oft bremst.

An guten Gags mangelt es dem Film wirklich nicht, auch wenn nicht jeder Witz zündet. Der Film versucht ein Glück nicht ernsthaft eine Satire auf die Modebranche zu sein, und bietet so eher flache Witze oder Slapstick statt tiefgründiger aber humorvoller Analysen des Verhaltens von Models. Es werden munter andere Filme parodiert oder einige Klischeewitze über männliche Schönlinge gerissen. Eine Parodie auf "2001" ist besonders gut gelungen, da sie eher unerwartet kommt und beim eigentlichen Zielpublikum nur fragende Blicke hinterlässt. Einen Spannungsbogen, glaubwürdige Charakterentwicklung oder tiefsinnige Dialoge sucht man hinter der bonbonfarbenen Optik vergebens, obwohl die Handlung durchaus Raum dafür geboten hätte. In der gewählten Form ist "Zoolander" wenig mehr als ein gedehnter Sketch, der aber mit erstaunlich wenig Wiederholungen auskommt.

"Zoolander" ist kein Meisterwerk. Selbst auf komödiantischer Ebene hätte man mehr herausholen können, da man einige Male minutenlang auf den nächsten Gag warten muss. Trotzdem ist der Film sehr unterhaltsam, sofern man keine inhaltlichen Ansprüche stellt. Die Gastauftritte der Promis aus Musik, Mode und Film wirken auf Dauer auch mehr unterhaltend als nervig, auch wenn sie im Grunde absolut überflüssig sind. Das ist aber, wenn man es genau nimmt, der ganze Film, womit man über die offensichtlichen Mängel hinwegsehen sollte. "Zoolander" unterhält, und das ist für so einen Film sicher das wichtigste.

Vollkommen anspruchslose, aber sehr unterhaltsame Komödie


David Hiltscher