Weg nach El Dorado, Der
(Road to El Dorado)

USA, 89min
R:Bibo Bergeron, Will FInn
B:Ted Elliott, Terry Rossio
L:IMDb
„Wie? Du bist kein Gott?”
Inhalt
Die spanischen Ganoven Tulio und Miguel landen mit einer erspielten Schatzkarte zufällig als blinde Passagiere auf einem Schiff von Cortez' Flotte, die Segel in Richtung Neue Welt setzt. Zusammen mit einem grimassierenden Ross entkommen sie im Rettungsboot und gelangen auf eine einsame Insel, die scheinbar die mythische Inkastadt Eldorado beheimatet. Dort werden sie als Götter gefeiert und genießen vorerst ihren Aufenthalt. Die Freude ist aber nur von kurzer Dauer, denn vor den Stadttoren lagert der blutrünstige Cortez.
Kurzkommentar
Nach dem opulenten "Prinz von Ägypten" fährt Dreamworks mit "Der Weg nach El Dorado" auf der sicheren und damit konservativen Trickschiene. Zu Beginn noch überraschend flott, entpuppt sich nicht nur die Story als Weichspüler ersten Grades: die Songs von Elton John nerven, das Potential der an sich vielversprechenden Charaktere wird nicht ganz genutzt und schicke Animationstechnik blitzt auch nur selten auf.
Kritik
Der künstlerisch, musikalisch und erzählerisch pompöse "Prinz von Ägypten" etablierte die Trickabteilung von Dreamworks just nach dem Release als ernste Konkurrenz zu den schematischen Disney-Abenteuern. Die ernste Thematik und weniger kinderfreundliche Umsetzung bescherte dem Prinzen allerdings ein vergleichbar moderates Einspielergebnis; die Schnittmenge aus erwachsenen Trickliebhabern und interessierten Kindern war wohl recht gering. "Der Weg nach El Dorado" stellt nun das zweite Projekt dar und den Schritt Richtung Kommerzialisierung und zwingendem Erfolg merkt man dem Film leider deutlich an.

Doch eins nach dem anderen: nach den farbenfrohen und kitschigen Credits legen die beiden sympathischen, wenn auch etwas seichten und schnulzigen, Hauptprotagonisten Tulio und Miguel erstmal kräftig los. Die ersten zwanzig Minuten sind flott, witzig, einfallsreich, kurz: die reinste Freude. Vor allem über und mit dem Pferd Altivo zündet ein Gag nach dem anderen und "Der Weg nach El Dorado" nimmt es überraschenderweise locker mit dem Erzählwitz eines "Toy Story 2" auf. Kevin Kline und Kenneth Branagh bzw. deren Synchronstimmen scheinen die optimale Besetzung für die beiden tolpatschigen Gauner und bis sie auf die Ureinwohner der einsamen Insel treffen macht der Film auch einen Heidenspaß.

Man ahnt es jedoch: es dauert nicht lange und die Story wird zum Weichspüler erster Güte. Nicht nur, daß dem "Weg nach El Dorado" während der Geschehnisse bei den Ureinwohnern kräftig die Luft ausgeht und die Gags um ihren Gott-Status mehr Verwendung finden, als ihnen gut gestanden hätte, auch die Songs von Elton John (bzw. die dürftige "Synchronisation") wirken uninspiriert und deplatziert. Hier wollte man eindeutig den Erfolg vom "König der Löwen" erzwingen, erreicht aber nur mäßigen Plagiat-Status. Immerhin: ähnlich Disney's "Tarzan" singen die Charaktere des Films nicht direkt, sondern werden nur von den Songs begleitet; dennoch nicht so dynamisch und unbeschwert wie bei der Konkurrenz. Außerdem bleibt die Frage, inwieweit Kinder diese Musikalisierung als positiv empfinden. Zumal wohl vornehmlich Mädchen gerne mitsingen (bzw. im Nachhinein die zugehörige CD haben wollen) und der Zielgruppe fehlt in "El Dorado" wohl etwas die Identifikationsfigur.

Nur selten blitzt zwischendurch nochmal der Witz des Auftakts auf (z.B. beim Ballspiel). Der prädestinierte Obermotz Cortez kommt überhaupt nicht zum Zug und auch der hinterhältige Hohepriester Tzekel-Kan darf nicht richtig böse sein. Erfreulich hingegen der Charakter des gutmütigen und weisen Stammchefs, der hinter die "Lüge" von Tulio und Miguel kommt und trotzdem so tut, als sei nichts gewesen - für einen Trickfilm recht unüblich, daß die große Enthüllung inszenatorisch nicht breit getreten wird. Perfekt hingegen wieder einmal die Score-Untermalung von Hans Zimmer und John Powell: stimmig und mitreißend bis zur letzten Note und man kann nur beten, daß sich Dreamworks noch dazu entschließt nach dem dürftigen Song-Release ein volles Score-Album nachzuschieben. Daß sie dies beim "Prinz von Ägypten" nur über Umwege gemacht haben, nehme ich heute noch persönlich.

Als Spaßindikator kann während des Films mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit das Pferd Altivo herhalten: immer wenn es da ist, ist das Geschehen witzig und dynamisch, ansonsten wird dem Zuschauer konservativer Trickfilm-Einheitsbrei präsentiert. Schade, schade, dabei war Dreamworks Auftakt mit dem "Prinz von Ägypten" extrem ambitioniert und man sollte meinen, daß sich die Mannen von Jeffrey Katzenberg eher an (dank ihrer überragenden Qualität) erfolgreichen Trickvorbildern wie eben "Toy Story 2" orientieren. Daß es ihnen an Ideen und Dynamik nicht mangelt, belegten immerhin die ersten zwanzig Minuten. Aber Katzenberg, seines Zeichens damals noch bei Disney und am großen Vorbild "König der Löwen" beteiligt, war wohl zu sehr auf die sichere Geldschiene fixiert.
Der Schuß ging (zurecht) nach hinten los (nur 50 Mio. $ Einspielergebnis bei 95 Mio. $ Budget) und man kann nur hoffen, daß er dem Talent seiner Trickabteilung demnächst mehr Freiraum gestattet.

Vergebene Chance eines modernen Trick-Abenteuers


Thomas Schlömer