Watcher, The

USA, 97min
R:Joe Charbanic
B:Darcy Meyers, David Elliott, Clay Ayers
D:James Spader,
Keanu Reeves,
Marisa Tomei,
Chris Ellis
L:IMDb
„Wir beide gehören zusammen, Joel!”
Inhalt
Viele Jahre lang jagte FBI-Spezialist Joel Campbell, den Serienmörder David Allen Griffin - ergebnislos. Als er jedoch ansehen muss, wie seine Lebensgefährtin von Griffin getötet wird, wirft er den Job hin. Doch Griffin spürt den inzwischen medikamentensüchtigen, depressiven Campbell wieder auf, und fordert ihn zu ienem Spiel heraus: Jeden Tag lässt er Campbell ein Foto des nächsten Opfers zukommen, und gibt ihm einen Tag Zeit, es zu rettten. Und so bleibt Campbell keine Wahl als die Jagd erneut aufzunehmen, um Griffin endgültig zu fassen.
Kurzkommentar
Handlungstechnisch gesehen bietet "The Watcher" unterdurchschnittliche Thriller-Kost. Eher für Interesse sorgen da schon die Schauspieler, vor allem Keanu Reeves, aber auch James Spader. Allerdings bleiben beide recht farblos, obwohl die gezeichneten Charaktere einiges Potential gehabt hätten. So bleibt "The Watcher" nur ein bald vergessener Schnellschuss von Hollywood-Debütant Joe Charbanic.
Kritik
Das klingt doch interessant: Keanu Reeves, trotzdem irgendwie ständig ohne den letzten Biss spätestens seit Matrix als Actionheld profiliert, spielt diesesmal einen Bösewicht (und nimmt damit die Chance wahr, sein wahres Potential zu zeigen), und James Spader, der eine seltsame Schlingerkarriere zwischen Trash ("Supernova") und Kult ("Sex, Lügen und Video") hinlegt, zusammen in einem Film. Dazu ein Script, das routinierte Kinogänger zwar nicht vom Hocker haut, aber immerhin Potential besitzt: Serienmörder findet Gefallen am Katz- und Mausspiel mit dem FBI-Agenten, dreht den Spiess herum und zwingt diesen dazu, das Spiel weiterzuspielen. Dazu noch ein paar dezente Seitenhiebe auf die moderne, entfremdete Gesellschaft.
Leider hält der Film nicht so ganz, was er verspricht. Woran es genau liegt, ist nicht so einfach zu sagen. Am ehesten vielleicht noch: Es fehlt überall der letzte (oder vielleicht auch der vorletzte) Feinschliff. Spader spielt den ewig müden, weil Schlaftabletten-süchtigen Cop gut, fast zu gut - letztlich bleibt er zu wenig scharf gezeichnet. Keanu Reeves als Bösewicht? Seine Kritiker winken da sofort müde lächelnd ab, und sie tun es nicht ganz zu unrecht. Trotz psychopathischem Getue kann auch die Figur des Griffin nicht überzeugen - zu durchschaubar, zu klischeehaft. Den anderen Figuren gibt das Drehbuch nicht viel Raum, nur Chris Ellis hat eine nette Szene als souveräner Cop, aber mehr als ein Lächeln ist dafür nicht drin. Auch das Drehbuch kommt über nette Ansätze nicht hinaus - drei Frauen müssen innerhalb von 24 Stunden gefunden werden, dazu noch zwei weitere Tote nach dem gleichen Schema, und dabei ist der Mörder auch noch bekannt - da will einfach keine Spannung aufkommen. Zudem ist spätestens ab der Hälfte klar (auch wenn es hier dennoch nicht verraten werden soll), was der Film als Pointe haben wird. Dass ihr Drehbuch nicht den nötigen Punch hat, wussten wohl auch seine Autoren. Um dem ganzen etwas mehr "Thrill" zu geben, versucht sich Regisseur Joe Charbanic an Traumsequenzen, mit den üblichen Effekten wie Slow-Motion und Handkamera, aber das macht den Film leider auch nicht besser. Der Rest ist technisch gesehen unbedeutend.

"The Watcher" ist ein recht souverän runtergekurbelter Thriller, für ein Erstlingswerk eines Regisseurs nicht unbedingt schlecht, aber dennoch bietet er dem Zuschauer zu wenig. Dafür aber, dass der Film weder echte Spannung noch andere Raffinessen bietet, und die angedeutet Sozialkritik zudem sehr rudimentär bleibt, ist das Thema aber eigentlich zu bedrückend, um einen Abend damit zu verbingen. Zwei Stunden in virtueller Gesellschaft von psychopathischen Serienmördern und depressiven Cops, sowie diverser Leichen - da könnte ich mir eine angenehmere Abendgestaltung vorstellen.

Souveräner, aber wenig spannender Thriller mit eher enttäuschenden Darstellern


Wolfgang Huang