Was nicht passt, wird passend gemacht

Deutschland, 101min
R:Peter Thorwarth
B:Peter Thorwarth, Mathias DInter, Martin Ritzenhoff
D:Dietmar Bär,
Ralf Richter,
Hilmi Sözer,
Willi Thomczyk
L:IMDb
„Kannste tanzen? - Ja. - Na dann tanz' ab.”
Inhalt
Der lausig-liebenswerte Bautrupp um Polier Horst (Willi Thomczyk), Weiberheld Kalle (Ralf Richter) und Familienmensch Kümmel (Hilmi Sözer) lösen im Handumdrehen alle Bauprobleme. Ärgerlich wird's erst, als ihnen ihr Boss Werner Wiesenkamp (Dietmar Bär), der wieder mit den Lohnzahlungen im Verzug ist, ausgerechnet den schnöseligen Architektur-Studenten Philipp (Peter Thorwarth) aufs Auge drückt. Denn der stellt sich nicht nur an wie der letzte Heuler, er besitzt auch noch die Frechheit, Horsts hübsches Töchterlein Astrid (Alexandra Maria Lara) anzubaggern. Gut, dass der Vorarbeiter weiß, wie man mit solchen Typen umgehen muss - wer nicht passt, wird eben passend gemacht.
Kurzkommentar
Peter Thorwarth enttäuscht nicht und kann mit "Was nicht passt.." wieder ein durch seine Darsteller und den eingefangenen Ruhrpott-Charme überzeugendes, deutsches Kleinod vorstellen. Für Freunde von "Bang Boom Bang" ist "Was nicht passt.." also auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn die Raffinesse des "Vorgängers" fehlt.
Kritik
Peter Thorwarths Erstling "Bang Boom Bang" kann zweifellos als einer der wenigen, echten Kultfilm aus deutschen Landen gelten, so pointiert, gewitzt und raffiniert hat er seine Krimikomödie anno 1999 inszeniert. "Was nicht passt, wird passend gemacht" entstand bereits als 15minütiger Kurzfilm (mit ähnlicher Besetzung) während Thorwarths Hochschulzeit 1997 und weist in die gleiche Richtung: markante Typen, derbe Sprüche und jede Menge Ruhrpott- Charme. Während Thorwarth aber trotz Drängen einiger Freunde nie Bock hatte, seinen Kurzfilm auf Kinolänge zu strecken, verfiel die Idee bis er einige weitere Kurzfilme und schließlich "Bang Boom Bang" gedreht hatte. Dann kam das Drehbuch-Gespann Mathias Dinter und Martin Ritzenhoff (schändlicherweise waren die Jungs auch für das üble Skript zu "Feuer, Eis und Dosenbier" zuständig) auf ihn zu und Thorwarth konnte sich für den Stoff erneut begeistern. So ist der ursprüngliche Kurzfilm fast komplett als Intro in der "vollständigen" Fassung von "Was nicht passt.." enthalten und wurde um diverse Neckigkeiten und die obligatorische Love-Story erweitert.

Glücklicherweise hält sich die Uninspiriertheit der aufgesetzten Liebesgeschichte aber in Grenzen. Zum einen, weil Thorwarth genug Geschick für lockere Inszenierung besitzt (Ausnahme: die Szene am Computer), zum anderen, weil der Schwerpunkt immer noch bei der skurrilen Baucrew liegt. Und die ist mit Ralf Richter als Kalle, Hilmi Sözer als Kümmel und Willi Thomczyk als Horst in kongenialem Proll/Ruhrpott-Stil besetzt. Ralf Richter hat dabei die mit Abstand beste Rolle bekommen, markiert er doch auf unnachahmlich grölende Weise den bierbäuchigen Obermacker und hat zusammen mit Dietmar Bär als Werner Wiesenkamp die knalligsten Sprüche zu bieten. Trotzdem wird hier kein Charakter vernachlässigt. Dazu sind sie alle zu köstlich und im Team auch zu gut. Sowohl vor als auch hinter der Kamera hat sich um Regisseur Thorwarth ein großer Freundeskreis gebildet, der mit ihm schon bei diversen Kurzfilmen und natürlich "Bang Boom Bang" zusammengarbeitet hat. Vermisst wird lediglich der verstorbene Diether Krebs, der selten so gut besetzt war wie in "Bang Boom Bang" und beim gleichnamigen Kurzfilm den Willi Wiesenkamp mimte. Dietmar Bär aus dem "Tatort" nahm schließlich die Bürde auf sich, eine Art "Ersatz" für ihn darzustellen, denn sein Charakter Werner ist der Sohn von Krebs Figur Willi (in einer Szene hat man sogar ein Familienfoto per Montage erstellt).

Dass "Was nicht passt.." nicht ganz so gelungen ist wie "Bang Boom Bang" mag zum einen daran liegen, dass Thorwarth diesmal etwas seichter vorgegangen ist (diesmal muss keine Leiche ausgegraben und "geöffnet" werden), zum anderen daran, dass seine Story nicht mehr so knackig-raffiniert ist. Zwar gibts hier und da eine kleine Überraschung und es passiert auch genug, um unterhalten zu werden, aber letztlich bewegt sich "Was nicht passt.." nur auf (höherem) Sketch-Niveau. Das lässt sich schön an dem Spannungselement mit dem Polen ablesen: Philipp fühlt sich von der Leiche in seinen Träumen verfolgt und bis zur Hälfte des Films steht er diesbezüglich vollkommen in der Luft, aber dann wird das Geheimnis gelüftet und es scheint ein vorläufiger Höhepunkt erreicht. Was folgt sind mehrere, kleine (durchaus nette) Episoden, die von versteckten Bergstollen, Cessna-Bombern und durchgehend von radfahrenden Körnerfressern erzählen. Das ist amüsant, immer liebenswert, nie diskriminierend und auch nicht anklagend oder beleidigend. Eine Eigenschaft, die eine "Proll-Komödie" dieser Machart von Rülpsorgien à la "Feuer, Eis und Dosenbier" abhebt.

Insgesamt erinnert "Was nicht passt.." wie schon "Bang Boom Bang" an die Gangsterabenteuer Guy Ritchies ("Bube, Dame, König, grAs", "Snatch") und britische Milieukomödien wie "Gang oder gar nicht" und "Brassed Off". Trotzdem ist Thorwarth kein simples Abkupfern oder Projizieren auf Deutschland vorzuwerfen. Dazu geht er seinem Stil schon zu lange nach und fängt auch zu gekonnt die herzhafte Stimmung des Ruhrpotts und seiner typischen (und natürlich auch klischeehaften) Figuren ein. Nichtsdestotrotz gilt für Peter Thorwarths Zukunft das gleiche wie für Guy Ritchies: wiederholt Euch nicht, sondern investiert Euer Talent auch mal in andersartige Projekte.

Nette Milieukomödie mit knackigen Sprüchen, aber fehlender Raffinesse


Thomas Schlömer