Was Frauen wollen
(What Women Want)

USA, 126min
R:Nancy Meyers
B:Josh Goldsmith, Cathy Yuspa, Diane Drake
D:Mel Gibson,
Helen Hunt,
Marisa Tomei,
Alan Alda
L:IMDb
„Just think of it: men come from mars and women from venus. Then this means that you speak venusian. Imagine the possibilities!”
Inhalt
Nick Marshall (Mel Gibson, zuletzt in "Der Patriot") ist ein erfolgreicher Werber, Vater einer Tochter im besten Teenageralter und vor allem ein echter Macho. Er rechnet fest mit einer Beförderung, als ihm die junge Darcy McGuire (Helen Hunt, zuletzt in "Verschollen") vor die Nase gesetzt wird. Die beiden hassen sich vom ersten Moment an, und als Nick eine Kampagne zu typischem Weiberkram entwickeln soll, kommt es zur Verzweiflungstat: Nick testet die Kosmetika am eigenen Leib, seine Tochter ertappt ihn dabei und er fällt vor Schreck samt Fön in die Badewanne. Als er aus der Bewusstlosigkeit erwacht, beginnt ein neues Leben für ihn - er hört plötzlich, was Frauen denken! Ein Spiel mit völlig neuen Regeln beginnt.
Kurzkommentar
Kaum einer wird wohl aus Hollywood eine tiefgründige, intelligente Auseinandersetzung mit der weiblichen Psyche erwarten und so bleibt "Was Frauen wollen" nur harmlose, aber amüsante Abendunterhaltung mit einem wunderbaren Mel Gibson (Golden Globe Nominierung) und einer nicht ganz so idealen Partnerin. "Was Frauen wollen" bleibt letztendlich also mehr oder weniger unbeantwortet - in Hollywood scheinbar nur Mel Gibson.
Kritik
Nancy Meyers, bislang hauptsächlich Drehbuchautorin und Produzentin, verdanken wir so herrlich blöde Klamotten wie "Vater der Braut" (Teil 1 und 2), "Baby Boom" oder auch "Nichts als Ärger". Ihr Regiedebüt gab sie mit dem akzeptablen "Ein Zwilling kommt selten allein", welcher Erich Kästners "Das doppelte Lottchen" zum wiederholten Male aufgriff. Bei Betrachtung dieser filmischen Vergangenheit traut man sich beinahe gar nicht, mehr als anspruchslosen Komödienstoff von "Was Frauen wollen" zu erwarten.

Doch andererseits: bei einem derart "verführerischen" Titel dürfte sich so mancher einen kleinen, aber feinen Einblick in die Psyche der Frauen erhoffen, ein Puzzlestück für das letzte offene Rätsel der Wissenschaft; das unergründete Mysterium unserer (Männer-)Welt: die Frauen. Immerhin ist ja auch die Regisseurin zu diesem Geschlecht Mensch zu zählen, doch man muß als Zuschauer enttäuscht feststellen, daß Nancy Meyers absehbar wenig von ihren Geheimnissen preisgibt. Vielmehr ist "Was Frauen wollen" eine dieser typischen Hollywood-Komödien. Vom Aufbau schematisch, von der Inszenierung her wenig bemerkenswert. Aber eben durchaus amüsant. Dabei erweist sich der Streifen als reines Mel Gibson-Vehikel (wie so oft, wenn er mitspielt), was in diesem Fall aber wirklich gut funktioniert, denn wer aus Hollywood könnten einen Obermacho und gutaussehenden Frauenschwarm besser verkörpern, als der gute Mel.

Und so erfreuen wir uns an herrlichen Anspielungen, gelungenen Einlagen (auch Mel Gibson kann Sinatra) und eben den netten Spielchen, die die Gedankenleserei so zu bieten hat (mein Favorit: die Dumpfbacken von Sekretärinnen, die passenderweise absolut hohl sind). Der nötige Biss fehlt leider und so bleibt das Potential, das der durchaus vielversprechenden Grundidee zweifellos innewohnt, sicherlich etwas ungenutzt. Nancy Meyers' Frauen scheinen größtenteils nur ihr Aussehen und Sex (hört, hört) im Kopf zu haben - und wünschen sich natürlich einen verständnisvollen Mann. So richtig übel nehmen kann ich Nancy Meyers diese Eindimensionalität allerdings nicht, dafür ist der Film teilweise zu sympathisch und Mel Gibson zu gut. Die Wandlung vom chauvinistischen Egoisten zum verständnisvollen Liebhaber bringt er gekonnt rüber, einerseits durch die gute Mimik, andererseits einfach durch sein Charisma. Problematischer ist da schon sein weiblicher Counterpart in Person der liebenswürdigen Helen Hunt. Ihre Ausstrahlung und ihr Talent stehen wieder mal außer Frage, aber so richtig harmonisch wirkt ihr Zusammenspiel mit Mel Gibson nicht. Gerade im Hinblick auf das etwas lieblos dahingeschluderte Ende wirkt die Konstellation etwas unausgegoren.

Aber egal: dafür stimmen die Nebencharaktere (allen voran Bette Midler und Marisa Tomei als Lola) und bis auf die letzte halbe Stunde ist der Erzählfluß zurückhaltend, aber angenehm. Die Nebenhandlung der Selbstmord- gefährdeten Erin zieht den Film dabei sicherlich unnötig in die Länge, aber letztlich wird das den amüsanten Kinoabend nur unwesentlich beeinträchtigen. Alles in allem also sehr nett.

Unterhaltsame Komödie (leider) ohne tiefschürfende Erkenntnisse


Thomas Schlömer