Verhandlungssache
(Negotiator, The)

USA, 139min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Gary F. Gray
B:James DeMonaco, Kevin Fox
D:Samuel L. Jackson,
Kevin Spacey,
David Morse,
Ron Rifkin
L:IMDb
„When your friends betray you, sometimes the only people you can trust are strangers.”
Inhalt
Chicagos bester Cop in Sachen Terroristenverhandlung, Leutnant Danny Roman (Samuel L. Jackson), ist vom Erfolg verwöhnt. Direkt in der einleitenden Szene muß er seine Verhandlungsqualitäten gegenüber einem Vater, der seine Tochter mit einer Schrotflinte bedroht, erneut beweisen - mit Erfolg. Als des Abends sein Triumph gefeiert wird, zieht ihn sein Partner vom Department zur Seite und eröffnet ihm, daß er die Personen, die Gelder aus dem Polizeifonds entwendet haben, in den eigenen Reihen vermutet und einen heißen Tip zur Aufklärung bekommen hat. Doch dazu kommt es nicht mehr. Romans Partner wird wenig später erschossen und Roman der Mord untergeschoben. Die Ermittelnden für "innere Angelegenheiten" unter Inspektor Niebaum (J.T. Walsh) meinen das Mordmotiv darin gefunden zu haben, daß Roman für das fehlende Geld verantwortlich ist und seinen Partner umbrachte, weil dieser zu viel wußte. Obgleich überdeutlich ist, daß die eigentlich Schuldigen ein böses Spiel treiben, es nach Betrug riecht und Romans Mordmotiv arg konstruiert wirkt, wenden sich alle, die noch voher mit ihm feierten, gegen ihn. Er verzweifelt und stürmt in das Bürogebäude der "inneren Angelegenheiten", wo er selbst vier Geiseln nimmt.
Kritik
Überaus einfallsreich kommt die Grundkonzeption des Plots nach dem "was wäre, wenn" Prinzip daher, energetisch umgesetzt durch zwei souverän agierende Ausnahmedarsteller. Samuel L. Jackson zeichnet genußvoll lebendig und impulsiv die widersprüchlichsten Emphasen des von seinem Umfeld Betrogenen, der aus dem Zenit des beruflichen Erfolges in gesellschaftliche Ausgrenzung und Verzweifelung gestürzt wird. Die sich entfaltende Wandlung vom ausgeglichenen "Negotiator" in die entgegengesetzte Position eines Geiselnehmers läßt die Figur des Danny Roman außergewöhnlich facettenreich wirken. So ist es z.B. regelrecht ein Genuß, das taktierende Kalkül Romans in der Entwicklung zu sehen, nachdem sich die Geiselnahme noch als recht impulsiver Affekt ereignet hatte. Wunderbar professionell wägt er die Möglichkeiten der Situation ab und beginnt seine psychologische Dialogstaktik auf Niebaum und gegen seine ehemaligen Partner vom Department anzuwenden. Beide, Niebaum und die von außen durch Spezialkommandos eindzudringen versuchende Polizei, beginnt er im Dialog spöttisch vorzuführen. So wirkt es zwar unrealistisch, aber gekonnt sarkastisch und urkomisch, wenn er dem vom Department zuerst abgestellten "Negotiator" über Crashdidaktik hinsichtlich des Wortes "nein" aus dem "Verhandlungshandbuch" per Telefon die völlige gesprächspsychologische Unfähigkeit bescheinigt und ihn der Lächerlichkeit preisgibt. Erst als Kevin Spacey in der Rolle des subtil und unabhängig auftretenden Chris Sabian eintrifft, erhält Roman einen ebenbürtigen Gesprächspartner. Von jetzt an folgt man eingenommen und gespannt dem dynamisch inszenierten Herantasten der beiden Haupthandelnden, beispielhaft intensiv umgesetzt durch einen pochenden Jackson und den oskarprämierten Kevin Spacey. Dieser vermag Chris Sabian große Selbstsicherheit, aber vor allem souveräne Ruhe zu verleihen, die der Zuschauer regelrecht genießt. Sind auch die anderen Darsteller solide gewählt, so sind es eindeutig die sich aufeinander zubewegenden beiden Pole, Danny Roman und Chris Sabian, die mit Klasse dargestellt sind und letztendlich harmonisieren. Dadurch, daß Jackson dem Charakter Romans starke Glaubwürdigkeit und Logik in der Argumentation verleiht, ist es im Rahmen der Fiktion plausibel, daß er Niebaum seiner Schuld überführt und die anderen Geiseln von seiner eigenen Unschuld überzeugen, sie sogar in Sympathie auf seine Seite zu ziehen vermag. Eine von ihnen, der hypernervöse Rudy, wird von Paul Giamatti überaus unterhaltsam verkörpert. Regisseur F. Gary Gray plaziert als spannungssteigerndes Element gekonnt die Versuche der Spezialeinheiten den mit seinen Geiseln strategisch intelligent verschanzten Roman zu überwältigen, mit dem Ergebnis eines leichten "Stirb Langsam" Einflusses. Die Länge des Filmes erlaubt eine differenzierte Ausarbeitung der verschiedensten Psychen der Protagonisten, angereichert durch traditionelle Komponenten des Actiongenres. Wären hiermit die positiven Merkmale umrissen, so ist es der zum Ende hin sich in Konfusion verstrickende Verschwörungsplot, der Fragen offen läßt, für ein uninspiriertes Finale und beim Zuschauer für leichte Ernüchterung sorgt.
Flemming Schock
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Grösster Kritikpunkt: Um die komplizierte Story verstehen zu können, sollte man mindestens Abitur haben, andernfalls ist es schwer, den vielen Verwicklungen zu folgen. Dabei ist der eigentliche 'Fall' recht nebensächlich, viemehr geht es um das (Psycho-)Duell zwischen Roman und Sabian, das von Jackson und Spacey herrvoragend realisiert wurde. Wobei...