Under Suspicion - Mörderisches Spiel
(Under Suspicion)

USA / Frankreich, 110min
R:Stephen Hopkins
B:John Wainwrigth,Tom Provost, Peter Iiff
D:Gene Hackman,
Morgan Freeman,
Thomas Jane,
Monica Bellucci
L:IMDb
„Junge Mädchen reden nicht. Sie lachen, sie leben.”
Inhalt
Der reiche Anwalt Henry Hearst (Gene Hackman) hat beim Joggen die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt. Doch seine Aussagen sind vage und unglaubwürdig. Der Polizeidetektiv Victor Benezet (Morgan Freeman) hegt den Verdacht, Hearst selbst könne der Mörder und Vergewaltiger sein – wie auch in einem ähnlichen Fall, wo er von Zeugen am Tatort gesehen wurde. Bei einem Verhör will Benezet den Anwalt entlarven. Tatsächlich verstrickt sich Hearst schnell in Widersprüche, aber er hält dem steigenden Druck stand. Benezet zieht seinen letzten Trumpf: Chantal (Monica Bellucci), Hearsts attraktive und 30 Jahre jüngere Frau, wird ins Polizeirevier geladen. Ihre Aussage soll das Lügengebilde Hearsts zum Einsturz bringen.
Kurzkommentar
"Predator 2"-Regisseur Stephen Hopkins beweist Reife mit einem düsteren, einmalig gespielten Kammerduell, dem es letztlich an Konsequenz mangelt. "Under Suspicion" schlägt mit raffinierten Dialogen und ruhigen Momenten viel Gewinn aus seinen Optionen, wird aber zunehmend schwergängig, weil die bis zum absurden Finale geforderten Wendungen ausbleiben.
Kritik
Dass in Hollywood bei Einfallsträgheit gern Stoffe wiederverwertet werden, die im europäischen Kino funktionierten, überrascht nicht. Wenn aber das Remake des psychologischen Kammerspiels "Das Verhör" in die Hände des Regisseurs von "Predator 2" und "Lost in Space" gelegt wird, fürchtet man schon ein böses Erwachen. Das bleibt, weil Stephen Hopkins eben überraschende Fähigkeiten an den Tag legt, die Regeln des Genres zu zitieren, nun aus, aber "Under Suspicion" operiert doch zu sehr mit Konventionen und Klischees. Immerhin, man bekommt serviert, was zu erwarten ist, und das mit handwerklicher Sorgfalt und einem sagenhaften Ensemble.

Wo schon das französische Vorbild brillierende Akteure aufwies, war klar, dass die amerikanische Interpretation des geheimnisvollen Schaustücks über Legitimität demütigender Verhörmethoden, Eifersucht, Verlangen und menschlicher Grenzen nicht irgendwen, sondern allein die Besten für sich gewinnen musste. Mit Morgan Freeman und Gene Hackman, zudem noch Produzenten, fand Hopkins zwei Schauspielmonumente, dank derer er sich in seinem Regiestuhl erleichtert zurücklehnen und auf das Zusammenwirken der Charaktermimen vertrauen durfte. Freuen darf man sich dann auch zu recht auf eine subtile darstellerische Bandbreite in einem Film, der seinem eigenen Konzept jedoch zuweilen misstraut. Dabei zeugt es in Zeiten, in denen die Aufmerksamkeit des Publikums zunehmend nur noch durch Effekte erreicht wird, von einer Portion Mut, überhaupt noch ein Kammerspiel zu wagen, das eben keine Zeitraffung, also nicht die gewohnte Geschwindigkeit in der Szenenfolge bietet.

Wo es also statt großer Handlung nur Gesten, Blicke, zwei sich eindringlich musternde Gesichter und deren Fassadenhaftigkeit gibt, muss die Spannung in der Abtastung des Gegners, im geistigen, im verbalen Angriff und Konter entstehen. Das demonstrieren Hackman und Freeman, die beide lange Zeit nicht mehr so wie ihr Können auspacken durften, natürlich in Vollendung. Die eigentliche Geschichte, dass zwei junge Mädchen vergewaltigt und tot aufgefunden wurden, ist schrecklich banaler Krimialltag, sie dient aber ja eh nur als Vehikel für das Psychoduell, dem man von Beginn an wie einem großen und seltenen Ereigniss gebannt folgt. Es mag unrealistisch sein, dass der verhörende Polizist den Verdächtigen auch dann noch ausquetschen darf, wenn beide fast freundschaftlich verbunden sind, aber diese Tatsache verleiht dem Schlagabtausch noch zusätzliche Würze. Der erst konzentrierten Spannung ist allerdings abträglich, dass das Drehbuch Hackman und Freeman wiederum nicht genug Raum lässt, die Provokationen und Reaktionen konsequent genug zu entfalten.

Immer wieder erwartet man über die doch zähe Dauer des Films, der schon durch seine braun-dunkle Farbgestaltung erheblich an Stimmung gewinnt, irgendeine Gefühlseruption, vor allem, weil das Spiel des Verdächtigen, selbst Anwalt, in seiner klugen Unkalkulierbarkeit bald wieder berechenbar und eine entscheidende Wendung zu erwarten ist. Wenn der Charakter Hackmans als einziger Täter in Frage kommt und durch die klugen und suggestiven Fragen des Verhörenden sich immer tiefer in Ungereimtheiten verstrickt, scheint nur ein Geständnis möglich. Bis zum erwarteten unerwarteten, übel aufgestülpten Finale verläuft das geistige Katz- und Mausspiel in z.T. gähnend machenden, weil absehbaren Bahnen, die Regisseur Hopkins mit einigen effekthascherischen Schnitttechniken kaschieren will. Nichtsdestotrotz bleibt "Under Suspicion" aber empfehlenswert (auch Monica Bellucci, Italiens Sexsymbol, "Der Zauber von Malena", weiß geheimnisvoll zu gefallen), weil begnadet gespielte Kammerduelle rah gesäht sind. Da darf´s auch gern ein Remake sein, gerade auch für die, die vom "Verhör" noch nichts gehört haben.

Dramaturgisch inkonsequenter, aber blendend gespielter Kammerkrimi


Flemming Schock