Red Planet

USA, 106min
R:Antony Hoffman
B:Chuck Pfarrer
D:Val Kilmer,
Carrie-Anne Moss,
Tom Sizemore,
Terence Stamp
L:IMDb
„Vielleicht finde ich eines Tages einen Stein, auf dessen Unterseite "made by god" steht.”
Inhalt
Im Jahre 2050 steht es schlecht um die Erde: Sie ist hoffnungslos verschmutzt, und als einziger Ausweg bleibt die Flucht auf den Mars. Zu diesem Zweck wurde bereits einige Jahre zuvor ein Terraforming-Projekt begonnen, das jedoch inzwischen nicht mehr wie erwartet funktioniert. Und so wird eine Crew aus Wissenschaftlern zusammengestellt, die nach einer Lösung suchen soll - vor Ort. Doche leider sind die Dinge etwas komplizierter als erwartet.
Kurzkommentar
"Red Planet" enttäuscht auf der ganzen Linie: Unterforderte Schauspieler, dämliche Story, noch viel dämlichere, mitnichten witzige Elemente, peinliches pseudophilosophisches Gebrabbel, schwaches Ende. Allein die Effekte gehen in Ordnung - aber das rettet diesen Murks auch nicht mehr.
Kritik
Wenigstens in einer Hinsicht wird "Red Planet" für heisse Diskussionen sorgen: Nachdem nach Brian de Palmas miserablen "Mission to Mars" jedermann sicher war, "Red Planet" könne nur besser werden, tun Autor Chuck Pfarrer (bereits verantwortlich für Gurken wie "Virus") und Regisseur Antony Hoffmann Alles, um diese Voraussage zu widerlegen. Beide haben jedoch unzweifelhafte Qualifikationen für den Titel "Schlechtester Sci-Fi-Film der letzten 20 Jahre". Da muss sogar "Lost in Space" einpacken.

Einmal mehr schade, denn, so albern es klingen mag, wäre "Red Planet" nicht so schlecht, er könnte geradezu gut sein. Wenn auch in einer ganz anderen Liga als Kubricks maßgebendes, momentan gerade wieder in die Kinos gekommenes Altwerk, aus Red Planet hätte durchaus was werden können. Die Erde am Ende, die einzige Chance die Flucht auf den Mars, das ist doch schonmal ein guter Ausgangspunkt (wenn auch wissenschaftlich wohl nicht haltbar, was die Möglichkeiten des Terraformings angeht, aber lassen wir das beseite). Dazu die üblichen Probleme, die man so im All hat, ein bisschen Kometen, ein paar Lecke, ein Brand, ein bisschen Gruppenkoller, eine holprige Landung - das ist zwar nur Standard, aber deswegen nicht schlecht. Und auch das Ende, die fremden Lebewesen (das Plakat verrät es ja bereits: "Not Alone"), ist zwar keine Innovation aber ausbaufähig, zumal sich "Mission to Mars" ja bereits selbst deklassiert hatte. Wäre man also nur mit einem minimalen Anspruch an dieses Thema herangegangen, man hätte einen allemal erträglichen Film schaffen können. So ist aber das (wenn auch nur gering vorhandene) verschenkte Potential ein einziger Jammer.

Wenn einem schon selbst nichts gutes einfällt, klaut man halt, dachte sich auch Chuck Pfarrer, und bediente sich munter bei de Palmas Vorgänger, ein bisschen bei StarTrek, bei "Lost in Space" und bei "Total Recall". Nun sind das nicht unbedingt die allerbesten Quellen, besonders nicht dann, wenn man nur die unglaubwürdigsten und lächerlichsten Elemente klaut. Unerträglich ist beispielsweise der Bordcomputer, der auf Anfragen allzu geschwätzige Antworten gibt, munter der Crew in kritischen Situationen mit Ratschlägen beiseite steht und sich bei Flüchen beleidigt zeigt. Himmel, wem fiel nur dieser Schwachsinn ein. Zu dem aus "Lost in Space" geklauten Roboter äussere ich mich lieber gleich gar nicht, er ist eine einzige Katastrophe, die die Toleranz des Zuschauers aufs Äusserste strapaziert.

Ob all dieser Gimmicks vergisst Antony Hoffmann dann nicht nur die Story (um die ist es auch nicht so schade), sondern auch seine gar nicht mal so schlechten Schauspieler. Auch wenn Kilmer, Moss und Sizemore zurecht nicht in die erste Liga Hollywoods gehören, soviel vergeudetes Potential gab es noch selten, und daran sind nicht nur die Mimik-killenden Astronautenhelme schuld. Gerade Terence Stamp sah man schon in besseren Filmen, etwa in Soderberghs "The Limey", in "Red Planet" hat er die lächerlichste aller Rollen. Da die ausserirdischen Wesen aus Gründen der Spannung (?) natürlich erst am Ende entdeckt werden dürfen, andernfalls müsste man sich ja auch ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, wurde mit Stamps Charakter Chantilas eine in banalster Weise philosophiernde Nervensäge eingebaut, um des "Anspruchs" willen, siehe Zitat oben. Damit beweist Antony Hoffmann ein unglaubliches Talent, jeden potentiell guten Ansatz radikal zunichte zu machen - hoffentlich darf dieser Mann nie wieder einen Film drehen.

"Red Planet" jedenfalls lohnt den Besuch kaum, die zwei Pünktchen gibt's aus Gnade für die akzeptablen Effekte und aus Trauer um die vergeudeten Möglichkeiten.

Auf der ganzen Linie enttäuschender SciFi-Trash


Wolfgang Huang