Pitch Black

USA, 106min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:David Twohy
B:David Twohy
D:Radha Mitchell,
Vin Diesel,
Claudia Black,
Cole Hauser
L:IMDb
„You´re not afraid of the dark, are you?”
Inhalt
In nicht allzu ferner Zukunft ist die Fracherpilotin Fry (Radha Mitchell) zu einer Notlandung auf einem unwirtlichen Planeten gezwungen. Der Großteil der Crew stirbt. Wachmann Johns (Cole Hauser) gehört ebenso zu den Überlebenden wie der gefährliche Mörder Riddeck (Vin Diesel). Bald stellt sich jedoch heraus, dass er wohl nicht die einzige Bedrohung ist, mit der die Überlebenden zu kämpfen haben. Lichtscheue, garstige Aliens übernehmen die Herrschaft auf dem Planeten, als es zu einer Sonnenfinsternis kommt.
Kurzkommentar
"Pitch Black" ist zusammengeklaute, inhaltslos zweitklassige Science-Fiction, die erstklassig funktioniert. Gelöst eifert Regisseur David Twohy den Vorbildern "Alien" und "Predator" nach und liefert einen wohldosiert effektreichen wie kurzweiligen Weltraumthriller, der vor allem von der exponierten Coolness Vin Diesels lebt. Zurücklehnen und Spaß haben.
Kritik
Mit der "Matrix" hat sich das Genre der Science-Fiction, grob gesagt, in zwei Hauptströmungen gespalten: Die eine, vielleicht als "Post-Matrix" zu benennen, wird die phantastische Freiheit ihrer Zukunftsstoffe nutzen, um eben die Science-Fiction, die "Wissenschaftsfiktion", mit einem gewissermaßen philosophischen Überbau zu versehen, die andere hingegen wird abgenutzte Urmuster, z.B. das von "Alien" so lange aufwärmen, wie´s noch Geld an der Kasse bringt.
Letztere Schiene wird eindeutig auch von "Pitch Black" gefahren, dessen Macher sich vor Enstehung wohl folgende Frage gestellt haben: "Ok, Science-Fiction-Themen haben wieder Konjunktur, wir aber nur 23 Millionen und absolut keinen Plan, was Innovation heißt - wie holen wir dennoch aus minimalsten Mitteln das Maximalste heraus?" Achja, richtig: gut geklaut ist halb gewonnen, also bedienen wir uns unverhohlen beim Urvater "Alien", vergessen den "Predator" nicht und greifen auf No-Name-Darsteller sowie einen günstigen, weil unbekannten Regisseur zurück. Zudem soll sich der Drehbuchschreiber unter Strafandrohung von schöpferischen Gedanken fernhalten und die Versatzstücke nur möglichst effektvoll zusammenschustern - fertig ist geldversprechende Schockerreplik.

So eine Kopistenmentalität ist reaktionär und anspruchslos, aber siehe da, "Pitch Black" funktioniert tatsächlich (an der Kasse in den USA jedoch nur bedingt) und entpuppt sich als gediegener Weltraumschocker. Von einer nennenswerten Exposition ist erst gar nicht zu sprechen, das obligatorische Raumschiff stürtzt ins Nirgendwo, selbstverständlich auf einen todversprechenden Planet ab. Wie schon vermutet, geht´s dann mit der fröhlichen Parteienbildung unter den Überlebenden los - die dramaturgische Grundlage für das sich anschließende Fütterungsspektakel. Da haben wir Partei A, den unbefleckten Fraß, Partei B, den unkalkulierbaren Mörder, und die auf Partei A und B mächtig grundlos hungrige Partei C, was die Parteien A und B in gemeinsamer Not wiederum zusammenschweißt. Natürlich ist die Paranoia ist nicht weniger berechenbar als die Schocksequenzen und dennoch ist gepflegtes Gruseln garantiert; übrigens mit erstaunlich geringem Blutfaktor.

Die Spannungsatmossphäre ist, wenngleich sich das Geschehen nicht auf das Interieur eines Raumschiffs beschränkt, routiniert entwickelt und von adäquat-schummriger Musik unterlegt. Zudem gelingt es Regisseur David Twohy ("The Arrival") trotz all dem Klau, seinen Dezimierungsspaß mit Anflügen von Eigenart zu füllen. Zwar ist das minimale Budget nicht immer zu vertuschen, aber der optische Entwurf ist tadellos, viellecht "stylish", die ästhetisierend farbentzogenen Wüstenbilder gefallen ungewohnt und die Visualisierung der Aliens macht auch einiges her. Das schematische Drehbuch schreibt den zum Futter bestimmten Darstellern pappkameradenhafte Rollen zu, wenn da nicht Radha Mitchell als Pilotin Fry und Vin Diesel als der mit dem Killerinstinkt wären. Mitchell wäre die bessere Ellen Ripley, hätte man ihr stärkere Szenen zugestanden. Aber auch so: solide bis sehr überzeugend.

Das charismatische Sahnehäubchen ist aber Vin Diesel als prügelbereiter, maschinengleicher Muskelberg. Ungeachtet seines Minimalactings magnetisiert er gerade durch sein endviriles Stimmorgan. Im englischen Original kommt das coole, furchteinflößene Brummen seiner Phrasen regelrecht genussvoll rüber. Und das Böse wird Sympathieträger. Kaum zu glauben, dass der lakonisch im schwarzen Muskelshirt der Alienbrut Paroli Bietende sogar selbst Regisseur ist - sein Kurzfilm "Multi-Facial" brachte es 1995 mit erfolg zum Sundance-Filmfestival. Bis zum Ende, das eine zweite Überraschung parat hat, halten sich Fütterungsszenen mit entspannten Querelen die Waage. Insgesamt lässt sich somit konstatieren: "Pitch Black" hat gar nichts dagegen, bald wieder vergessen zu werden, denn er ist inhaltsleer, ein Konglomerat aus Geklautem und bestimmt kein großer Science-Fiction. Aber die Schwäche ist auch seine Stärke: er ist äußerst solide und macht verdammt viel Spaß.

Billige, aber bestens funktionierende "Alien"-Schablone


Flemming Schock