Ich hab doch nur meine Frau zerlegt
(Picking up the Pieces)

USA, 95min
R:Alfonso Arau
B:Bill Wilson
D:Woody Allen,
Grazia Cicinotta,
Cheech Marin,
David Schwimmer
L:IMDb
„Nur ein Wunder pro Person - und dann raus hier.”
Inhalt
In affektiver Eifersucht zerlegt der jüdische Metzger Tex (Woody Allen) seine Frau Candy (Sharon Stone). Ihre sieben Teile will er irgendwo in New Mexico vergraben, verliert allerdings dabei eine Hand, die in einem mexikanischen Kaff schnell zur wundertätigen Reliquie und der Ort zur Pilgerstätte wird. Tex versucht die Hand wiederzubekommen, dicht gefolgt vom rachelüsternen Sheriff Bobo (Kiefer Sutherland). Das Chaos nimmt seinen Lauf.
Kurzkommentar
Recht psychedelisch, anarchisch und mit bösartigem Humor betreibt "Picking up the Pieces" Ketzerei und sonstige Unartigkeiten. Ein ausdrucksloser Woody Allen ist zwar so unbedingt überflüssig wie dieser atheistisch-planlose Quatsch auch, aber als sinnfreie Reliquienparodie ist er originell, schmerzvoll übertrieben und spaßig zugleich.
Kritik
Die katholische Kirche hat schon wirklich einen schweren Stand. Statt brav dem Ultramontanismus zu frönen, erzählt die Geschichte da eine Reihe ärgerlicher Abtrünnigkeiten. Da war zum einen das bedenklich mächtige Phänomen des Islams, dann kam die Häresie sogar aus den eigenen Reihen, bald das Schisma und später der revoltierende Mob des Protestantismus. Nur gut, dass Reliquien- und Wallfahrtsstätten, das Pilgern zu wundertätigen Knochen, Haaren und sonstigen Dingen, die Schäfchen beisammenhielt. Aber selbst den Glauben daran hat die Aufklärung genommen und geblieben ist nur zersetzende Vernunft, auch in der Filmindustrie.
Die Freiheit der Gegenwart geht hier soweit, dass ein Film sich "Dogma" nennen und alles, was der Kirche heilig ist, ins Lächerliche ziehen darf, ohne dass seine Macher gleich exkommuniziert und als Ketzer verbrannt werden. Zwar wurde laut Blasphemie gerufen und das Gebot der Nächstenliebe fiel schnell unter den Tisch, aber Kevin Smiths Glaubenssatire blieb letztlich doch unbehelligt. Dass nun das friedfertige Zersägen der Ehefrau als sattes Filmmotiv auf Antiklerikalismus hinausläuft und die gerade in der frühen Neuzeit ziemlich aberwitzige Formen erreichende Reliquienindustrie auf die Schippe nimmt, lässt der Titel nun nicht erwarten. Dass irgendwer irgendwen mit dem Beil handlich zerlegt, ist zudem nicht originell, abgefahren aber, wenn dies Woody Allen tut und die Zerlegte die ehemals so gefeierte Sharon Stone ist.

Jetzt taugt sie kurioserweise nur noch als Wurstware und Woody Allen, geschafft dreinblickend, als Metzger ohne Motiv, der sich am liebsten mit seinem Köter austauscht. Das klingt so bescheuert wie es im Prinzip auch ist, nichtsdestotrotz haben sich wegen Allen, der diesmal wirklich nur schauspielt, namhafte Darsteller bereit gefunden, in der psychedelischen Nummer mitzuwirken. Der unbekannte Regisseur Alfonso Arau konnte ohne Zügel losdrehen, irgendein Image hat er eh nicht einzubüßen. Und so nimmt der Schwachsinn seinen Lauf, wieso Metger Tex seine Candy zerlegt, bleibt unklar, ist aber auch egal, weil die abgesägte Hand halt irgendwo herkommen muss. Wie diese in einem heruntergekommen mexikanischen Dorf am Ende der Welt für Furore sorgt und ein Wallfahrtszentrum entstehen lässt, wo Tex doch nur seine Frau zersägt hat, ist beispiellos debil und schlecht, dass sich die Frage aufwirft, ob alle von der Antipapismusliga vorher hypnotisiert wurden.

Aber der respektlos bizarre Schrott ist funktionstüchtig, weil er als überzeichnete Parodie mit dem Reliquienkult am Fließband wohl eine der fragwürdigten Kapitel der Kirchengeschichte kommentiert und sich selbst für keinen Moment weder als ernst noch als Film mit Sinn betrachtet. Allerlei Obsures und schräge Gestalten präsentiert dieses ketzerische Psychotheater, das alsbald noch flacher als flach wird, weil der Klamauk überreizt und das planlose Geschehen, das raffgierige Wünschen schnell langweilig wird. Ohne Frage, "Picking up the pieces" ist ein Film ohne Moral, er belohnt die Schlechtigkeit des Menschen, ist so ziemlich durchgeknallt, ehrlich degeneriert und bald verdrängt. Aber es macht Spaß, Woody Allen in einer überflüssigen Rolle in einem konfusen Film zu sehen, der als pointenhafter Blödsinn gleichermaßen martert und Laune macht, weil er rundherum aus dem Rahmen fällt.

Schwer durchgedrehte, bald ermüdende Wunderglaubenparodie


Flemming Schock