Pi

USA, 84min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Darren Aronofsky
B:Darren Aronofsky, Sean Gullette
D:Sean Gullette,
Mark Margolis,
Ben Shenkman,
Pamela Hart
L:IMDb
„It's survival of the fittest, Max, and we got the fucking gun.”
Inhalt
Max Cohen (Sean Gullette) ist eine Mathematik-Genie. Er sieht die Welt als riesige Zahlenkette und ist fest davon überzeugt, dass es überall in der Natur Muster gibt, so auch in der Zahl Pi. Als er kurz davor steht, einen Code zur Vorhersage der Aktienkurse zu finden, werden sowohl skrupellose Wallstreet-Haie als auch eine radikale jüdische Sekte auf ihn aufmerksam. Seine geistige Verfassung leidet unter dem Stress und starke Migräne macht ihm zu schaffen.
Kurzkommentar
Wer Popcorn-Kino bevorzugt, sollte lieber einen weiten Bogen um den Film machen. Wenn man sich aber auf die niedrige technische Qualität einstellt und nichts gegen Filme mit düsterer Atmosphäre hat, wird man Pi lieben. Die Leistung von Sean Gullette ist einfach umwerfend, die Musik, die fast den kompletten Film begleitet, kreiert eine Art von urbaner Endzeitstimmung. Die wissenschaftlichen Aspekte des Films sind zum großen Teil recht anschaulich und gut nachvollziehbar. Prädikat: inhaltlich und künstlerisch wertvoll.
Kritik
Man muß es gleich vorweg sagen: Vielen Leuten wird Pi nicht im geringsten gefallen. Die technische Qualität der Bilder ist äußerst gering. Der Film ist durchweg in grobkörnigem Schwarz-weiß und die Kamera wackelt mehr als einmal. Ein weiterer Aspekt, der vielen Leuten Probleme bereitet, ist die Tatsache, dass der Film sehr düster ist, sowohl von der Thematik als auch vom visuellen her. Das ist aber auch schon alles, was mir an Negativem zu Pi einfällt.

Was an Pi besonders auffällt, ist die fast durchgehende Untermalung durch einen treibenden Drum 'n' Bass Soundtrack. Neben speziell für den Film erstellten Stücken kann man Lieder von klangvollen Namen wie Aphex Twin, Massive Attack oder Orbital hören. Die Musik treibt den Film immer weiter voran, die schnellen elektronischen Klänge sind quasi das Spiegelbild von dem was in Max Kopf vorgeht. Nur in einigen wenigen Szenen stoppt die Musik für einige Sekunden. Die dann entstehende Stille hat eine sehr intensive Wirkung.

Hervorragend ist die Darstellerleistung von Sean Gullette. Er bringt das Genie Max wirklich überzeugend rüber. Max sieht die Natur nur noch als Geflecht von Zahlen, das es zu entschlüsseln gilt. Er wird langsam darüber wahnsinnig, dass er nicht in der Lage ist dieses Muster zu sehen. Regisseur Darren Aronofsky schafft es dabei hervorragend, dem Zuseher die wissenschaftliche Materie anschaulich näherzubringen. Durch die Beispiele fängt man selbst an nachzudenken. Gibt es wirklich Muster in der Natur die immer wieder auftreten? Läßt sich alles mit einer Weltformel berechnen?

Der Film verharrt aber nicht auf bloßem wissenschaftlichen Experimentieren. Besonders gegen Ende erhält der Film, der mit einem Minibudget von 60.000 $ gedreht wurde, eine unglaubliche Geschwindigkeit. Max gerät in die Fänge von jüdischen Fanatikern und gierigen Wallstreet-Spekulanten. Seine körperliche Verfassung leidet, was sich in für den Zuschauer sehr verstörenden Migräneanfall-Szenen ausdrückt. Wer mehr über die Hintergründe des Films erfahren möchte, dem sei die offizielle Seite des Films ans Herzen gelegt, die vom Hauptdarsteller Sean Gullette erstellt wurde, dessen Hauptberuf Webdesigner ist.

Packender Wahnsinnstrip in verstörender Bilderwelt


David Hiltscher