Passwort: Swordfish
(Swordfish)

USA, 99min
R:Dominic Sena
B:Skip Woods
D:John Travolta,
Hugh Jackman,
Halle Berry,
Don Cheadle
L:IMDb
„You know what the problem with Hollywood is? They make shit.”
Inhalt
Gabriel Shear (John Travolta) will seine sehr eigenwillige Version von Patriotismus finanzieren und muss zu diesem Zweck unbedingt in die Swordfish-Welt eindringen. Denn wenn er das schafft, stehen ihm Milliarden an illegalen Regierungsgeldern zur Verfügung. Doch um an diese Quelle heranzukommen, braucht Gabriel einen Superhacker, der auch die kompliziertesten Sicherheitssysteme der Welt wie eine Nussschale knackt. Auftritt Stanley Jobson (Hugh Jackman): Als einem der weltbesten Hacker ist es ihm untersagt, sich Computerläden auch nur zu nähern. Gabriel und seine schöne Partnerin Ginger (Halle Berry) ködern Stanley mit dem Versprechen, seinen einzigen Wunsch zu erfüllen: ihm zu ermöglichen, dass er mit Holly ein neues Leben beginnen kann. Doch sobald Stanley in Gabriels geheimes Reich eintaucht, muss er erkennen, dass nichts ist, wie es scheint – er ist nur noch eine Schachfigur in dem undurchschaubaren Komplott, hinter dem weit mehr steckt als nur ein High-Tech-Bankraub.
Kurzkommentar
"Passwort: Swordfish" sieht ohne Frage gut aus und hat einige nette Einfälle zu bieten. Der Plot ist zudem nicht reizlos und die Besetzung sicherlich treffend gewählt, aber Regisseur Dominic Sena beweist nach "Nur noch 60 Sekunden" mal wieder, daß er außer schicker Optik nichts auf die Reihe bekommt. So zerfällt die Story nach zwei Dritteln in ein -scheinbar geplantes, dramaturgisch aber stümperhaft umgesetztes- Wirrwarr und die Action kommt über ein "solide" nicht sonderlich hinaus.
Kritik
Die meisten kennen sie ja, die Actionfilme der 90er, explosiv, schnell, packend und - oftmals an der Grenze der Glaubwürdigkeit. Gerade Jerry Bruckheimer prägte das Image dieser Streifen: "The Rock", "Con Air", "Armageddon" gingen alle auf das Konto des Produzenten, dessen Vorliebe für Action zuletzt in "Pearl Harbor" für gemischte Gefühle sorgte. Dann gab es noch John Woo, der mit "Broken Arrow", "Face/Off" und zuletzt "Mission: Impossible 2" dem Genre nach dem Action-Überflieger "Matrix" keine neuen Akzente abgewinnen konnte. Dominic Sena, bislang trotz einiger Großproduktionen eher unbekannt geblieben, versucht nun zusammen mit Matrix-Produzent Joel Silver wieder gute Actionware abzuliefern - nachdem sein letztes Projekt "Nur noch 60 Sekunden" (ebenfalls Bruckheimer-produziert) Actionmäßig sehr mau ausfiel.

Tja, auch "Passwort: Swordfish" hätte etwas mehr Gewummere gut getan, denn nach der ziemlich geilen Eröffnungssequenz (an der man nach "Romeo must die" sofort erkennen kann, daß erwähnter Joel Silver seine Produzentenfinger im Spiel hatte) kommt die Action im Laufe des Streifens wohl einen Tick zu kurz. Aber beginnen wir von vorne: es war klar, daß in der Post-"Matrix"-Ära der nächste Hackerfilm kommen würde und der Ansatz, den uns Drehbuchautor Skip Woods bietet, reicht für einen Actionfilm der typischen Sorte sicherlich aus. Woods setzt nach den ersten fünf Minuten auf eine einfache Rückblende und fortan zeigt uns der Film, was vier Tage zuvor zum aktuellen Ereignis und der fetzigen, ersten Szene führte. Das weckt durchaus das Interesse am Plot und Woods gibt sich auch Mühe, uns eine halbwegs vielschichtige, clevere Story zu präsentieren - soweit das eben die Grenzen eines Actionfilms zulassen.

Letzten Endes geht das leider in die Hose. Ob nun der Regisseur oder der Drehbuchautor daran Schuld ist, sei dahingestellt. Fakt ist, daß sich nach den nicht mehr als soliden, ersten zwei Dritteln des Films der Kreis der Rückblende schließt, der Plot zerfasert und die Zufriedenheit des Zuschauers zunehmend sinkt. Sena will uns nach einigen netten Actioneinlagen tatsächlich noch ein cleveres, weil teils offenes, vor allem aber undurchsichtiges Ende präsentieren, die Rede, die Travoltas Charakter am Anfang frei nach Tarantino hält, aufgreifen und sich ziemlich plump nun ja nicht dem gängigen Hollywood-Muster anpassen. Statt erfrischend zu wirken, kommt "Passwort: Swordfish" so eher holprig daher und versalzt sicher selber die annehmbare Actionsuppe.

Es liest sich vielleicht unfair, wenn der Kritiker sich gelegentlich beschwert, bei Actionstreifen seinen Verstand abschalten zu müssen und nun, wo sich ein Film anschickt, etwas mehr zu bieten, abermals nicht zufrieden ist. Das Dilemma hat sich "Passwort: Swordfish" aber selbt zuzuschreiben, denn der gute Ansatz, die leckere Optik und die guten Actioneinlagen werden nicht nur aufgrund der letzten, halben Stunde, sondern vor allem auch dank diverser eindimensionaler, über-stylischer Elemente zermatscht. Ich meine, wir haben hier doch einen Film, indem es ums "Hacken" geht, also ums Einbrechen in fremde Computernetze. Daß dabei jegliche Glaubwürdigkeit bzgl. realistischer Computerumgebungen geschweige denn echter Datenbanken und Firewalls auf dem Teppich bleiben würde, war angesichts Senas bisheriger Filme zu erwarten. Es ist vielleicht auch besser fachunkundigen Kinogängern kein komplexes Unix-System vor die Nase zu setzen, sondern stylische, intuitiv einschätzbare Bedienoberflächen zu verwenden, aber so knallig bunt und übersimpel wie hier? Das war vielleicht vor zehn Jahren angebracht, als das Internet nur für die Wissenschaft interessant war, aber heute, in einer Zeit, in der wohl mehr als drei Viertel der Amerikaner schon mal im Internet gesurft haben, wäre eine etwas realistischere Umgebung vielleicht sogar spannender für die meisten Zuschauer gewesen. Das überdimensioniert-blinde Geschreibsel von Hugh Jackman auf seiner Hackertastatur trägt da ebenfalls nicht zur Glaubwürdigkeit bei.

Aber selbstverständlich kommt "Passwort: Swordfish" nicht nur mit der leicht überdurchschnittlichen Wertung weg, weil er es in Sachen EDV mächtig übertreibt. So knackt Stanley einen Code, den "die besten Hacker der Welt" normalerweise in minimal 60 Minuten schaffen, nicht nur in 60 Sekunden, nein, er wird dabei von einem hübschen Luder auch noch oral massiert, um es mal so auszudrücken. Ist es im Kino tatsächlich schon soweit gekommen, daß nur noch so derb-überzogene Situationen wie diese ausreichen, um beim Zuschauer Spannung aufkommen zu lassen? Oder kann es sein, daß man es sich hier nur ziemlich einfach gemacht hat?
Wie auch immer: wäre nicht das im wahrsten Sinne des Wortes zerhackte Schlußdrittel und sähe John Travolta nicht so scheiße aus, hätte "Passwort: Swordfish" gar nicht mal schlecht dagestanden. So kann man sich das Geld sparen und auf den Video-Release warten.

Oftmals überstylischer und wirrer, ansonsten ordentlicher Actionfilm


Thomas Schlömer