Panic Room

USA, 105min
R:David Fincher
B:David Koepp
D:Jodie Foster,
Kristen Stewart,
Jared Leto,
Dwight Yoakam,
Forest Whitaker
L:IMDb
„Hey, what are you? Joe Pesci?”
Inhalt
Die frisch geschiedene Meg Altman (Jodie Foster) zieht mit ihrer Tochter Sarah in ein nobles Haus. Dessen große Besonderheit ist ein Schutzraum, der sogenannte Panic Room. Und die Altmans finden sich schnell in der kleinen Kammer mit der dicken Stahltüre wieder, als die drei Einbrecher Burnham (Forest Whitaker), Raoul (Dwight Yoakam) und Junior (Jared Leto) bei ihnen einsteigen. Dummerweise ist das, was die Einbrecher wollen, im Panic Room.
Kurzkommentar
Nach David Finchers vor allem inhaltlich aufreibenden Thrillern "The Game", "Sieben" und "Fight Club" muss "Panic Room" als klare Enttäuschung gelten, denn Finchers neuester Streifen ist nicht mehr als eine reine Stilübung. Diese ist durchaus gelungen und sporadisch packend ist der Film allemal, aber ein reiner "Kevin allein zu Haus"-Plot und lahme Pappcharaktere liegen doch schwer auf dem Magen.
Kritik
Dass ausgerechnet David Fincher der steigenden Angewohnheit Hollywoods, die Form dem Inhalt vorzuziehen, erliegt, stimmt einen schon trübe. Da schuf der Regisseur intelligente Streifen wie "The Game", "Sieben" und "Fight Club" (natürlich ohne auf handwerkliche Perfektion zu verzichten) und jetzt dreht er "Kevin allein zu Haus" für Erwachsene. Aber das auch nur aus Sicht der Altersfreigabe.

Finchers Talent, "schwierige" Stoffe umzusetzen, ist bei "Panic Room" also gar nicht gefragt und so beschränkt er sich hier lediglich auf ein paar (letztendlich belanglose) Thrills. Immerhin versucht er dem Zuschauer aber auch nicht mehr Tiefe vorzugaukeln, was man sehr schön zu Beginn des Films beobachten kann: es gibt keine Vorgeschichte, keine Szenen, die die Charaktere mit ihren Eigenschaften zu etablieren versuchen; es geht direkt zur Sache: Hausbesichtigung, Einzug, Pizza essen, Einbrecher, Panic Room. Und das alles innerhalb von 24 Stunden. So sitzen Jodie Foster und Kristen Stewart bereits nach zehn bis fünfzehn Filmminuten gefangen und dürfen sich nun anderthalb Stunden mit Forest Whitaker, Jared Leto und Dwight Yoakam rumärgern - viel mehr Darsteller kommen eh nicht zum Einsatz. Der Plot klingt ja sowieso reichlich dünn, aber schon nach zehn Minuten den Punkt zu erreichen, der die Plotzusammenfassung vervollständigt, ist reichlich mutig.

Finchers "Mut" wird indes nicht ganz belohnt, denn die folgenden 80% des Films bieten in der Tat kaum Abwechslung und lassen, trotz oder wegen des ewig gleichen Settings, keine wirkliche runde Spannungskurve zu. Stattdessen ist der Film eher häppchenweise adrenalintreibend, wobei vor allem das erste Verlassen des Panic Room hervorsticht: Fincher ersetzt hier die Stimmen der Figuren durch ein tiefes Brummen des Basses, während Meg verzweifelt ihr verstecktes Handy sucht. Das ist ziemlich klasse, aber dass Fincher düster-fiese Filme drehen kann, ist bekannt.
Nur das Licht auszumachen reicht aber wiederum nicht für einen kompletten Film. Stattdessen erprobt sich Fincher heftigst in der Anwendung diverser, computergenerierter Kamerafahrten, die hier und da sicher nett anzuschauen, größtenteils aber reiner Selbstzweck sind und in der Häufigkeit fast schon nerven. Der Höhepunkt ist wohl eine mehrere Minuten und (augenscheinlich) schnittlose Kutschiererei durch das komplette Haus; die Einbrecher mit ihren Versuchen, ins Haus zu kommen, immer im Fokus.

Die technische Regie Finchers passt indes gut zum technischen MacGyver-Style des Films: immerhin beschränkt sich der Unterhaltungswert des Films nur darauf, wie Familie Altman es schafft, den Einbrechern fern zu bleiben. Da weglaufen aber nicht möglich ist, entwickelt sich ein Kampf der Gimmicks: Vorschlaghammer, Bohrer, Telefonbasteleien, Gasflaschen, alles erdenkliche kommt zum Einsatz. Größtenteils bleibt die Szenerie glaubwürdig, auch wenn explodierendes Gas natürlich in wunderschönem Blauton erscheinen muss. Der Punkt bleibt aber, dass der Inhalt des Films leider so hohl ist, dass es schmerzt - vor allem im Gedanken an Finchers Potenzial.
Wenigstens trägt er die Ähnlichkeit zu "Kevin allein zu Haus" mit einer Prise Ironie - Joe Pescis Rolle wird (siehe Zitat) sogar direkt referenziert.

Unverzeihlich bleibt aber wohl die starke Schablonenhaftigkeit der Figuren: Jodie Foster macht wie immer eine gute Figur, aber gefordert war ihr Können bei dem schwach ausgearbeiteten Charakter wohl kaum. In typischer Manier ist sie den Eindringlingen immer einen Schritt voraus und auch technisch halbwegs versiert, was sie als zu sicher und unverletzlich charakterisiert. Mit Missgunst beobachtet man auch die Entwicklung innerhalb der drei Einbrecher: Forest Whitakers Charakter Burnham wird ungenügend angerissen, indem seine Familie, die finanziellen Nöte und seine Vergangenheit als Miterbauer des Panic Room nur nebensächlich erwähnt werden und seine Motivation (trotzdem Anführer Junior aufgeben will) unklar bleibt. Jared Leto gibt als Junior die üblich souveräne Vorstellung und die Entscheidung, Raoul in der ersten Hälfte des Films nur maskiert umherlaufen zu lassen, war ziemlich klug, da es seine (wenn auch grundlose) Boshaftigkeit unterstreicht. Trotzdem sind sie Klischeefiguren, die nur noch von der lächerlichen Rolle Stephens (Megs Ex-Mann) unterboten werden.

Der Arbeitskopie, die in unserer Vorführung gezeigt wurde, fehlte angeblich noch der letzte Feinschliff in Sachen Farbkorrektur und Ton; außerdem fehlten die End-Credits. Ob die letzten Unebenheiten des Endes dadurch jedoch noch behoben werden, darf bezweifelt werden. Seltsamerweise intensiviert Komponist Howard Shore zum Ende hin noch einmal die Musik, als Burnham umzingelt wird und Fincher schneidet zu Megs angsterfülltem Gesicht. Beinahe erwartet man noch eine kleine Plotwende, aber dann endet die Szene doch und fragt sich, was das sollte. Wenn Meg hier Burnham bemitleiden soll, so fehlt es doch gewaltig an emotionaler Tiefe. Und die überflüssige Schlusssequenz auf der New Yorker Parkbank hätte Fincher sich gleich ganz sparen können.

Für Freunde des harmlosen Thrills ohne große Hirnanstrenungen bleibt "Panic Room" auf jeden Fall empfehlenswert - sei es auch nur aufgrund der hübschen Optik. Von Fincher konnte man jedoch wesentlich Tiefsinnigeres erwarten, aber das könnte mit einem seiner nächsten Projekte, der CGI-Umsetzung des Science-Fiction Klassikers "Rendezvous with Rama", auch schon Realität werden.

Brutal und substanzlos, aber recht spannend.


Thomas Schlömer