Pakt der Wölfe, Der
(Pacte de Loups, Le)

Frankreich, 142min
R:Christophe Gans
B:Christophe Gans
D:Samuel Le Bihan,
Vincent Cassel,
Monica Bellucci,
Mark Dacascos
L:IMDb
„Unsere Leute haben keine Angst vor einem gewöhnlichen Wolf. Aber die Bestie ist anders. Sie hält sich fern von Männern, aber verschont weder Frauen noch Kinder”
Inhalt
Man schreibt das Jahr 1766: Die Bauern aus Gévaudan sind in Aufruhr. Der Nebel legt sich oft wie ein Leichentuch über die bergige Landschaft, und spät in der Nacht durchdringen schauerliche Schreie die Luft. Zahlreiche Frauen und Kinder fallen einer mysteriösen Bestie zum Opfer. Hetzjagden, um das Untier zu erlegen, bleiben ohne Erfolg. Das unheimliche Wesen ist nicht zu fassen. Die Furcht wächst im ganzen Land und bald redet man nur noch über die "Bestie von Gévaudan", so dass die Ereignisse bis zum Hof von Ludwig XV vordringen. Der König entschließt sich, den jungen, hochbegabten Naturwissenschaftler Grégoire de Fronsac (Samuel Le Bihan) nach Gévaudan zu schicken, um die Situation zu untersuchen. Fronsac ist ein Mann der Aufklärung, und noch dazu ein ausgezeichneter Wissenschaftler. Immer an seiner Seite: sein Blutsbruder Mani (Mark Dacascos), ein Indianer vom Stamm der Irokesen, der die außergewöhnlichsten Kampftechniken beherrscht. Als die beiden Reiter die Region erreichen, erleben sie die Menschen entsetzt – wieder ist eine junge Frau bestialisch ermordet worden. Fronsac ist fest entschlossen, das Geheimnis zu lüften.
Kurzkommentar
Eine größtenteils gelungene und erfrischend andere Genre-Mixtur haben wir mit "Pakt der Wölfe" vorliegen. Trotz mancher Ungereimtheit und der fast unmöglichen Verschmelzung diverser Stilmittel ist Regisseur Christophe Gans mit seinem ambitionierten und ungemein stylischen "Sleepy Hollow"-Verschnitt ein oftmals unterhaltsamer, teils packender, technisch auf jeden Fall beeindruckender Actionstreifen gelungen.
Kritik
Man sollte meinen, dass ein recht bunter Genre-Mix wie "Pakt der Wölfe" bei seiner Entstehung mit starken Finanzierungsproblemen zu kämpfen hatte, aber wie Regisseur Christophe Gans in einem Interview verlautbarte, sei das Auftreiben der umgerechnet 30 Mio.$ problemlos vonstatten gegangen. Das französische Kino sei für diese Art Historien-Action-Martial-Arts-Horror-Drama einfach reif gewesen und so hegten die wenigsten Zweifel daran, ob der Film etwas werden könne. Diese Unkompliziertheit und das dahinterstehende visionäre Vertrauen ist wohl derzeit der größte Unterschied zwischen dem französischen und dem deutschen Kino dieser Größenordnung. Während bei uns 15 Mio. DM für einen Vilsmaier verpulvert werden, machen uns die Franzosen mit "Pakt der Wölfe" vor, wie man hollywood-typische Edel-Optik mit hollywood-untypischem Inhalt verbinden kann - vielleicht kommt da der deutsche Konservativismus durch.

Aber zum eigentlichen Film: trotzdem "Pakt der Wölfe" im Nachhinein genügend Angriffspunkte zur Kritik bietet, kommt man nicht umhin, zugeben zu müssen, dass Gans' Genre-Mix im Großen und Ganzen auf jeden Fall funktioniert, trotz seiner unnötig langen 144 Minuten an der Grenze zur Langeweile vorbeischlittert und durch seine Coolness oftmals eine Menge Freude bereitet. Hervor stechen zunächst die asiatisch geprägten Kampfszenen, die gerade zu Beginn wegen des Verzichts auf die so oft missbrauchten Seilstunts viel lässiger wirken als die US-Konkurrenz. Allein der erste Auftritt Manis, der wortlos von seinem Pferd absteigt, um mit einem einfachen Stock eine Runde Prügel zu verteilen, kommt so unscheinbar locker daher, dass einem nach noch viel mehr derartiger Szenen durstet. Wie sehr Gans und sein Team dabei was von Stil verstehen, zeigt sich vor allem in der Kleidung: Mani und Grégoire sehen in ihren braunen Mänteln mit Überkragen noch besser aus als Laurence Fishburne in "Matrix".
Hier ist dann auch der größte Unterschied zum ähnlich gearteten und oft erwähnten Hollywood-"Vorbild" "Sleepy Hollow" zu erkennen. Während Tim Burton auf Gothic-Stil und schwarzen Humor setzt, mixen die Franzosen gekonnt glaubwürdigen Historienstil mit popmoderner Optik.

Nur beim Humor komme ich mal wieder nicht hinterher: Mathieu Kassovitz war ja in "Die purpurnen Flüsse" der Meinung, in einem Thriller mache sich eine Videospiel-Prügelei besonders gut, Christophe Gans ist hingegen so gutgelaunt, dass er Monica Belluccis Oberweite dazu nutzt, in eine Berglandschaft überzublenden - irgendwie gewitzt, aber doch Geschmacksfrage. Immerhin hält sich Gans damit zurück, blöde Slapstickcharaktere mit dämlichen Sprüchen einzuführen, wie es Luc Besson in "The Messenger: Joan of Arc" praktizierte.

Mit zwei Dingen haben französische Filmemacher außerdem weniger Probleme als amerikanische: Sex und Gewalt. Unser Held Grégoire de Fronsac geht -trotzdem er sich gerade noch um seine neue Flamme bemüht hat- im stadteigenen Bordell direkt mit Monica Belluccis Charakter Sylvia zur Sache, was aber wiederum nicht heißt, dass man währenddessen nicht noch ein normales Gespräch führen kann. In Sachen Brutalität hat man in den USA zwar auch wenig Hemmungen, kürzt seine Filme aber meist publikumsbedingt herunter. "Pakt der Wölfe" zeigt vielleicht auch nicht viel mehr, spart aber nicht mit splattrigen und sehr eindeutigen Soundeffekten: hier wird gemetzelt, was das Zeug hält - Rache legitimiert jeden Skalp.

Damit wären wir dann auch beim oftmals doch zu B-Movie-artigen Touch des Films angelangt. Nicht, dass B-Movies generell zu verurteilen wären, aber mit A-Optik ist die Kombination eben doch gewöhnungsbedürftig: mit Mani, Indianerspiritualität in den Film zu bringen, ist oftmals nahe an der Grenze zur Albernheit, denn schließlich finden sie die Bestie nur durch seine "animalischen" Fähigkeiten (warum damit eigentlich so lange warten?). Hinzu kommen Vincent Cassels Videospielcharakter, seine übermenschliche Videospielwaffe und die zu künstliche Videospielbestie. Insgesamt ist Christophe Gans' Inszenierung jedoch subtil genug, um völligen Trashmomenten aus dem Weg zu gehen und außerdem ist es wohl beinahe unmöglich bei diesen Plot-Voraussetzungen und dem erklärten Genre vor solchen "Es leben die Monsterfilme der 80er"-Momenten gefeit zu sein.

Letztendlich überwiegen an "Pakt der Wölfe" auf jeden Fall die positiven Aspekte: die charismatischen Darsteller, die schaurige Atmosphäre, die nicht zu aufdringliche Videoclip-Optik und -Schnittechnik und die dazugehörige Coolness. LoDucas musikalische Untermalung sowie die akzeptable Plotauflösung tun ihr Übriges. Angesichts der Tatsache, dass blutig-brutale Horrorstreifen dieser Art selten genug hundertprozentig gelingen, ist "Pakt der Wölfe" den Kinobesuch jedenfalls mehr als wert.

Ambitionierter Genre-Mix zwischen A- und B-Movie


Thomas Schlömer