Heartbreakers

USA, 123min
R:David Mirkin
B:Robert Dunn
D:Sigourney Weaver,
Jennifer Love Hewitt,
Ray Liotta,
Gene Hackman
„Und was ist ihr Beruf? Besitzstandsumverteilung?”
Inhalt
Max (Sigourney Weaver) und Tochter Page (Jennifer Love Hewitt) haben sich auf das Ausnehmen reicher Männer spezialisiert - mit einigem Erfolg. Nachdem sie den Autohändler Dean (Ray Liotta) um 300.000 Dollar erleichtert haben, zieht es sie nach Palm Beach. Dort angekommen finden sie auch schon bald ihr nächstes Opfer, den Tabakmilliardär Tensy (Gene Hackman). Doch Dean will seine Ex-Frau zurückhaben und taucht unverhofft und nichtsahnend auf. Als Page sich dann auch noch in Barkeeper Jack (Jason Lee) verliebt, scheint die Katastrophe perfekt...
Kurzkommentar
Die vergleichsweise ungewöhnliche Konstellation hat es mir angetan, hebt sich "Heartbreakers" dadurch doch von der zahlreichen Konkurrenz ab: Hier geben die Frauen den Ton an, und die Männer werden um den kleinen Finger gewickelt. Schade, dass sich aber auch "Heartbreakers" einigen Stereotypen des Genres nicht entziehen kann.
Kritik
Abteilung: Amerikanische Kritiken und ihr Ursprung in der Gesellschaft. Der Blick auf die Kommentare von jenseits des grossen Teiches zeigen ein bestenfalls gemischtes Bild - genaugenommen kommt "Heartbreakers" eher schlecht weg. Woran das liegt? Darüber kann nur spekuliert werden, denn eigentlich hätte der Film so manches zu bieten, was ihn über das Mittelmaß erheben könnte: Neben gelungener Verbal- und Situationskomik kommt dem Film vorallem die noch nicht in allen Varianten durchgenudelte Ausgangsidee zu Gute. Dass zwei Frauen ihren Lebensunterhalt mit dem Ausnehmen von reichen Männern verdienen, noch dazu Mutter und Tochter, dass gab es in dieser Version in jüngerer Zeit nicht zu sehen. Denn normalerweise sind die Frauen letztlich alle immer romantisch und liebesbedürftig, und die Männer irgendwo zwischen heldenhaft und verständnisvoll. So zumindest funktioniert wohl der Großteil der aktuellen Komödien. Vielleicht ist es gerade diese "Woman Power" die den vornehmlich männlichen Kritikern aus den USA solche Angst machte - denn Max und Page gelingt es noch jedesmal, ihr Ziel zu erreichen. Das stimmt uns Männer, die wir gerne alles unter Kontrolle haben, natürlich nachdenklich. Auch der unverhohlene Hinweis, dass Männer sich in ihrem Handeln nicht immer vom Hirn sondern mitunter auch von weiter unten angesiedelten Organen leiten lassen, ist wenig schmeichelhaft. Bezeichnenderweise waren die amerikanischen Kritiker auch von "Eine Nacht bei McCool's", der eine ähnliche Rollenverteilung aufweist, wenig angetan.

"Heartbreakers" spielt also geschickt mit allerlei Klischees und Vorurteilen - wie Männer Frauen sehen, wie Frauen Männer sehen, und nicht zuletzt, auf welch absurde Weise dies dann in Hollywood umgesetzt wird. Doch bevor man nun dem Glauben verfällt, "Heartbreakers" breche in revolutionärer Weise mit den üblichen Hollywood-Konventionen: So weit fällt der Apfel dann auch wieder nicht vom Stamm - was irgendwie schade ist. Etwa über die Hälfte funktioniert der Film ohne abgenutzte, künstliche Romanzen oder Gefühlsduselei, nur um dann mit Brachialgewalt doch noch auf diese Linie einzuschwenken. Fast bekommt man das Gefühl, die Drehbuchautoren hätten bis zur Mitte eine Menge Spass gehabt und munter vor sich hingeschrieben, bis ihnen schliesslich von oben, wahrscheinlich aus der Marketingabteilung, verordnet wurde, doch noch etwas Liebe und Romantik einzubauen. Ab diesem Moment läuft dann zwar nicht alles, aber doch vieles schief, vor allen Dingen wird der Film zu lang, denn neben der eigentlichen Story muss ja nun auch das romantische Element eingebaut werden. Das gelingt jedoch leider nur recht unvollständig, und mit einer halben oder dreiviertel Stunde weniger wäre "Heartbreakers" schön knackig und erinerungswürdig geblieben.

Das Ensemble jedenfalls hätte es verdient, denn Sigourney Weaver und Jennifer Love Hewitt spielen schön kratzbürstig zusammen, und Gene Hackman als Ultra-Kettenraucher und B-Mime Ray Liotta in einer absoluten B-Rolle sind ebenfalls sehr amüsant. So bleibt "Heartbreakers" jeodch ein klassischer Fall für die alte Weisheit, dass weniger auch mehr sein kann.

Amüsante Komödie mit ungewohnter Rollenverteilung - leider überlang


Wolfgang Huang