Hals über Kopf
(Head over Heels)

USA 2001, 86min
R:Mark S. Waters
B:John J. Strauss, Ed Decter
D:Monica Potter,
Freddie Prinze Jr.,
Shalom Harlow,
Ivana Milicevic
L:IMDb
„Er gibt 'ne Party..." - "...und wir sind nicht eingeladen" ”
Inhalt
Wenn sich eine Kunstrestauratorin (Monica Potter, "Con Air","Patch Adams") in New York mit vier Supermodels ein luxuriöses Apartment teilt, kann das nur zu Turbulenzen der stürmischsten Art führen. Denn was Amanda ganz im Gegensatz zu ihren schillernden Freundinnen fehlt, ist ein Mann. Und als sie sich Hals über Kopf in ihren unwiderstehlichen Nachbarn Jim Winston (Freddie Prinze Jr.) verliebt, scheint das Glück perfekt - würde sie ihn nicht dummerweise für einen Mörder halten.
Kurzkommentar
Wenn sich "Hals über Kopf" nach knapp zwanzig Minuten Laufzeit zum ach-so wendungsreichen "Thriller" wandelt, ist das sicherlich lachhaft, aber man muß dem formelhaften Streifen trotzdem die gewisse Portion Kurzweil zugestehen. Trotz ihrer Schubladen-Charaktere sorgt die amüsante WG Amandas nämlich für den ein oder anderen Lacher.
Kritik
Jaja, hat sich ein Darsteller einmal in einer bestimmten Rolle etabliert, so hat er oft Probleme, sich von diesem Image zu lösen. Jim Carrey durfte jahrelang nur Grimassen schneiden, Stallone und Schwarzenegger nur ihren Bizeps zeigen und Meg Ryan reihenweise ihre Liebe für's Leben suchen (was sich bis heute nicht geändert hat). Freddie Prinze Jr. ist auch so ein Fall: "Eine wie keine", "Den einen oder keinen", "Boys, Girls and a Kiss" - immer spielte er den enttäuschten Liebhaber, den alle begehren und der schließlich die Richtige findet. Dann bewarb er sich für die Rolle des "Spiderman", den Sam Raimi gerade mit Tobey Maguire verfilmt. Der sieht zwar auch nach Milchbubi aus, kann aber wenigstens schauspielern. Raimi hingegen blieb trotz Bettelns von Prinze Jr. konsequent: "Wenn es nach mir ginge, dürfte Freddie den Film noch nicht einmal sehen" kommentierte er seine Ablehnung. Klare Worte.

Spielt also Prinze Jr. die Hauptrolle in einem Streifen so weiß der geneigte Zuschauer, was einen erwartet. Für die angepeilte Zielgruppe mag das geradezu hilfreich sein (Steven Seagel in "Exit Wounds" teilt zur Zeit ein ähnliches Schicksal), für alle anderen (Sneak-)Besucher jedoch eher schmerzhaft. Das größte Problem bei "Hals über Kopf" ist nämlich, daß es nicht bei der durchschaubaren, aber für viele (weiblichen) Zuschauer "schönen Romanze" bleibt, sondern Prinze Jr. sich jetzt glatt noch als edler Ritter in einem Verschwörungskrimi etablieren will - Herr, laß Hirn vom Himmel regnen. Seltsamerweise ist schon nach knapp 15-20 Minuten die sonst so bekannte Love-Story vorbei: die natürlich von allen Männern enttäuschte, aber selbstverständlich unwiderstehlich-niedliche Monica Potter ("Con Air", "Patch Adams") wird einmal von einer großen Dogge besprungen, die von Freddie Gassi geführt wird, bekommt weiche Knie und nach ein, zwei Treffen ist alles schon in Butter. Na wunderbar, was jetzt noch kommen mag?

"Mr. Perfect" wie Freddie Prinze Jr. im Film desöfteren genannt wird, scheint urplötzlich ein kaltblütiger Mörder zu sein, denn Amanda und ihre trotteligen Mitbewohnerinnen beobachten frei nach "Fenster zum Hof" wie Mr. Perfect hinter geschlossenem Vorhang auf eine unschuldige Frau einschlägt. Dumm nur, daß die ganze Aktion derart gestellt aussieht, daß es selbst das dümmste Modell bemerkt hätte, aber das hindert den Film nicht daran, diese Tat als Aufhänger zu nutzen, die restlichen 70 Minuten zu füllen. Von russischer Mafia bis zum FBI wird dabei noch alles eingespannt, was im amerikanischen Durchschnittskrimi Rang und Namen hat, und man kann sich ob des Krimis auf "Knight Rider"-Niveau (nichts gegen "Knight Rider") nur an den Kopf fassen.

Trotzdem bleibt der Film erträglich: da wären nämlich noch die vier klischeehaften, aber nicht minder liebenswürdigen und größtenteils witzigen Mitbewohnerinnen Amandas. Sie, die nach eigenen Angaben letzten nicht-rauchenden Modells New Yorks bringen unerwartet viel frischen Wind in einen sonst fast quälend-formelhaften Film. Dabei zielt der Humor vor allem auf ihr Modell-Dasein ab: das Streben nach dem perfekten Aussehen, die Art und Weise, wie sich alle Männer um sie schlagen oder und einfach nur ihr übernaives Verhalten, das die Bezeichnung Dumpfbacke aufs Äußerste strapaziert. Viele Gags laufen sicherlich ins Leere, aber größtenteils wird das betuliche Streben nach Schönheit und die Selbstsicherheit, die Modells aufgrund ihrer Ausstrahlung haben, weitaus aggressiver kritisiert als z.B. bei "Miss Undercover" mit Sandra Bullock und diesen Verdienst muß man "Hals über Kopf" auf jeden Fall zugestehen.
Trotz des mehr als peinlichem Plot also halbwegs amüsante Kost, die durch die gar nicht mal so schlechten Darsteller (alle Modells sind in Wirklichkeit eben solche) noch akzeptabel bleibt. 14-Jährige Teenies, die eh nur wegen Freddie Prinze Jr. ins Kino gehen, werden ohnehin ihren Spaß haben.


Halbwegs kurzweilige Romanze mit peinlicher Story


Thomas Schlömer