Haunted Hill
(House on Haunted Hill)

USA 1999, 96min
R:William Malone
B:Robb White
D:Geoffrey Rush,
Famke Janssen,
Taye Diggs,
Ali Larter
L:IMDb
„Was kann wohl der steinreiche und leicht schräge Besitzer mehrer Vergnügungsparks mit Schwerpunkt ”
Inhalt
Was kann wohl der steinreiche und leicht schräge Besitzer mehrer Vergnügungsparks mit Schwerpunkt "Terror und Angst" - Steven B. Price (Geoffrey Rush) - seiner attraktiven, von ihm aber nicht sonderlich begeisterten Frau - Evelyn Price (Famke Janssen) - zum Geburtstag schenken ?
Eine Feier im passenden Ambiente scheint angemessen. Price organisiert also in einer einsam an einer Klippe gelegenen, ehemaligen Psychatrie eine Feier mit einigen wenigen geladenen Gäste. Jeder der Gäste soll am Morgen nach der Party 1.000.000 Dollar erhalten - vorausgesetzt er lebt dann noch ! Natürlich hat sich Price dies als Gag ausgedacht und das Haus entsprechend präpariert und mit Tricks aus seinem Vergnügungsparkfundus gespikt. Doch spätestens als völlig andere Gäste als gedacht erscheinen keimt ein erster Verdacht, der sich nach dem Verriegeln des Hauses bestätigen: Irgendetwas ist in dem Haus ... oder ist *es* das Haus ?
Kurzkommentar
"The House on Haunted Hill" ist ein B-Film mit A-Klasse-Grusel, A-Klasse-Effekten und mindestens einem A-Klasse Schauspieler. Insofern hat der Film dem Original einiges voraus, auch wenn er an allgemeiner EInfallslosigkeit leidet.
Kritik
Gleich vorweg: Die aktuelle Neuauflage des Originals ist durchaus nicht schlechter, allerdings hat er nur noch wenig mit dem Film von 1956 zu tun. Jan de Bonts "The Haunting" war da schon deutlich näher am Original, wenngleich dieser Film nicht den für heutige, abgehärtete Kinogänger nötigen Gruselfaktor erreichte. Das Original übrigens auch nicht: Ausser Vincent Price hat der Film nicht viel zu bieten, knarzende Türen und wankende Wendeltreppen sind noch das gruseligste, und die Story war damals zwar (zwangsläufig) innovativer, aber dennoch nicht gerade von übersürhender Genialität.
Auch das Ur-Vorbild, Edgar Allan Poes "The Fall of the House of Usher", welches zum ersten Mal die Idee der verwunschenen Hauses auf den Punkt bringt, hat seine Verdienste auf anderem Gebiet: Es ist Vorreiter auf dem Gebiet der (romantischen) Schauerliteratur, hat eher literaturhistorische Verdienste.
Dergleichen strebt nun die aktuelle Neuverfilmung keineswegs an: Sie will gar nicht besonders innovativ sein, einen Meilenstein zu setzen war weit entfernt jeder Intention des Autors, und Wegbereiter eines neuen Genres ist der Film schon gar nicht. Vielmehr versucht der Film das altbekannte Schema (hier nun kann Agatha Christie mit "10 kleine Negerlein" als literarisches Vorbild gelten) des Gruselschockers umzusetzen: Eine Gruppe Personen gerät in eine Horror-Situation, und wird nach und nach dezimiert.
Vor diesem Hintergund gesehen genügt der Film seinem Anspruch durchaus. Viele Gruseleffekte sind zwar vorhersehbar, aber irgendwie sind sie das letztlich bei allen Gruselfilmen - wer in eine Geisterbahn einsteigt, weiss ja auch genau, das hinter der nächsten Ecke ein Monster lauert, und erschrickt sich trotzdem. Der Vorwurf, die Schock-Stellen wären vorhersehbar, ist zwar zum Teil wahr, aber insofern nicht gerechtfertigt, als dieses Problem per se unumgänglich ist.
Auffallend ist der ziemlich hohe Gore-Faktor, für einen 'normalen' Hollywood-Film geht es reichlich derbe zu Werke, nicht nur Blut und Körperteile in handlichen Portionen sind Standarddekoration, nein, die entsprechenden Szenen sind auch über die Maßen brutal ausgefallen, der Film nimmt keine Rücksicht. Und: Während beispielsweise bei "Sleepy Hollow" das Grauen durch den ironischen Unterton deutlich aufgelockert wird, setzt "The House on Haunting Hill" noch einen in entgegengesetzter Richtung drauf: Das Szenario des irren Doktors, der an Geistesgestörten unmenschliche Experimente durchführt, ist durch seine reale Existenz beispielsweise in der deutschen Vergangenheit weit unangenehmer als ein konventiuonelles High-School-Schlitzer-Szenario. Insofern ist der Film nur was für wirklich starke Nerven, die die Verschmelzung des möglichen realen Grauens mit dem fiktiven auch ertragen. Auch die teilweise rauschhaft-albtraumhaft aneinander geschnittenen Bilder (besonders in Szenen mit der Reizüberflutungsmaschine) tragen dazu bei, das der Film ein tiefsitzendes Unbehagen auslöst.
Ein kleiner Leckerbissen für Kenner ist der Film hinsichtlich seiner Besetzung: Geoffrey Rush spielt wunderbar maliziös, seine Ausstrahlung ist ähnlich stark wie in seiner Meisterrolle des David Helfgott in "Shine", wobei natürlich angemerkt werden muss, dass die Rolle des Steven Price weitaus weniger Tiefgang besitzt und zudem richtig fies ist -insofern kaum vergleichbar. Aber dennoch, Geoffrey Rush hilft diesem Film aus der Ecke des Video-Releases heraus. Hinzu kommt ein eher kurzer Auftritt von Jeffrey Combs - StarTrek-Fans als Weyoun und Brunt aus DS9 bekannt. Weniger bekannt, zumindest bei uns: Chris Kattan, Comedy-Star aus "Saturday Night Live", der nach seiner Dumpfbacken-Rolle in "A Night at the Roxbury" hier eine erstaunlich gekonnte Leistung abgibt. Und zu guter Letzt gibt sich Peter Graves die Ehre - als Peter Graves.

B-Film, A-Film, schlechter Film, guter Film? "The House on Haunted Hill" wirkt zwar ein wenig trashig, aber er hat auch seine guten Seiten: Gegenüber dem Original besitzt er deutlich mehr Pep, nervenstarken Kino-Gängern bietet er souveränes, (leicht) überdurchschnittliches Gruseln, vorallem aber verfügt er über einige wirklich gemeine Szenen (Achterbahn), und einen wunderbaren (wenn auch nicht voll ausgelasteten ) Geoffrey Rush. An Minuspunkten ist der Großteil der restlichen Darstellerriege zu nennen, die über Kanonenfutter-Nivau nicht hinauskommt, das ziemlich derbe Drehbuch, und die ausgelutschte Grundkonstruktion.

Ziemlich gruselig, aber auch ziemlich brutal


Wolfgang Huang