Einfach unwiderstehlich
(Simply Irresistible)

USA, 100min
R:Mark Tarlov
D:Sarah Michelle Gellar,
Sean Patrick Flanery,
Patricia Clarkson
„Au revoir, dickhead!”
Inhalt
Die attraktive Amanda Shelton (Sarah Michelle Gellar) führt zusammen mit ihrer Tante ein von ihrer Mutter übernommenes Traditionsrestaurant. Doch die Geschäfte des kleinen 'Southern Cross' laufen schlecht und als noch die Ladenmiete erhöht werden soll, kündigt sich die Pleite an. Als Amanda auf den jung-dynamischen Tom Bartlett (Sean Patrick Flanery), Betreiber einer großformatigen Warenhauskette, trifft, verliebt sie sich in ihn. Zudem erwirbt sie auf dem Markt einen Krebs, der eigentlich im Suppentopf landen soll, aber durch magisches Einwirken dafür sorgt, dass Amandas schlechte Kochkünste sich ins Gegenteil wenden und alle Menschen zu verzaubern beginnen. Das, was sie für Tom empfindet, scheint in den Geschmack der von ihr zubereiteten Speisen überzugehen. Und langsam beginnen ihre kulinarischen Künste auch Tom in ihren Bann zu schlagen.
Kurzkommentar
Auch wenn 'Einfach unwiderstehlich' schon fast vor einem Jahr in amerikanischen Kinos lief und damit einer der ersten Vertreter der 'romantischen Komödie'-Welle war, ist er auch der dümmste. Die ohnehin schon witzlose Kokettiererei wird von dämlichem Märchen-Hokuspokus ins grenzenlos Peinliche gezerrt. Unbegreiflich, was die beiden sympathischen Hauptdarsteller zum Mitwirken in dieser trivialen Flachheit bewog.
Kritik
Das einspielträchtige Subgenre der 'romantischen Komödie' macht wie keine andere Gattung deutlich, dass der Film am Liebsten die Erzählstruktur der alten Märchentradition aufgreift, um dem Zuschauer mit dem bei Laune zu halten, wovon er in der Realität nur träumen darf: vom Idealkonzept der Liebe in Aschenbrödelmanier. Der momentane Trend reduziert diese immer wieder auf ein nur minimal variierendes (zuschauermagnetisches) Grundmuster, nämlich darauf, dass sich 1. entweder ein Mann in eine unerreichbare Frau oder 2. eine Frau in einen scheinbar unnahbaren Mann verliebt.

'Einfach unwiderstehlich' gehört nun in letztere Sparte, wobei er durch die Zutat einer magischen Küche nicht nur eine unwahrscheinliche, sondern gleich märchenhafte Geschichte verfolgt. Doch was bei den Gebrüdern Grimm noch immer pädagogischen Unterhaltungswert hatte, ist hier eine riesige Nichtigkeit. Hätte nicht die durch das Fernsehen auch in Deutschland äußerst populäre Sarah Michelle Gellar den weiblichen Hauptpart übernommen, würde diese videotheksreife Unnötigkeit erst gar nicht den Weg ins Kino finden.

Denn lächerlich und infantil ist´s, wenn die Story der Liebelei so ärmlich ist, dass dem hilflosen Drehbuschschreiber nicht anderes mehr einfällt, als einen mit seinen Scheeren dirigierenden Krebs aufs Küchenregal zu setzen. Dieser scheint durch sein Beobachten regelrecht anthropomorphisiert und haut der miesen Köchin durch metaphyische Eingabe kein Salz, sondern unbeschreibliche Virtuosität in die Suppe. Da schmeckt die ordinäre Tomatencreme durch eine Träne als Zutat gleich wie der befreiendste Heulkrampf und alle kosten, was Amanda in der himmelschreiend dämlichen Liebesgeschichte durchmacht - der Geschmack des Essens wir zur pathetischen Gefühlsorgie. Vergisst man diesen magischen Humbuck und konzentriert sich auf das Techtelmechtel der Handelnden, wird die Ideenlosigkeit dieses Ausrutschers noch deutlicher.

Der Inszenierung fällt wahrhaftig nichts besseres ein, als sich in formelhaften Dialogen zu ergehen und die Begegnungen der beiden so kitschgeprägt wie möglich ausfallen zu lassen. Von richtigem Verlangen wird zwar gesprochen, es aber ebensowenig zu bemerken wie 'Romatik'. Verloren und durch die Dummheit der Geschichte zurechtmodelliert wirken die beiden charmanten Hauptdarsteller, die den Streifen gerade ins Maß der Erträglichkeit rücken. Sean Patrick Flanery macht seine Sache unbefangen, spielt natürlich und lebendig, während Sarah Michelle Gellar einer besseren Romanze würdig gewesen wäre. Ihre Kinotauglichkeit stellte sie schon mit ihrem biestigen Charakter in 'Eiskalte Engel' unter Beweis, hier jedoch bleibt ihr nur der klägliche Stand einer zerknitterten Küchenprinzessin.

In einer haarsträubend oberpeinlichen Szene (diverse Gase quillen aus Pfirsichen) setzt sie letztendlich alle in ihren nahrungsmagischen Bann, dem auch auch der Prinz nicht lange widerstehen können wird. Bleibt festzuhalten, dass sich Alleinstehende dieses Debakel nicht ohne Androhung von Schlägen antun sollen, für frisch Verliebte wird es gerade noch über der Schmerzgrenze liegen.


Einfach unausstehlich


Flemming Schock