Einen oder keinen, Den
(Down to You)

USA, 91min
R:Kris Isacsson
B:Kris Isacsson
D:Freddie Prinze jr.,
Julia Stiles,
Zak Orth
„Ich hatte mir vorgenommen, im ersten Jahr auf dem College keine Beziehungen einzugehen, aber als ich ihn zum ersten Mal sah, wusste ich, dass es mit den Vorsätzen nichts werden würde.”
Inhalt
In Imogene findet Al, 20jähriger College-Boy, seine erste grosse Liebe. Im Folgenden erzählt der Film die Geschichte der beiden und ihrer Beziehung, mit allen Höhen und Tiefen.
Kurzkommentar
Sicher mehr Stangenware als Meisterwerk, aber dennoch vermittelt der Film gekonnt die fragil-sensiblen Momente einer grossen Liebe - das lässt auch über Drehbuchschwächen, seltsame Nebenepisoden und das abgenutzte Sujet hinwegsehen.
Kritik
Der erste Blick auf die Wertungen der grossen amerikanischen Filmmags hat mich erschüttert - der Film sammelt negative Rekorde. Bei der IMDb erhält er äusserst schlappe 4.3, und die vergleichsweise repräsentative Übersicht von Rotten Tomatoes errechnet gar eine Wertung von 3 von 100 Punkten - ich kann mich an keinen Film erinnern, der je schlechter bewertet worden wäre.
Aber Entwarnung, so schlimm ist der Film nun wirklich nicht. Sicherlich, "Den Einen oder Keinen" bricht weder Innovationsrekorde, noch sind andere Details überragend. Wie ausgelutscht das ganze tatsächlich ist, kann man auch daran sehen, das es vor einiger Zeit in Deutschland bereits einen Film gab, der "Eine wie Keine" hiess, dessen Hauptdarsteller Freddie Prinze jr. war, und in dem es um Liebe und College ging. Und so ganz nebenbei hatte die weibliche Hauptfigur auch noch das gleiche Hobby - die Kunst.
Was uns zu einem weiteren Punkt bringt - Klischees. Auch damit spart der Film - wie jedes anständige Hollywood-Produkt- nicht, wobei ich zugunsten des Films ganz ernsthaft eher von prototypischer Schilderung als von Klischee sprechen würde. Bestimmte Jugend- und Erste-Liebe-Erfahrungen sind eben, so gern man sich die Besonderheit und Einmaligkeit wünscht, allen Beziehungen gleich.

Wenn irgendwo Freddie Prinze jr. draufsteht, dann kann man inzwischen erahnen, was drin ist: eine Teenager-Liebeskömdie. So auch dieses Mal, wobei "Den Einen oder keinen" einige durchaus frische Elemente mit ins Spiel bringt. Aufallend beispielsweise die schrägen Episoden aus Als Freundeskreis - das Spiel mit dem Aufeinandertreffen mit Pornodarsteller und ewig Schüchternem ist durchaus geeignet, den Film aufzulockern, auch die Kochthematik um ambitionierten Vater kann gefallen. Vereinzelt finden sich auch einige mehr oder weniger zündende Gags zum Thema Sex - glücklicherweise lässt das nach der ersten Hälfte des Films stark nach.

Der grösste, am häufigsten beklagte Mangel ist das wendungslose, vorhersehbare Drehbuch. Stimmt (siehe die sehr übersichtliche Inhaltsangabe). Nach 5 Minuten ist die Funktionslogik des Films enttarnt, und das Ende offensichtlich - hier verhelfen dem Film allenfalls die erwähnten Nebenepisoden zu einem Mindestmass an Spannung. Wobei der Film darauf gar nicht wirklich aus ist, vielmehr hat er die Schilderung der Beziehunsgentwicklung im Sinn. Auch hier werden die auftretenden Probleme nicht allzu tiefgreifend analysiert, vielmehr wird diese lässliche Sünde durch das Psychologen-Rollenspiel karikiert. Die grosse Stärke des Films liegt meiner Meinung nach darin, dass ihm die Schilderung der schönen Momente der Liebesbeziehung sehr sympathisch und authentisch gelingt. Im Vergleich zu anderen Filmen nach Hollywood-Machart wirkt dieser Part erstaunlich frisch und ehrlich, nicht gekünstelt, nicht von der ewig gleichen Vorlage abgepaust. Eventuell ist das auch ein Verdienst der Spielweise der Hauptdarsteller. Auch hier gilt: Keinesfalls bahnbrechend, aber im Rahmen des Filmes durchaus besser, als man hätte befürchten können, sowohl Freddie Prinze jr. als auch Julia Stiles spielen ihre Rollen überzeugend.

Letzlich kann ich die massive Kritik der amerikanischen Magazine nicht so ganz nachvollziehen - die Schwächen sind nicht ausgeprägter als in anderen Filmen dieser Klasse, und immerhin sind doch auch einige positive Ansätz erkennbar. Wen die Thematik nicht abschreckt, dem kann dieser Film durchaus gefallen. Besonders frisch Verliebten kann man ihn ans Herz legen, propagiert er doch die Notwendigekeit und den Erfolg von Bemühungen, eine Beziehung über die ersten Krisen hinaus zu retten.

Abgenutzte Thematik, aber atmossphärisch-stimmige Inszenierung


Wolfgang Huang