Mad City

USA, 114min
R:Konstantin Costa-Gravas
D:John Travolta,
Dustin Hoffman,
Alan Alda,
Mia Kirshner
L:IMDb
„Hätten Sie mir nur 5 Minuten zugehört...”
Inhalt
Für Sam Baily (John Travolta), ein ängstlicher, einfacher, kindischer, psychologisch angeknackster Wachmann eines Naturkundemuseums, bricht die Welt zusammen, als er seinen ob der finanziellen Zweckmäßigkeit geliebten Job verliert. In Panik um die Zukunft seiner Familie zieht er mit Pumpgun und Dynamitstangen zu seiner Ex-Chefin ins Museum, um sie mit vermeintlicher Waffengewalt dazu zubringen, ihm doch mal zuzuhören und seine Lage zu verstehen. Der heruntergekommene Fernsehreporter Max Brackett, ins Museum für eine langweilige Reportage abgestellt, befindet sich gerade auf der Toilette, als er Sam's verzweifelte Drohversuche mitbekommt. DIE Riesenstory riechend nimmt er zu seinem Sender Kontakt auf und berichtet Live von einer kommenden Geiselnahme.
Kritik
Kommt die Story von "Mad City" zwar nicht glänzend, aber doch solide daher, so sind es vor allem die gut gezeichneten Charaktere, die diese teils böse Mediensatire sehenswert macht. Dustin Hoffmann, glänzend in der Rolle des recht rücksichts- und anteilnahmslosen Reporters, weist nicht nur eine hervorragend passende Mimik auf, sondern gibt der Rolle auch den gewissen Karriere-ist-alles - Touch. Ebenso überzeugt John Travalto größtenteils als weinerlicher, desorientierter Familienvater, der wunderbar unbeholfen mit der Situation, daß er jetzt ein brutaler Kidnapper zu sein scheint, umgeht. Obwohl er nämlich eine kleine Schulklasse von Kindern nicht aus dem Museum rausläßt, so sorgt er sich dennoch um sie, läßt sie wild im Museum herumtollen und knackt für sie einen Automat mit Süßigkeiten. Das Hauptaugenmerk des Films liegt aber dennoch auf der emotionslosen Vorgehenweise der verschieden TV Sender, sowie auf der korrupten Polizei. In jeder erdenklichen Weise wird dem Fernsehen hier ihre Storygeilheit vorgeworfen ... Meinungsumfragen über den vermeintlichen Kidnapper kursieren, da wird die Meinung völlig unbeteiligter als die Ansicht eines besten Freundes dargestellt, Familienmitglieder belästigt, Interviews auf brutalste Weise so geschnitten, daß ihre Aussagen völlig umgekehrt werden und die gesamte Nation angestachelt, Sam Baily als eiskalten Kriminellen zu sehen. Max Brackett, seines Zeichens Bindeglied zwischen der Wahrheit über Sam und den verruchten Medien außerhalb des Museums, wandelt sich schließlich ob der Lügen auch von seiner Karrierebesessenheit zum verständnisvollen Freund. Konsequenterweise wird zum Ende hin auch immer deutlicher, daß die Medien Sam Baily soweit in den Wahnsinn treiben, daß er sich das Leben nimmt (bzw. nehmen muß) und Max Brackett, völlig niedergeschlagen davon, daß er Sam's Tod nicht verhindern konnte, muß sich nun selber den Massen an Reportern stellen, zu denen er früher auch gehört hat - ebenso tragisch wie richtungsweisend.
So störte es mich kaum, daß der Film insgesammt doch recht vorhersehbar und solide daher kam. Man wird das Gefühl nicht los, all diese medienangreifenden Nuancen schon genug gesehen und begriffen zu haben. Trotzdem wird mit "Mad City" die Macht und Rücksichtslosigkeit der TV Sender äußerst treffend auf den Punkt gebracht.

Scharfe Mediensatire - nicht immer glaubwürdig, aber treffend


Thomas Schlömer