East Is East

England, 97min
R:Damien O'Donnell
B:Ayub Kahn-Din
D:Om Puri,
Linda Bassett,
Jordan Routhledge,
Archie Panjabi
„Deine fette Freundin kommt aber nicht mit!”
Inhalt
England, 1971. George Khan (Om Puri), Pakistani und Besitzer eines typischen Fish-and-Chips Imbiß, muß feststellen, daß seine Kinder nicht seiner strikten, streng muslimischen Lebensweise folgen, als sein ältester Sohn die ihm versprochene Frau nicht heiraten will und sein Elternhaus verläßt. Zudem ist seine Frau Engländerin (Linda Bassett) und jedes einzelne seiner Kinder entwickelt eher eine "westliche", eben englische Lebenseinstellung, was unweigerlich zu einem folgenschweren Konflikt führen muß.
Kurzkommentar
Wer nur einen Funken Offenheit für unbeachtete Nischenfilme übrig hat, kann in Richtung East ruhig einen Blick riskieren. Trotz der schwammigen Intention des Films, kristallisiert sich nämlich zunehmend eine recht gelungene Komödie heraus, die vor allem vom unzerkauten Ambiente lebt. Insgesamt sicherlich nichts besonderes, aber einen späteren Videoleih definitiv wert.
Kritik
Damien O'Donnell (Regisseur) ?, Ayub Kahn-Din (Drehbuchautor) ?, Om Puri und Linda Bassett (Hauptdarsteller) ?
Nie gehört, nie gesehen: selten ist mir ein derart "kleiner", weil von solch unbekannten Akteuren, getragener Film begegnet. Und gerade nach dem albernen Beginn des Films läuft man Gefahr seine unberechtigten Befürchtungen für einen solchen Nischenstreifen, bestätigt zu sehen.

Glücklicherweise kommt es jedoch ganz anders. Das ungewohnte Ambiente einer pakistanischen Familie im England der 70er hat durchaus seinen Reiz: die Familienhierarchie, das bescheidene Leben in einem kleinen Örtchen, das Aufwachsen der Kinder, ein rassistischer Nachbar sowie der Umgang mit Freundschaft und Liebe. Dabei überrascht "East is East" vor allem durch seinen komödiantischen Ansatz: flache Gags um das Eine wechseln sich mit gelungen Anspielungen sowie Bloßstellungen besonders abstoßender oder vollschlanker Personen in lockerer Erzählweise ab. Gerade die ewigen Nörgeleien der Geschwister untereinander regen doch meist zu einigen Lachern an, was aber nicht vom eigentlichen Schwerpunkt des Films ablenken soll. Nach der ersten Hälfte des Films rückt das Problem "Vater" immer mehr in den Mittelpunkt des Geschehens. Geprägt durch seine Kindheit und seine Religion ist es für den Vater George selbstverständlich, daß er über die Zukunft aller anderen Familienmitglieder entscheiden kann. Seine Sturheit wird zunehmend verhängnisvoller und äußerst sich auch im Titel des Films : "East is East", und damit basta. Daß das auf Dauer nicht gut gehen kann, liegt vor allem am "westlichen" Einfluß der englischen Mutter Ella, die auch gleichzeitig das Problem des Storykonstrukts darstellt. Immerhin besteht der Vater felsenfest darauf, daß seine Söhne Pakistani zur Frau nehmen müssen, was aufgrund seiner eigenen Ehe natürlich wenig logisch und haltbar erscheint.

Symbolträchtig dann die Kulmination des familiären Konflikts als die potentiellen Bräute zu Besuch sind : die Kapuze des jüngsten und zurückhaltendsten Sohn wird abgerissen. Der ständige Begleiter des scheuen Jungen, sein Fluchtpunkt, sein Merkmal fällt der Sturheit des Vaters und damit der traditionsverankerten Lebensweise der Pakistani im Allgemeinen zum Opfer. Spätestens hier wandelt sich die Intention des Films eindeutig in Richtung tragisches Drama, denn lockere Komödie.
Ist das schlecht ? Bei weitem nicht, aber es zeigt doch die Unentschlossenheit des Drehbuchautors bzw. Regisseurs, dem Film eine bestimmte Richtung zu geben. Und an der Genrekombination "Drama / Komödie" sind schon viele andere Filme gescheitert (zuletzt : "Life - Lebenslänglich"), so daß man eigentlich aus den Fehlern anderer hätte lernen müssen.

Warum das Ergebnis trotzdem überwiegend positiv ist, liegt zum einen an den sympathischen Protagonisten, zum anderen an den meist gelungen Gags. Zwar werden für meinen Geschmack etwas zu oft Seitenhiebe in Richtung wohlproportionierter oder nicht gerade hübscher Personen verteilt, meist ist jedoch der Mantel der Ironie immer erkennbar und das Geschehen, wie auch der Film im Gesamten, sollte eher mit zwinkerndem Auge betrachtet werden.

Teils ironische, meist jedoch ernsthafte Hommage an die pakistanische Lebensweise


Thomas Schlömer