Original Sin

USA, 116min
R:Michael Cristofer
B:Michael Cristofer, Cornell Woolrich
D:Antonio Banderas,
Angelina Jolie,
Thomas Jane
L:IMDb
„Wie im Theather, nur nicht so echt”
Inhalt
Kuba, um die Jahrhundertwende. Der reiche Plantagenbesitzer Luis Vargas (Antonio Banderas) wartet auf das Schiff mit seiner zukünftigen Frau, einer Amerikanerin, die er nur aus Briefen kennt. Doch als er vor Julia Russell (Angelina Jolie) steht, ist er überrascht: Sie ist viel schöner als die Frau auf den Fotos… Aus dem Blind Date wird eine echte Liebesehe, auch wenn Luis nicht hinter alle Geheimnisse Julias dringen kann. Als eines Tages der Privatdetektiv Walter Downs (Thomas Jane) auftaucht und vorgibt, die echte Julia Russell zu suchen, verschwindet Julia spurlos und mit dem gesamten Vermögen von Luis. Doch auch seine Enttäuschung, Wut und Rachsucht können in Luis die Liebe zu Julia nicht abtöten. So macht er sich auf, sie zu suchen - und stößt dabei auf ein gefährliches Netz aus Schwindel, Betrug und Mord.
Kurzkommentar
Die Neuumsetzung eines düsteren Buches über Segen und Zerstörung der Liebe, von Regisseur Michael Cristofer ("Body Shots") trivialisiert heruntergekurbelt und als pures Star-Vehikel konzipiert. Fesseln kann das leidenschaftslose, allein plakative Erotikelodram nie, dafür aber vor sehenswerter Kulisse begnadet langweilen.
Kritik
Literaturverfilmungen, schwere zumal, sollte man nur dann angehen, wenn ein vernünftiges Konzept für die Umsetzung in Bildsprache vorliegt. Bei stark reflektierenden Büchern mit philosophischem Bodensatz ist das besonders heikel. Bereits vor einem halben Jahrhundert schrieb der bis heute vielleicht zu Unrecht wenig bekannte Autor Cornell Woolrich seinen "Walzer in die Dunkelheit", eine komlexe, düstere Parabel voller Verstrickungen in Schuld, Verlangen und Träume mit entsprechendem Ausgang. Dass das bei behutsamer Annäherung idealer Filmstoff ist, erkannte der Franzose Francois Truffaut bereits in den sechziger Jahren und lieferte mit Catherine Deneuve in der Hauptrolle sein "Geheimnis der falschen Braut".
Zeit für Hollywood, die eigene Interpretation zu bringen, die - man ahnt es im Vorfeld - Gefahr laufen würde, in ein schwülstiges Vordergrundmelodram abzdriften. Das Trimmen auf Schein beginnt denn tatsächlich schon bei der Wahl der Hauptdarsteller, getroffen rein nach Star-Vehikel-Erwägungen. Antonio Banderas in der Rolle des unsterblich liebenden Plantagenbesitzers war vielleicht die naheliegendste Wahl, Angelina Jolie als femme fatale sicher nicht die schlechteste, steht ihr Talent doch außer Frage. Tragbare Voraussetzungen also, den Tenor der Vorlage zu fassen und ihn in kubanischer Atmosphäre der Jahrhundertwende packend, vielleicht sogar tiefgründig abzubilden.

Nur erweist sich natürlich als verhängnisvoll, dass Regisseur Cristofer sich gleich doppelt produzieren wollte, indem er kurzerhand auf einen für die Adaption kompetenten Drehbuchautor verzichtete und selbst zur Feder griff. Dass der Vorlage dabei Gewalt angetan wird, macht sich umgehend schreiend bemerkbar. Nicht nur, dass die Ebene, auf der sich die Vargas und Julia begegnen, emotional unplausibel, peripher und theatralisch selbst in nur routinemäßig zu inszenierenden Momenten bleibt, nein, schlimmer, "Original Sin" wirkt trotz der universellen Geschichte, auf der er fußt, von Beginn an herzlos, abgedroschen, unvermittelt und gesotten öde. Das, was bei Woolrich ein feinsinniges Wenden zwischen Phantasie und der Unmöglichkeit ihres Abgleichs mit der Realität ist, verkürzt die Formproduktion Cristofers zu einem groschenromanartigen Intrigenspiel mit aberwitzigen Wendungen, bemitleidenswerter Naivität des Liebenden und enervierender Erzählweise.

Handwerklich überzeugt die gewählte Perspektive der überlangen Rückblende zu keiner Zeit, vielmehr wirkt sie der sich eh nicht aufbauenden Spannung nur noch weiter entgegen, derweil aufgesetzt predigthafte Kommentare der Rückblickenden aus dem Off gruseln: "Dies ist keine Liebesgeschichte, aber eine Geschichte über die Liebe". Aber eine, die ihr Potential an zugegebenermaßen sehenswerte Dekoration verschenkt. In diese fügen sich Jolie und Banderas wenig begeistert ein, allein Thomas Jane hat schrecklich überzeichnete, aber teils auch gute Momente.Da der Film nun auf der intelligiblen Seite ein Loch hat, wird ausgiebig mit freizügigen, effekthascherischen Bettszenen ausgeholfen. Sobald der Privatdetektiv auftaucht, will "Original Sin" als Thriller funktionieren, überzeugen kann er allenfalls als verkitschter, langatmig verstrickter Edelschwulst mit einem unvergleichlich aufgesetzten Ende.

Verschwenderisch dekorierte, schwülstige Langeweile mit routinierten Stars


Flemming Schock