Gegenteil von Sex, Das
(Opposite of Sex, The)

USA, 105min
R:Don Roos
B:Don Roos
D:Christina Ricci,
Martin Donovan,
Lisa Kudrow,
Lyle Lovett
L:IMDb
„Die Schönen und Blöden kommen immer irgendwie durchs Leben.”
Inhalt
Dedee Truitt entflieht ihrem spießigen Zuhause und versucht, bei ihrem schwulen Bruder Bill unterzukommen. Dort stiehlt sie die Urne mit der Asche seines verstorbenenen Liebhabers, verführt seinen aktuellen Freund Matt und treibt Lucia, die auch irgendwie dazugehört, in den Wahnsinn. Auf der Flucht ergeben sich immer neue Konstellationen, da die ruchlose Dedee alle schamlos ausnutzt.
Kritik
Gleich zu Beginn werden die Zuschauer sorgsam selektiert, siehe obiges Zitat. Und man muss sich dem Film schon hingeben, sich seiner Erzähl- und Sichtweise anpassen, wenn man was davon haben will, denn sonst ist man 'out of luck'.
Und 'The Opposite of Sex' macht es einem stellenweise gar nicht so leicht, denn die Hauptfigur, Dedee, ist wirklich eine eklige Schlampe. Der Trick an dem Ganzen ist, daß die gesamte Handlung vollständig aus ihrer Sicht erzählt wird, teilweise tritt sie sogar auf die Meta-Ebene und kontrolliert die Kamera, zeigt uns nur, was wir ihrer Meinung nach sehen sollen. Dazu kommt ständig ihre Stimme aus dem Off, denn eigentlich sind alle anderen viel häufiger zu sehen als sie, dennoch ist sie domimierend. Die Geschichte von dem Mädchen, daß den Freund ihres schwulen Bruders verführt, ist nicht unbedingt neu, in der einen oder anderen Konstellation gabs das schon oft, fast zu oft, man mag sich fragen, woher eigentlich die Anziehungskraft der schwulen Geschichten kommt, aber es scheint hier zu sein wie so oft im amerikanischen Film, besonders wenn es um Sexualität geht: Sagen darf man alles, denken aber besser nicht, zeigen oder sehen schon gleich gar nicht. Und hier hat 'The Opposite of Sex' leider einige Defizite: Zwar ist es interessante Variante, das in diesem verqueeren Szenario die Schwulen die einzig Normalen sind, aber dennoch, trotz des Titels fehlt es an guten Ideen zum Thema Sex. Das Schwulsein wird auch hier nur als Ausgangspunkt für slapstickartigen Humor gebraucht, und Christina Ricci bringt zwar den Teil ihrer Rolle, der die Schlampe umfasst, überzeugend rüber, aber ansonsten hat sie soviel Sexappeal wie eine verschimmelte Scheibe Toastbrot. Deswegen muss man leider klar sagen, daß der Film auf dieser Ebene kaum funktioniert.
Recht gekonnt werden derbe Sprüche eingesetzt, die in den seltensten Fällen politisch korrekt sind, oftmals ins Geschmacklose abdriften, aber das ist kalkuliert, das gehört dazu, Dedee warnt den Zuschauer ja schon zu Beginn, daß sie kein Herz aus Gold habe, und auch nie eins bekommen werde.

Gut sind auch die Wendungen in der Story, besonders, wenn einen Dedee absichtlich an der Nase herumführt. Die ansatzweisen sozialkritischen Aspekte gehen völlig in der abtrsusen Story und den rücksichtslosen Kommenatren unter. Christina Ricci macht ihre Sache ganz gut, auch wenn sie zu dem versprochenen Sex wenig beträgt. Martin Donovan, Freunden des Independent-Films gut bekannt, spielt zwar souverän, ist allerdings in der Rolle des gutmütigen Bill etwas arg lahm, geradezu phlegmatisch. Überzeugen kann dagegen Lisa Kudrow als Lucia, die zwar allen -auch den Zuschauern- gehörig auf die Nerven geht, aber das tut sie sehr überzegend.
Was bleibt, ist ein Film für Leute, die zumindest zeitweise auf political correctness, ihre katholische Erziehung, guten Geschmack und allzu hohe Ansprüche an eine intelligente, neue Story verzichten können.

Geschmacklos, inhaltlich altbacken, aber tolle Storyführung


Wolfgang Huang