Deep Blue Sea

USA, 104min
R:Renny Harlin
D:Samuel L. Jackson,
Saffron Burrows,
Thomas Jane,
LL Cool J
„Der Hai ist kein Fisch, sondern ein Säugetier”
Inhalt
Im unter Wasser gelegenen Forschungslabor Aquatica, einem ehemaligen Militärstützpunkt zur Wartung von U-Booten, forscht Dr. Susan McAlester (Saffron Burrows) nach einem Mittel gegen Alzheimer. Mit einer aus dem Gehirn von Haien extrahierten Flüssigkeit ist es ihr gelungen ein Medikament zu erzeugen, das befallene Gehirnzellen regeneriert und reaktiviert. Die Flüssigkeit ist allerdings nur bei Mako-Haien vorhanden, den schnellsten aller Haifisch Arten, und zu dem nur in sehr geringer Konzentration. Susan beschließt darauf hin, die Haie genetisch zu verändern: sie werden größer, schneller und schlauer, und sie produzieren natürlich mehr von der benötigten Flüssigkeit. Als die Haie ausbrechen und fast 4 Teenager vernaschen, bekommen die Geldgeber des Projektes Zweifel. Russell Franklin (Samuel L. Jackson) soll daraufhin die Forschungsergebnisse vor Ort begutachten. Die Gewebeentnahme der wieder eingefangenen Haie verläuft anfangs erfolgreich, doch dann kommt es zwangsläufig zur Katastrophe. Im Sturm gelingt den Haien zwar nicht ein erneuter Ausbruch, aber ein Einbruch in das Forschungslabor.
Kurzkommentar
Durch sein krudes Gentechnikszenario und seine superlativen, 'getunten' Killer schmeckt 'Deep Blue Sea' wie eine Fast-Food-Synthese aus 'Der weisse Hai 2000' und billigem Ethikdiskurs. Trotz nicht zu vermeidender Plagiatur und narrativer Schlappen: Kaufen Sie sich´n Eimer Popcorn und genießen Sie eine solide Haifütterung.
Kritik
Spielbergs 'Weisser Hai' revolutionierte das Horrorgenre, indem die undifferenzierte Vorstellung eines als blutrünstigen Killer betrachteten Raubtiers fatal genährt und das genialische Spiel mit einer menschlichen Urangst zum beispiellosen Motor des Horror und der Hysterie wurde: so sehr sich der Mensch auf dem Land sicher und erhaben fühlt, so hilflos und opfergleich ist sein Befinden im Wasser der Meere, deren schwarze Tiefen seit jeher Ort alptraumhafter Ängste und Assoziationen gewesen sind. Gerne wird der auch heute noch funktionierende Vergleich bemüht, dass die Menschheit mehr über die Mondoberfläche weiss als über die Tiefen der Weltmeere, die drei Viertel unseres Planeten bedecken.

Und spätestens seit Jules Verne ist selbst bei Meeresbiologen die latente Erwartung verankert, irgendwann tatsächlich einen Riesenkraken und damit einen direkten Beweis für die Existenz von Seeungeheuern aus der Tiefe zu ziehen. Doch die irrationalen Schrecken nehmen nirgends deutlichere Gestalt an, als im lautlosen, seiner natürlichen Umgebung perfekt angepassten Jäger der Meere, dem Hai. Aufgrund seiner Anatomie, die sich in jahrmillionen nur geringfügig änderte, ist er Synonym für Vollendung, seit Spielberg fast unabänderlich um die phantasiegestützen Attributen des blutrünstigen Killers ergänzt. Fast kann man behaupten, dass nie wieder ein Film derart drastisch in die Psychologie der Menschen eingegriffen hat, denn die Folgen waren dramatisch: weltweite Rezession von Strandurlauben, globale Panik vor dem Meer. Realität und Fiktion waren einfach nicht mehr zu trennen. Das Genre des pseudorealistischen Haischockers war geschaffen und wurde seitdem oft zu imitieren versucht, doch Spielbergs subtiles Spiel mit der Angst ist und bleibt auch nach 'Deep Blue Sea' unerreicht.

Dass sich Regisseur Renny Harlin kein geringeres Ziel setzte, als das Original zu toppen, suggerieren schon die programmatischen Adjektive auf dem Filmposter :'Bigger, smarter,faster, meaner' - also eine Art aufbebohrter 'Weisser Hai 2000'. Harlins Plagiaturansatz hat aus dem simplen Grund gute Chancen das Publikum zu locken, weil Killerhaie auf der Kinoleinwand in letzter Zeit unterrepräsentiert waren. Um da anzusetzen, wo Spielberg aufhörte, stellte sich Harlin die Frage: 'Was ist schlimmer als ein schrecklich blutrünstiger Hai?' - Richtig, ein schrecklich intelligenter blutrünstiger Hai! Um aktuellen Zeitbezug zu konstruieren, musste die ohnehin gescholtene Gentechnik herhalten, mittels derer nun fleissig 'getunt' wurde. Dies ist innovationsarm und macht deutlich, dass uns hier nichts anderes als eine 'Weisse Hai'-Variante mit wissenschaftskritischer Attitüde untergejubelt wird. Und trotzdem noch immer der Hai genüsslich die Menschen verspeist, ist es diesmal nicht der Killertrieb (soweit der Kontrast zum 'traditionellen' Haischocker), sondern die 'gerechte Strafe Gottes', die die Geschöpfe gegen ihre Schöpfer wendet. Denn Harlins reichlich plakatives Credo lautet: Es ist unethisch, dass der Mensch manipulierend in die Natur eingreift und sich anmaßt Gott zu spielen. Doch ist dies auch unethisch, wenn damit zutiefst ethische Zwecke verfolgt werden?

Insoweit hat Harlins Gentechnikszenario einige interessante Überlegungen, wobei ein reflektierender Ethtikdiskurs nicht möglich ist - plumpe Ethik ergänzt plumpe Action, die äußerst gut funktioniert. Doch bis die Fütterungszeit eröffnet wird, hält die Alibistory das einfache Funktionsprinzip des Haischockers mit dämlichem Vorspiel zurück. Wenigstens kann Harlin im zweiten Drittel seine Versprechen einlösen und lässt´s richtig krachen. Die Haie sind kleine animatorische Wunder, schnappen und zerreissen ihre Opfer in teils derben Bildern. Und da die 'konventionellen' Haiszenen, in denen der Killer von unten immer auf´s Boot oder auf den Schwimmer zukommt, ausgereizt scheinen, treiben die - zum Opfer stilisierten - Biester ihr Unwesen sogar im Interieur der Forschungsstation. Das ist dann durchaus spannungsreich, doch auch trashwürdig, wenn Rapper LL Cool J als Kombüsenmeister kurz davor ist, dem Hai mit der Bratpfanne eins überzuziehen. Sieht man von Dialogen und Monologen ab, ist funktionierende Haiaction garantiert, denn auch die Schauspieler bringen ausreichende Anstregungen, nicht kampflos als Fischfutter zu enden. Grandios fällt die Antwort auf Samuel L. Jacksons Appell aus, indem er emphatisch Durchhaltewillen und Stärke beschwört. Identifikationsfiguren werden indessen kaum geboten, da Harlins Polemik gegen die Gentechnik für die Verantwortlichen ein unerbittliches Ende haben muss. Nur gut, dass immer ein Funken Ironie mitschwingt.


Gentechnikpolemik ohne Tiefgang trifft auf optimierte Haiaction


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Die Ideenvielfalt mit der ein scheinbarer (und durch den Trailer suggerierter) Trash-Schocker zum gut unterhaltenden Actionschocker mutiert, ist schon erstaunlich. Der Film vermag gekonnt die üblich-bekannten Schock-Elemente zu umgehen und liefert trotz inhaltlicher Schwächen einen vernünftigen Grund, dem Kino einen Besuch abzustatten. ...