Chucky und seine Braut
(Bride of Chucky)

USA, 89min
R:Ronny Yu
D:Jennifer Tilly,
Katherine Heigl,
Nick Stabile,
John Ritter
„Voodoo für Dummies”
Inhalt
Die Überreste der global bösartigsten Mördermanie-Puppe 'Chucky' befinden sich bei der Polizei unter Verschluß, bis ein bestechungsempfänglicher Beamter sich auf den Deal einläßt, den zerfetzten Puppenkorpus an einem entlegenen Ort gegen eine hübsche Summe Bares einzutauschen. Die Zusammenkunft endet für ihn nicht gerade glimpflich, hat doch die sinnlich-sadistisch auftretende Okkultistin Tiffany (Jennifer Tilly) ein ungeniertes Verhältnis zum Morden. Ihr einziges Ansinnen besteht nun darin, Chucky, in dem sich die Seele eines im Jahre 1988 erschossenen Massenmörders reinkarnierte, wieder zum Leben zu erwecken, um so ihre Liebe zu eben jenem Serienkiller zu vollenden, von dem sie 10 Jahre lang seit dessen Tod getrennt war. Durch Zuhilfenahme von Teppichtacker, allerlei Puppenextremitäten und dilettantisch zelebriertem Voodoohokuspokus gelingt ihr die Reanimerung Chuckys, nunmehr Frankenstein ähnlich. Dummerweise lehnt die das Singledasein präferierende Teufelspuppe den Heiratsantrag Tiffanys höhnisch spottend ab, worauf diese ihn rachelüsternd einsperrt und ihm sarkastisch eine gekaufte 'Puppenfrau' zur Seite stellt, der Chucky alsbald Leben und Seele einzuflößen intendiert.

Kurzerhand macht er Tiffany den Gar aus und transferiert im Voodooritual deren beschwichtigte Seele in die leblose weibliche Puppe, die nun zu seiner angebeteten Plastikdulzinea, zum dominaten Puppenpendant Tiffanys arriviert. In liebender Kongenialität vereinigt, sind sie nun darauf bedacht, zum Grab von Chuckys ursprünglicher menschlicher Hülle und damit zu einem Amulet zu gelangen, das die Befreiung aus den Plastikkörperchen bedeuten würde. Aber leider sind ihre Beine zu kurz und ihre Mobilität eingeschränkt, infolgedessen 'Schwarzfahren' angesagt ist, das Mastermind Chucky geschickt einfädelt. Zu nichtsahnenden Chauffeuren werden Jesse (Nick Stabile) und Jade (Katherine Heigl) auserkohren, die die Fahrt gleichzeitig zur Flucht vor dem ihre Liebe vernichtenden Onkel Warren, dem ultraautoritären Polizeichef Warren Kincaid (John Ritter) nutzen. Sämtliche menschliche Hindernisse, die sich Chucky, Tiffany und den beiden unbescholtenden Liebenden in den Weg stellen, fallen konsequent Chuckys Mördermanie zum Opfer, worauf Jesse und Jade irrtümlich bald als flüchtige Serienmörder gebrandmarkt werden. Erst relativ spät geben sich ihnen ihre blinden Passagiere zu erkennen und gedenken, ihre Körper als neues 'Zuhause' für die Puppenseelen zu nutzen.
Kritik
Seitdem die 'Scream' Serie und die im Fahrtwasser des kommerziellen Erfolges mitschwimmenden Streifen in jüngster Zeit das Horrorgenre aus der Videoschmuddelecke herauskatapultierten und wieder massenkompatibel machten, ist klar, wie die einträgliche Rezeptur eines Horrofilmes zum Ende der neunziger Jahre auszusehen hat: die totale Umkehr vom 'ernsten' Gruselsplatter zum ironischen, das gesamte Genre parodierenden Spaß mit jungen, hübschen Darstellern und einer gezielt eingesetzen Menge an Schockmomenten. Nur der verwegen originelle Schritt zur selbstveräppelnden Farce mit scharfzüngiger Reminiszenz an die Vergangenheit des Genres erbrachte nicht nur Rehabilitierung, sondern begründete eine regelrechte 'Horrormanie', von deren Erfolgstorte sich nun viele - zu viele - ein großes Stück sichern wollen. Da merkt die Produzentenriege, daß das vornehmlich junge Klientel wie ausgehungert in die Lichtsäale pilgert, um nicht nur 'Urvater' Scream in etlichster Auflage, sondern auch alle anderen Plagiate à la "Ich weiß, was Du vorletzten Sommer getan hast, bevor Du den davorliegenden Sommer nichts getan hast" nach 08/15 Schema begierig zu schlucken. Man wagt nicht zu denken, welch vermoderte, längst vergessen gehoffte, müllige Horrorikonen aus den 80er in der Folge vielleicht noch aus kommerzieller Motivation reaktiviert und auf die ohnehin strapazierte Kinokultur losgelassen werden. Erst neulich stocherte sich Skimaskenzombie Michael Myers in haarsträubend billig zusammengeschusterter 'Helloween' Neuauflage durch diverse Körper, so daß es nur eine Frage der Zeit war, bis in Form von 'Chucky' selbst das Grunddämlichste aus der Mottenkiste der verstandesbeleidigenden Gruselkonstitutionen wieder hervorgeholt werden würde.

Nun ist es soweit; was in den 80er und zu Beginn der 90er Jahre noch halbwegs hip und vor dem 'Screamtrend' verstaubter Platzhalter in der vorkommensten Videotheksecke war, wird gnadenlos recycelt, von Staub befreit und der neuen 'Horrordramaturgie' angepaßt. Das kosmetische Ergebnis ist der wohl noch erträglichste Teil der saublöden Chuckyserie, ständig zwischen Trash und schauerlichem Müll pendelnd. Definiert sich 'Trash' mit etwaigem Kultanspruch durch unfreiwillige Komik einer grottenmiesen Inszenierung, die sich zum amüsierenden Gespött macht, so kann 'Chucky' - sicher zur Erleichterung von Regisseur Ronny Yu - keine Punkte verbuchen. Die Konzeption nach Schema F (böse Puppe, gute Menschen und einige boshafte) wird einzig mit den puppenmäßigen 'Verdopplungseffekt' durchbrochen und mitunter geschmacklos kurzweilig. Logisch, denn Horrorkasper 'Chucky' hätte als alleinige Hauptattraktion keinen Blumentopf mehr gewinnen können.

Deutlich fixiert sich das schwarzhumorgie Kaspertheater halbwegs geschickt um die dialogische Wechselbeziehung des grotesken Paares aus Hartplastik, zu dem Jade und Jesse als unschuldig Liebende den blassen Kontrast bilden. Überhaupt kann keiner der 'menschlichen' Akteure an Profil gewinnen. Allein die schnell ablebende Jennifer Tilly, die als alleinige Hauptdarstellererin auf dem Kinoposter annonciert wird, kann durch verruchtes Auftreten Interesse wecken; dennoch hätten allesamt von Chucky tranchiert werden können, was wiederum die Kritik der hirnlosen Splatterei, die nichts im Kino zu suchen hat, auf den Plan gebracht hätte.

So gibt sich der Puppenklamauk für 'Chuckynorm' ungewöhnlich unblutig und macht deutlich, wie sich 'Chuckys' Agieren im vierten Puppenmassaker gestaltet: er befindet sich im ausgedehnten 'Beziehungsdialog' mit seiner Plastikfrau und muß ihr gegenüber des öfteren den Beweis anführen, daß er als 'Horrorbringer' noch nicht zum alten Eisen gehört, wenn seine bevorzugte Meuchelwaffe, das Messer, als unzeitgemäß und uneffektvoll herabgewürdigt wird (seit 'Scream' neues Element: selbstreferentielle Theoretisierung der Horrorfilmmechanismen im Film selbst). Schließlich muß ja, um noch Besucher zu locken, immer phantasievoller gemeuchelt werden - hier ist es nur sterbenslangweilig. Das Einzige, das der hoffentlich letzten Reinkarnation dieser postpubertären Schreckensgestalt noch Amüsement verleiht, ist das skurrile Gequatsche der beiden animatorisch mies inszenierten Puppen. Ab und an ist man sogar geneigt, deren 'soziales 'Miteinader als lebendig abzukaufen. Einige erwähnenswert derbhumorige Situationen (z.B. herrlich getroffen: Verhütungsproblematik während der Plastikpuppenkopulation) vermögen das schundhafte des Gesamtbild des selbstreflexiven Horrorschrotts nur phasenweise aufzulockern.



Überflüssige Reanimation eines beleidigend hohlköpfigen Horrorkaspers


Flemming Schock