Calling, The

USA, 89min
R:Richard Caesar
B:John Rice, Rudy Gaines
D:Laura Harris,
Richard Lintern,
Alice Krige
L:IMDb
„Was haben uns 2000 Jahre im Namen der Liebe gebracht? Jede nur erdenkliche Gemeinheit. Wir können uns gar nicht vorstellen, was uns im Namen des Bösen erwartet.”
Inhalt
2000 Jahre nachdem und Gott im Namen der Liebe den Erlöser geschickt hat, fordert nun der Teufel sein Recht. Als unheilige Jungfrau hat er dazu Kristie St.Clair ausgewählt. Nichtsahnend kümmert sie sich liebevoll um ihren Sohn Dylan (Alex Row-Bown), doch dessen Vater (Richard Lintern) und Stiefmutter (Alice Krige) haben finstere Pläne mit ihm. So wird er zur Einführung gleich mal ans kopfüber hängende Kreuz genagelt, und schart fortan in bester Verkünder-Manier Bewunderer um sich. Doch seine Mutter erkennt das Unheil, und versucht ihn zu retten...
Kurzkommentar
"The Calling" ist ein größtenteils recht durchschnittlicher Horrorschocker, der mal wieder mit der Satan-will-auch-mal-auf-die-Erde-Idee spielt. Inszenatorisch-schauspielerisch unbedeutend kann er aber durch ein paar geschickte Drehbucheinfälle einiges an Mittelmäßigkeit wieder gutmachen. Wer also Gruselfilme mag und gerne mal ein bisschen was anderes sehen möchte, ist mit "The Calling" nicht schlecht bedient.
Kritik
Die Grundidee von "The Calling", dass 2000 Jahre nach Jesu Geburt auch der Teufel mal wieder versucht, persönlich auf der Erde Fuß zu fassen, ist nicht sonderlich innovativ - das gab es jüngst schon in Filmen wie "End of Days", "Stigmata" oder "Die Prophezeiung". Das er aber den gleichen Weg wählt, wie ihn einst angeblich Jesus nahm, nämlich über eine unberührte Jungfrau einen Sohn zu gebären, gibt dem Film eine interessante Richtung: Denn so steht im Mittelpunkt nicht der Actionheld oder der hilfreiche Pater, der mit einmal Weihwasser spritzen alles Böse vertreibt, sondern die Mutter bzw. Jungfrau, der erst nach Jahren klar wird, was aus ihrem Sohn werden wird. Noch eine ungewöhnliche Konstruktion: Sie will den Sohn retten, nicht einfach umbringen. Doch der will sich gar nicht retten lassen, immerhin ist er Satans Spross. Auch wenn man bekanntermassen die Bibel nicht zu wörtlich nehmen soll - die Idee, das der Teufel das gleiche Recht in Anspruch nimmt wie Gott und uns ebenfalls einen Erlöser schickt, der auch die Massen um sich schart, birgt eine gewisse Faszination.

Die filmische Umsetzung dieser Niederkunft und der folgenden grauenvollen Ereignisse ist eher bieder: Ein bisschen Runen, ein bisschen Sturm, ein bisschen Raben-Gekrächze, ein bisschen Blut. Ob es dem Film gelingt, Gruselatmosspähre zu erzeugen, hängt doch stark von dem Gewöhnungs- und Erfahrungsfaktor ab. Wer eher selten Horror-Filme sieht, der dürfte von manchen Stellen doch tief erschreckt werden, der routinierte Gruselkenner weiss natürlich genau, wann wo welche Leiche mit welchem Verstümmelungsgrad liegt, hier bietet "The Calling" wenig Überraschung. Was die düstere Stimmung aber wirkungsvoll verstärkt, ist der absolute verlorene Posten, auf dem Kristie steht. Denn nicht nur sind natürlich alle um sie herum Anhänger des Bösen, so dass ein Vorsprechen beim örtlichen Polizeichef wenig hilft, nein, auch der, dem ihre Sorge gilt, ihr Sohn, steht ihr immer ablehnender gegenüber, je weiter der Film fortschreitet. Und natürlich nehmen all jene, die Kristie zu helfen versuchen, ein schnelles, gewissermassen kopfloses Ende.
Zudem bietet "The Calling" ein paar nette Ideen. So wird etwa aus der Apokalypse zitiert, das vor der Ankunft des Teufels dieser bereits ein mächtiges Sprachrohr haben wird. Zufälligerweise sind die Schwiegereltern Kristies Besitzer eines grossen Fernsehesenders. Nett ist auch die Idee mit dem etwas düsteren Helfer Kristies, von dem nicht allzuviel verraten werden soll. Interessant, wenn auch die Idee schon gut abgehangen ist, auch die Namensgebung: So heisst die Schlüsselfigur Kristie (Christus) St. (Heilig) Clair (clarus=rein). Dergleichen Anspielungen gibt es noch ein paar, besonders am Ende.
Apropos Ende: Seinem Ende hat der Film auch die gute Bewertung zu verdanken, obwohl er eigentlich nur im Mittelfeld rangiert. Aber die Drehbuchautoren haben sich für den Schluss ein paar sehr interessante Dinge einfallen lassen, die man in typischen Hollywood-Filmen derart selten zu Gesicht bekommt, dass sie eine Sonder-Würdigung wert sind. Was genau geschieht, soll aber natürlich nicht verraten werden...

Schauspielerisch sollte man nicht zuviel erwarten - alle spielen im Rahmen des Üblichen. Alice Krige als fiese Stiefmutter ist sehr überzeugend, dafür mangelt es dem jungen Alex Roe-Brown doch noch merklich an Ausdruckskraft, zumal gerade er mit der ultimativen Bösewicht-Rolle (diesmal wortwörtlich) eine wichtige Rolle spielt. Die restliche Inszenierung ist, wie bereits erwähnt, ebenfalls nur durchschnittlich, Gruseleffekte wurden da schon effektvoller inszeniert. Alles in allem ein durchschnittlicher Schocker, der aber dank des ungewöhnlichen Endes und ein paar netter Einfälle dennoch sehenswert ist.

Standardgrusel mit bemerkenswertem Story-Höhepunkt


Wolfgang Huang
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Jeder Kinogänger, der bereits "Rosemary's Baby" kennt oder ohnehin eine Abneigung gegenüber "satanischer Horrorstreifen" hat, dürfte sich von "The Calling" mehr als veräppelt vorkommen. Dabei dürften selbst solche Zuschauer zugeben müssen, daß "The Calling" -für seine Ansprüche- erstaunlich ernsthaft und konsequent daherkommt. Gerade im Hinblick au...