Ohne Worte
(Say it isn't so)

USA, 95min
R:James B. Rogers
B:Peter Gaulke, Gerry Swallow
D:Heather Graham,
Chris Klein,
Orlando Jones,
Sally Field
L:IMDb
„Perservling, Perservling!”
Inhalt
Junge (Chris Klein) trifft Mädchen (Heather Graham); Junge verliebt sich in
Mädchen (und hat pausenlos wilden Sex mit ihr); Junge verliert Mädchen… weil er - nach einer Verkettung von Missverständnissen und falschen Identitäten - glaubt, sie seien Bruder und Schwester! Von Gott und der Welt inklusive der fluchenden Proll-Mutter des Mädchens (Sally Field) wird der liebeskranke junge Mann nun verdächtigt, auf heiße und perverse Tabu -Fantasien zu stehen. Als er dann feststellt, dass er und seine Traumfrau doch keine Geschwister sind, muss er quer durch das ganze Land rasen, um sie daran zu hindern, einen scheinheiligen Millionär-Fuzzi (Eddie Cibrian) zu heiraten. Einziger Verbündeter in diesem Spektakel: ein leicht bekloppter, beinamputierter Buschpilot (Orlando Jones).
Kurzkommentar
Was will man groß zu einem Film schreiben, der sich so gut mit vielen anderen Filmen vergleichen läßt. Wem "Ich, beide und Sie", "Tomcats" und diverse andere etwas grenzwertige Komödien zusagen, wird "Ohne Worte" wohl noch etwas abgewinnen können, alle anderen klicken wieder auf "Foyer" und anschließend auf "Tip der Woche".
Kritik
So langsam wird es unerträglich. Jede zweite, neue Komödie läuft nach dem gleichen Schema ab: stecke hübsche Darsteller in eine fäkalhumorige, derbe, hemmungslose, sexistische Szenenabfolge, stricke eine Liebesgeschichte drum herum und sahne an der Kasse ordentlich Kohle ab. "Verrückt nach Mary", die 314ste. Die wenigen, guten Gags lassen sich wie immer an einer Hand abzählen, die flache Masse regiert. Diesmal haben sich die produzierenden Farrelly-Brüder abgeschnittene Ohren, Toast unter den Achselhöhlen, Schlaganfall-geschädigte Rollstuhlfahrer und einen beinlosen Jimi Hendrix-Verschnitt ausgedacht. Würde man behaupten, nicht doch ab und zu gelacht zu haben, würde man lügen, aber trotzdem sind zu viele Gags in "Ohne Worte" unter der Gürtellinie. So ist der fettleibige Psychatrie-Insasse reiner Freak-Effekt, das Benutzen einer (peinlich künstlichen) Kuh für einen Gag schon mehr als ausgelutscht und angeklebte Arschhaare als Bartersatz finden wohl auch die wenigstens Leute witzig.

Daß die Story extrem vernachlässigt wird, kann man einem Film, der mit diesem Aspekt weniger überzeugen will, sicherlich nur gering ankreiden. Die wenigstens Komödien können mit einer guten Idee aufwarten, aber "Ohne Worte" stellt sich zu dämlich an - als Beispiel sei Gilly's Gedicht genannt, welches am Anfang noch ironisiert wird, zum Ende hin aber als oberpeinlicher Aufsetzer herhalten muß. Heather Graham, die scheinbar eine Vorliebe für abgedrehte Komödien hat (nun, als Schauspieler mag das ganze auf dem Set tatsächlich Spaß machen), und "American Pie"-Chorsänger Chris Klein sind auswechselbar, Sally Field steht die Rolle der geldgeilen Mutter hingegen recht gut. Auch Orlando Jones überzeugt (wie demnächst in "Evolution") und darf sich wie einst Gary Sinise dem gump'schen Beine-Ab-Trickeffekt unterziehen, aber der Kern, nämlich die Gags, ist zu abgenutzt und wenig originell. Nur die Anspielung auf "Apocalypse Now" war von der subtileren Sorte.

Kann man "Ohne Worte" also irgendjemanden empfehlen? Wer auf "Ich, beide und Sie" und zuletzt "Tomcats" steht, wird seine (durchschnittliche) Freude daran haben. Regelmäßige Kinogänger hingegen können sich den Streifen auf jeden Fall schenken - "Say it isn't so".

Meist flach und wenig einfallsreich, aber irgendwo kurzweilig


Thomas Schlömer