Road Trip

USA, 93min
R:Todd Phillips
B:Todd Phillips, Scot Armstrong
D:Breckin Meyer,
Seann William Scott,
Amy Smart,
Paulo Costanzo
L:IMDb
„Think about it Josh, you're in college. The window of opportunity to drink and do drugs and take advantage of young girls is getting smaller by the day”
Inhalt
Josh (Breckin Meyer) und Tiffany (Rachel Blanchard) kennen sich seit ihrer Kindheit. Nun sind sie ein Paar und wollen trotz der Entfernung ihrer unterschiedlichen Colleges zusammenbleiben und sich die Treue halten. Unglücklicherweise bringt die attraktive Beth (Amy Smart) diesen Entschluss bei Josh heftig ins Wanken und dreht auch noch ein Video des Seitensprungs. Was noch fataler ist: durch ein Versehen gelangt dieses Video in die Post und auf den Weg zu Tiffany. Das gilt es natürlich zu verhindern und so machen sich vier Jugendliche aus dem College auf, das Video abzufangen bevor es in Tiffanys Hände gerät. Der "Road Trip" beginnt.
Kurzkommentar
"Road Trip" versucht sich an einer Mischung aus Collegeklamotte und Roadmovie, unterhält auf beiden Ebenen aber nur bedingt. Während Freunde von "American Pie" noch am ehesten ihren Spaß haben dürften, bleiben die restlichen Zuschauer wohl außen vor. Wenige, neue Gags machen das weiterhin ewig ausgelutschte Komödienprinzip eben nicht wett.
Kritik
Todd Phillips, Regisseur und Drehbuchautor, versucht mit "Road Trip" sowohl das Publikum von "American Pie" als auch eine etwas erwachsenere Zuschauerschicht, indiziert durch den Roadmovie-Charakter, anzusprechen, erreicht sein Ziel aber kaum. Über die Erzählperspektive wird versucht, Distanz zu wahren und dem Geschehen einen durch Tom Green (bekannt von MTV) verkörperten, persönlichen Touch zu verleihen. Fast schon so, als ob die Rückblende als vorgeschobener Grund für manche derbe Teeniephantasie herhalten muß.
Was daran "Road Trip" aber am meisten stört: der zu häufig auf reinen Schock oder Ekel zielende Brachialhumor. Einige gute Gags sind sicherlich drin, aber warum die Leute durch so oberflächliche Holzhammermethoden unterhalten wollen? Der Grund scheint einfach der zu sein, daß nach ausgeklügelten Komödien wie "Die nackte Kanone" einfach die Ideen ausgehen. Stattdessen stellt "Road Trip" die x-te Studentenklamotte dar - letztendlich nur leicht variiert und ohne den Charme eines "Animal House". Hier mal Mäuse essen, da eine rektale Stimulation, dann Sex mit gezwungen-ekelerregenden Frauen. Ist das so witzig? Der Vergleich mit dem teils ebenfalls derben "Verrückt nach Mary" drängt sich auf, aber im Gegensatz zu "Road Trip" behält dieser das Gleichgewicht zwischen ironischer Überdrehtheit und feinfühliger Charakterzeichnung.

Bevor es vollends unverschämt und intolerabel wird, macht "Road Trip" glücklicherweise halt. So werden letztendlich weder die blinde Frau, noch die Gruppe schwarzer Studenten durch die Geschmacklosigkeit gezogen und auch der Ekelfaktor gegenüber fettleibigen Leuten hält sich noch erträglich zurück. Wenn aber das obligatorische Spermaspenden, das typische "erste Mal" und die voraussehbarste Verwechslung eines Videobands folgt, kann man sich vor Déjà vu's nicht retten und man fühlt sich sporadisch gelangweilt.

Insgesamt sind die Charaktere zwar recht sympathisch, stellen aber nicht mehr als die übliche Komödienkonstellation dar. Vor allem der schüchterne Streber Kyle, der im Laufe des Films zum ersten Mal seine Zurückhaltung durchbricht, ist hinlänglich bekannt, so daß der mutige Widerstand gegen seinen Vater (schon fast stellvertretend für elterlichen Konservatismus überhaupt) nur allzu ausgelutscht wirkt. Zugegebenermaßen ist es schwer, Charaktere einer Collegekomödie mit viel Neugeist zu füllen und vor dem Hintergrund, daß Tom Green's leicht schizophrener Charakter Barry noch einigermaßen frisch wirkt, kann man "Road Trip" in dieser Hinsicht nicht richtig böse sein. Aber ist der Film deswegen besser, im Sinne von witziger? Sicherlich Geschmackssache, aber dermaßen viele Leute dürfte Tom Green nicht zum ununterbrochenen Brüllen, eher nur zum Schmunzeln, anregen. Immerhin mag man denken - wenigstens war's einigermaßen kurzweilig.

Teils witziges, meist unausgewogenes und ausgelutschtes Roadmovie


Thomas Schlömer