Ne günstige Gelegenheit

Deutschland, 102min
R:Gernot Roll
D:Benno Führmann,
Armin Rohde,
Herbert Knaup
„Kotz die Wand an!”
Inhalt
Die beiden Existenzversager Abo (Armin Rohde) und Gosbert (Benno Führmann) scheinen wirklich am Boden: der prollige, aber gutmütige Abo unterhält einen heruntergekommenden Campingplatz, dessen einziger Gast der tagträumerische Gosbert ist. Ohne je einen Job gehabt zu haben, haust er in einer Wohnwagen-Kaschemme und träumt vom fernen Afrika. Zusätzlich muss er sich noch von einem erpresserischen Freund demütigen lassen und für diesen vergammelte Masturbations-Utensilien in einem Puff verkaufen. Dort platzt er zufällig in das Zimmer der Prostituierten Carlotta (Rebecca Immanuel), die sich gerade mit einem beim Geschlechtsakt Verstorbenen herumplagt. Gosbert hilf bei der dilettantischen Beseitigung des Toten, der dummerweise Entführer war. Denn somit hat Gosbert jetzt nicht nur dessen BMW, sondern auch einen Entführten im Kofferraum. Zusammen mit Abo beschließt er, die 'günstige Gelegenheit' zu nutzen und durch die Entführung an Geld zu kommen. Doch leider wird der entführte Kellermann (Herbert Knaup) von seinem habgieriegen Bruder gar nicht vermisst und da sind auch noch die zwei Komplizen des Toten aus dem Bordell, die auf der Suche nach Kellermann sind. Abos und Gosberts 'günstige Gelegenheit' wird zu einer Reihe von Desastern.
Kurzkommentar
Die Komponenten lassen Schlimmstes befürchten: 'Regisseur' Gernot (P)Roll, haftbar für die inszenatorische Greultat 'Ballermann 6', nimmt sich einer Krimipersiflage mit fürchterlichem Drehbuch an. Und richtig, die peinigende Humorkategorie des unausprechlichen (deutschen) Resultats provoziert unwillkürliche Kotzkrämpfe. Die im Grunde sympathischen Hauptdarsteller retten da nichts mehr und sind womöglich unter vorgehaltener Pistole zu Dreh gezwungen worden.
Kritik
Meiden Sie diesen Film wie die Pest, denn beinahe ist es eine kulturelle Katastrophe und ein antiqualitativer Kollaps, was sich da in deutschem Namen auf die Leinwand wagt! Wie uneinsichtig müssen heimische Filmproduzenten sein, wenn sie 1. Gernot Roll nach seiner mallorcinischen Gewalttat 'Ballermann 6' eine zweite Chance geben und damit 2. und durch ein schundhaftes Drehbuch das gerade halbwegs rehabiltierten Genre der deutschen Komödie mit soviel borniertem Dreck beschmutzen, dass die Genreexekution nahe scheint. Dabei hätte das Ergebnis ohne Gernot Roll als 'Regisseur' durchaus erfreulich werden können, denn die zugrundeliegende Idee, zwei liebenwerten Versager einen Entführten in die Hände fallen zu lassen, birgt unverbrauchtes Potential.

Denkenswert wäre eine charmante Schmuddelfarce im Stile von 'Bang Boom Bang' gewesen, doch wo dieser mit gut platzierter Situationskomik und Kreativität aufwartet, schockiert 'Bingo' mit purer Idiotie. Deutlich ist, dass sich dieser Extremstreifen in der Kategorie der neuen Schmuddel- und Verliererästhetik versucht, dabei jedoch über einen plakativen Einsatz schmieriger Klischeecharaktere nicht hinauskommt. Wo andererorts situativer Witz zwar nicht sonderlich originell, aber immer noch wirksam ist, tut der schwachsinnige Schenkelklopferhumor von 'Bingo' verdammt weh.

Es reich ja auch nicht, dass dieses überflüssige Machwerk völlig antriebslos vor sich hindümpelt. Nein, sobald das weltfremde Humorverständnis des Drehbuchschreibers auf der Leinwand spürbar werden soll, wird der Zuschauer zusätzlich noch mit einer Geräuschkulisse gefoltert, die man seit 'Bud Spencer & Terence Hill'-Zeiten eigentlich vergessen glaubte. Wird zugeschlagen, zwitschern die Vögel, kippt die im Rollstuhl gefesselte Geisel um, hört man undefinierbare, aber auf jeden Fall sturzdämliche Geräusche, die nur signalisieren: 'Gott, wir wissen ja, dass wir diesen Scheissfilm gar nicht drehen wollten!'. Genauso 'witzig' wie das wortfaule, schrecklich schablonenhaft aussehende Gangsterduo, das erst schießt, aber auch dann nicht fragt. Da wird kommentarlos in einer Szene dem Gerichtsmediziner die Rübe abgesägt und sein durch eine Gummipuppe angedeuteter Körper energisch in einer Abfalltonne gedrückt - zuvorderst geschmacklos, überhaupt nicht witzig und bodenlos doof.

Eine Schande, dass in diesem inszenatorischen Schrott zwei eigentlich charmantische Hauptdarsteller gnadenlos verheizt werden. Benno Führmanns Auftritt ist bis auf seinen markant gekünstelten Fluch 'Kotz die Wand an!', mit dem er unzählige Male das katastrophale Geschehen zweideutig kommentiert, vergessenwert und karrieretötend. Und nicht anders ergeht es Armin Rohde, der mal wieder für die ausgelutschte Klischeefigur des gutmütigen Prolls eingespannt wurde. Das verbrecherische Drehbuch unterbindet auch bei ihm jeglichen schauspielerischen Ansatz. Alles, was von ihm bleibt, ist sein durch die Szenrie stampfender, beleibter Körper. Die Hirnmaterung erlebt bist zum geistesumnachteten Ende immer wieder neue Höhepunkte, so dass man ohne Umschweife festhalten muss: 'Bingo' veranschaulicht, dass die Neudefinition der obersten filmischen Höllenqualen traditionell aus Deutschland zu kommen hat - zweifellos der schlechteste Film des Jahres.


Oberpeinlicher Genremüll vom 'Ballermann 6'-Verantwortlichen


Flemming Schock