O

USA, 95min
R:Tim Blake Nelson
B:William Shakespeare,Brad Kaaya
D:Mekhi Phifer,
Josh Hartnett,
Julia Stiles,
Martin Sheen
L:IMDb
Inhalt
Obwohl er der einzige farbige Schüler an der Highschool ist, ist Odin (Mekhi Phifer) alles andere als ein Außenseiter, im Gegenteil. Als Star des Basketball-Teams ist er bei allen beliebt, zudem ist er glücklich mit der Direktorentochter Desi (Julia Stiles) zusammen. Doch es droht Unglück, denn der auf Odins Erfolg neidische Hugo (Josh Hartnett) schmiedet dunkle Pläne, um seinen Konkurrenten auszustechen.
Kurzkommentar
Alles schon dagewesen, und zwar mehrfach: Teenie-Drama, Julia Stiles, Schwarz-Weiss-Beziehung, Josh Hartnett als Bösewicht, Shakesspeare-Adaption, oder, wie ein anderer Kritiker lakonisch schrieb: "*Teenage love, lies, & consequences flick!". Mehr muss eigentlich nicht gesagt werden...alles wiederholt sich.
Kritik
So langsam wird es penetrant: "O" ist inzwischen die dritte moderne Shakesspeare-Umsetzung mit Julia Stiles, und irgendwie ähneln sie sich alle arg. Diesmal also "Othello", nach "Hamlet" (Hamlet) und "10 Dinge, die ich an dir hasse" (Der Widerspenstigen Zähmung). Vielleicht liegt es aber auch einfach an Julia Stiles - denn mit "Save the Last Dance" und "Down to you" finden sich noch mindestens zwei weitere Projekte in ihrer nicht allzu langen Filmographie, die sich in die Reihe der typischen Stiles-Filme einordnen lassen.

Dabei ist "O" trotz aller Gleichförmigkeit dennoch ganz interessant: Zum einen hat das Projekt eine lange Wartezeit hinter sich, weil man den ursprünglichen Veröffentlichungstermin nicht halten konnte. Denn zu jener Zeit ereigenten sich in den USA gerade mehrer Tragödien mit zahlreichen Toten an amerikanischen Hochschulen, und so schien es kaum angebracht, einen Film mit einem dermaßen blutigen Ende in die Kinos zu bringen. Und zum anderen ist "O" die erste größere Regiearbeit von Tim Blake Nelson, manchem besser bekannt als Schauspieler, etwa in "Der schmale Grat" oder "O Brother, where art thou?". Übrigens spielte Nelson auch eine kleine Rolle in der bereits genannten Hamlet-Verfilmung mit Ethan Hawke (und natürlich Julia Stiles). Apropos kleine Rolle: Nach River und Joaquin darf man mit Rain wieder mal ein Mitglied der Phoenix-Familie bewundern.

Abgesehen von diesen Randbemerkungen, wie ist nun der Film? Nun, wäre es kein Shakesspeare-Stoff, jeder würde sich über das unverhältnismäßige Ende, dass von zahlreichen Morden geprägt ist, aufregen, und den Film mangels Unglaubwürdigkeit zerreissen. So ist es nun Shakesspeare, und der Vorwurf, dass das Drehbuch reichlich abgedreht sei, kann kaum mehr vorgebracht werden. Dennoch: Nicht jeder wird die Bezüge sofort sehen, zumal der Film nicht explizit darauf hinweist, und die Verlagerung der Handlung an eine amerikanische Hochschule, mit Basketball als Story-Element, das legt nun nicht unbedingt einen klassischen Stoff nahe. Allein die etwas seltsamen Namen verblüffen den unwissenden Zuschauer, aber es darf gemutmaßt werden, wieviele amerikanische Durchschnitts-Kinogänger den Stoff als Shakesspeare-Adaption erkennen. Insofern muss er sich schließlich doch den Vorwurf gefallen lassen, nicht eben durch besondere Glaubwürdigkeit oder sonderlich differenzierte Handlungsführung gekennzeichnet zu sein. Wobei die Geschichte erstaunlicher Weise die ersten drei Viertel vergleichsweise gemächlich vor sich hin plätschert, bis am Ende, mit theatralischer Wut gewissermaßen, das Chaos ausbricht, die Gefühle überkochen, die Leidenschaften über jede Vernunft siegen, Eskalation der Emotionen. Ein schönes Motiv, wenn auch nicht eben neu.

Realitätstreue dürfte nie ein Anliegen Shakespeares gewesen sein, vielmehr die Unterhaltung, das Gefühl, das Dramatische. Innerhalb der Grenzen eines Highschool-Films sind dabei die Darsteller gar keine schlechte Wahl. Julia Stiles hat ja nun reichlich Erfahrung, auch Josh Hartnett sah man bereits in ähnlichen Rollen (etwa in "The Faculty" - zugegebenermaßen nicht von Shakespeare), und insbesondere Mekhi Phifer als Odin (Othello) kann gefallen. Der Rest ist aber leider nicht mehr als routiniert, und so kann sich "0" durch wenig abheben, ausser durch einen gewissen Plagiarismus.

Shakespeare-Adaption, die 374. - alles wie gehabt.


Wolfgang Huang