Planet der Affen, Der
(Planet of the Apes)

USA, 120min
R:Tim Burton
B:Pierre Boulle,William Broyles Jr.
D:Mark Wahlberg,
Tim Roth,
Helena Bonham Carter,
Michael Clarke Duncan,
Paul Giamatti
L:IMDb
„Haltet die Klappe! ... das gilt für alle Spezies.”
Inhalt
Als er mit seinem Raumschiff in einen elektromagnetischen Sturm gerät, wird der Astronaut Leo Davidson (Mark Wahlberg) quer durchs All geschleudert und muss schließlich auf einem unbekannten Planeten notlanden. Das Shuttle ebenso verloren wie seine Waffen und Ausrüstung, entdeckt Davidson, dass er in eine Welt geraten ist, in der Affen herrschen - und Menschen als Sklaven gehalten werden. Er wird selbst gefangen, und nur die Menschenrechtlerin Ari (Helena Bonham Carter), eine Schimpansin, rettet ihn vor dem grausamen General Thade (Tim Roth). Gemeinsam fliehen sie in die verbotene Zone Calima, verfolgt von Thade und seiner blutrünstigen Affenarmee. Dort macht Davidson eine Entdeckung, die nicht nur ihm, sondern auch Ari die Augen öffnet über die wahre Entwicklungsgeschichte des Planeten der Affen. Doch dann beginnt die Armee der Affen den letzten Vernichtungsangriff auf die Menschen.
Kurzkommentar
Man könnte richtig sauer werden über soviel verschenktes Potential. Zweifellos ist dieses Sujet schwer zu bearbeiten, zugleich bietet es doch Unmengen Chancen in jeder Richtung. Und eigentlich wäre Burton der richtige Mann gewesen, um dem Ganzen neue, faszinierende Seiten abzugewinnen. Stattdessen: Nichts dergleichen.
Kritik
Burton, ein Meister des Skurillen, des hintersinnigen Trashs, und "Planet der Affen" - welch Mischung, welch Potential! Doch was am Ende rauskommt, ist größtenteils enttäuschend, zumindest an den Erwartungen gemessen.

Es wäre Burton viel zuzutrauen gewesen: Eine sozialkritische Variante, ein düsteres Spektakel, herrlicher Trash, ein Art Charakterstudie zwischen Affe und Mensch. Letzteres gelingt ihm immerhin soweit, als die Affen von Gestik und Mimik her durchaus Maßstäbe setzen. Den gesamten Film hindurch bleiben die Bewegungen, Reaktionen und Geräusche besonders von Thade und Ari irritierend anders. Dass es Burton und dem Maskenbildner-Team gelungen ist, dies trotz Unmengen Plastik und Latex noch umzusetzen, ist wahrlich bewundernswert.

Im krassen Gegensatz dazu steht aber die charakterliche Dürftigkeit der Figuren. Alle von simpelsten Motiven getrieben, nur mit skizzierter Persönlichkeit ausgestattet, wenn überhaupt, enttäuschen gerade die Hauptcharaktere - von den Nebenfiguren ganz zu schweigen. Oft geschrieben, aber wahr: "Planet der Affen" hat auch so ziemlich die unnötigste Frauenrolle der Filmgeschichte zu bieten. Überhaupt könnte man die Hälfte der häufiger auftretenden Affen ersatzlos streichen, eher mit Gewinn für den Film. Erschwerend kommt hinzu, dass manche der Figuren als reine Zielgruppen-Identifikations-Vehikel fungieren, ein trauriger Trend, begonnen von Disney/Lucas-Produktionen, der anscheinend immer weitere Kreise zieht.

Vor diesem Hintergund scheidet auch jeder ernstzunehmende sozialkritische Ansatz aus - zwar gibt es leichte Anspielungen, doch scheinen das eher gezwungene Alibi-Bemerkungen zu sein. Vielmehr scheint, auch dank der Geschichte, durch, dass zumindest der Drehbuchautor sehr fest davon überzeugt war, dass Menschen eben nunmal höherwertig und Affen genauso selbstverständlicherweise weiter unten anzusiedeln sind. Zwar macht Leo einen interessanten Kommentar, angesprochen auf die grausame Behandlung der Affen durch den Menschen, leider wird das Thema so gar nicht weiter ausgeführt. Nun, wie auch immer das Verhältnis zwischen Affe und Mensch tatsächlich sein mag - es wäre bei weitem ergiebiger gewesen, in der einen oder anderen Art mit diesem ergiebigen Ansatz zu spielen (und gerade Burton wäre dafür eigentlich der richtige Mann).

Viele von Burtons Filmen sind allein schon wegen ihrer Atmosspähre sehenswert, allen voran "Sleepy Hollow". Angesichts der Stimmungen, die Burton zaubern kann, sieht man sogar über den manchmal mageren Gehalt hinweg. Bei "Planet der Affen" will aber auch das nicht so recht gelingen. Abgesehen von der bemerkenswerten Umsetzung der Affen-Physis bleibt der Rest doch sehr gewöhnlich. Im Gegenteil, durch unnötig alberne Szenen (Basketball spielende Affen, Zielgruppen-Kasper, etc.) wird das animalische Flair nachhaltig zerstört. Dabei hätte es auch hier, ich wiederhole mich, Unmengen an Chancen gegeben, und kaum jemand wäre geeigneter gewesen, ein atmosspährisch dichtes Gesamtbild zu schaffen, als Burton. Aber nichts dergleichen.

Bliebe, als letzte Möglichkeit, noch eine intelligente und mitreissende Story. Aber der Film tröpfelt leider nur so vor sich hin, in der ersten Hälfte damit beschäftigt, das skurrile Setting zu etablieren, und in der zweiten, auf den finalen Höhepunkt hinzuarbeiten.

Wahrscheinlich aber hatte Burton Angst vor diesem Vorwurf, zumal sein Film ja nur ein Remake ist und das Original einen Großteil seines Reizes aus dem unerwarteten Ende zog. Deshalb klebte er flugs ein zweites Ende an das erste dran, dass die Geschichte dann nochmal rumdreht, nur um das Original zu übertrumpfen. Dass dieses Finale bar jeglicher nachvollziehbarer Logik ist, schmerzt umso mehr, als es einmal mehr die Inkonsistenz des Filmes aufzeigt. Denn mit einem auch nur angedeuteten logischen Zusammenhang hätte Burton vielleicht den genialen zweiten Dreh geschafft - so bleibt der Schluß halbherzig und ungar, wie eigentlich auch der ganze restliche Film.

Trashiges Affentheater mit Unmengen vertaner Chancen


Wolfgang Huang
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Außer den tollen Affendarstellern und in Sachen Optik enttäuscht Tim Burtons ("Sleepy Hollow") Version vom "Planet der Affen" ziemlich, weil er seinen Film nicht mit den liebenswerten Charakteren füllt, die man sonst von ihm gewohnt ist. Und als sich der Film in der letzten Stunde mehr und mehr auf seine Story konzentriert, foltert uns Burton mit e...